GOP-Senatoren fordern Untersuchung der Cannabis- und China-Verbindungen in den USA
Vier republikanische Senatoren um Tom Cotton verlangen von Justizminister Todd Blanche eine Prüfung chinesischer Netzwerke im US-Cannabis- und Hanfmarkt.

Vier republikanische US-Senatoren, angeführt von Tom Cotton (R-AR), haben einen Brief an Justizminister Todd Blanche geschickt. Darin fordern sie eine Untersuchung der "wachsenden Rolle chinesischer transnationaler krimineller Organisationen in Amerikas Cannabis- und berauschenden Hanfmärkten". Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der Washington die Drogenpolitik auf mehreren Ebenen neu justiert.
In dem Schreiben heißt es, chinesische transnationale kriminelle Organisationen "dominieren den Anbau und die Verteilung von Marihuana in den Vereinigten Staaten, insbesondere in Staaten mit legalen Cannabis-Märkten". Neben Cotton unterzeichneten drei weitere republikanische Senatoren den Brief. Über die Namen der weiteren Unterzeichner macht die Quelle keine Angaben.
Parallel bewegt sich die Gesetzgebung auf Bundesebene: Die Abgeordneten Lou Correa (D-CA) und Jack Bergman (D-CA) haben einen Gesetzentwurf eingebracht, der das Veterans Affairs Department anweist, die Vorteile von medizinischem Cannabis für Militärveteranen mit PTBS und chronischen Schmerzen zu untersuchen. Auf Staatsebene genehmigte Georgia neue Lieferregeln, und Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom (D) unterzeichnete ein Gesetz zu Esswaren und Getränken.
Die Details
Der Brief der Senatoren richtet sich an Attorney General Todd Blanche und verlangt eine Prüfung der chinesischen Beteiligung an legalen wie illegalen Cannabis- und Hanfmärkten. Die Unterzeichner argumentieren, die Organisationen kontrollierten Anbau und Vertrieb – ein Vorwurf, der die Debatte über ausländische Einflussnahme in der US-Cannabisbranche befeuert.
Im Kongress hat das Caucus zur Förderung psychedelischer Therapien einen Bericht veröffentlicht. Er hebt die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen Bundesbehörden und Stellen auf Staatenebene hervor, um den sicheren Zugang zur therapeutischen Anwendung von Substanzen wie Psilocybin und Ibogain zu beschleunigen. Matt Zorn, stellvertretender General Counsel des Department of Health and Human Services, sprach über Bemühungen, sicherzustellen, dass psychedelische Behandlungen "verfügbar" und "bezahlbar" sind.
In Georgia hat die Access to Medical Cannabis Commission neue Vorschriften genehmigt, die die Lieferung von medizinischem Marihuana erlauben – einschließlich über den United States Postal Service (USPS) sowie private Kurierdienste wie FedEx und UPS. Die Bundesbehörde weigert sich jedoch zu klären, ob sie am Cannabis-Handel teilnehmen wird.
In Kalifornien unterzeichnete Gouverneur Gavin Newsom (D) einen Gesetzentwurf, der neue Verpackungs- und Kennzeichnungsvorschriften für cannabisinfundierte Esswaren und Getränke hinzufügt. Zusätzlich müssen Einzelhändler Verbrauchern Messinstrumente oder Geräte für Cannabis-Getränke mit mehr als einer Portion anbieten.
In Maryland trat am Donnerstag ein neues Gesetz in Kraft, das Feuerwehrleuten und Rettungskräften erlaubt, medizinisches Cannabis auch außerhalb ihrer Dienstzeit zu nutzen, ohne dafür bestraft zu werden. Der Justizausschuss des Tennessee Senate führte Anhörungen zu einem Gesetzesentwurf zur Legalisierung von medizinischem Cannabis durch. Missouri-Behörden reichten vorgeschlagene Änderungen zu den Vorschriften für Cannabisunternehmen ein, und Maryland startete eine Pilotstudie zur Prüfung der Kompetenz bei Cannabinoiden, die fünf Labore miteinander vergleicht.
Auf Bundesebene hat ein Bundesrichter das Justizministerium angewiesen, ein Memo des Office of Legal Counsel bereitzustellen, das angeblich die Rechtfertigung für die militärischen Schläge der Trump-Administration gegen verdächtige Drogenschiffe liefert. Florida-Hausdemokraten fordern den Internal Revenue Service auf, zu untersuchen, ob die Verwendung von Medicaid-Mitteln zur Kampagne gegen eine Volksabstimmung zur Legalisierung von Marihuana ordnungsgemäß gemeldet wurde und ob Steuern fällig sind.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Vorstöße reihen sich in eine Serie von Entwicklungen ein, über die aktien.news bereits berichtet hat. Bereits am 26.04.2026 berichtete aktien.news, dass der Haushaltsausschuss des US-Repräsentantenhauses Bundesbehörden anwies, die "Angemessenheit" der Marihuana-Gesetze einzelner US-Bundesstaaten zu untersuchen – ein bemerkenswerter Eingriff der Bundesebene in die bislang eigenständig geregelten Cannabis-Politiken der Staaten.
Am 10.05.2026 berichtete aktien.news über einen parteiübergreifenden Änderungsantrag der Abgeordneten Brian Mast (R-FL), Dave Joyce (R-OH) und Dina Titus (D-NV), der Veteranen den Zugang zu medizinischen Cannabis-Empfehlungen über ihre VA-Ärzte ermöglichen sollte. Zudem richtete eine Koalition aus 32 Kongressmitgliedern einen Brief an die FDA mit der Forderung, die Zulassung psychedelischer Therapien voranzutreiben.
Am 18.05.2026 meldete aktien.news, dass das US-Repräsentantenhaus wichtige Gesetzesänderungen verabschiedete, die den therapeutischen Zugang zu Cannabis und Psychedelika für Militärveteranen deutlich erweitern sollen. Die Entwicklungen fügten sich in einen breiteren Wandel ein, zu dem auch die Neueinstufung von Marihuana in Schedule III gehörte.
Am 18.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Abgeordneten Nydia Velázquez (D-NY) und Warren Davidson (R-OH) einen Gesetzentwurf einbrachten, der Versicherungsunternehmen davor schützen soll, für die Deckung von Marihuana-Unternehmen bestraft zu werden. Der fehlende Zugang zu Versicherungs- und Finanzdienstleistungen erschwert vielen Unternehmen den Betrieb.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind die Signale aus Washington und den US-Bundesstaaten relevant, weil sie den regulatorischen Rahmen der weltweit größten Cannabis-Volkswirtschaft verschieben. Die Neueinstufung von Marihuana in Schedule III, die erweiterte Veteranen-Gesetzgebung und der Vorstoß zum Versicherungsschutz adressieren zentrale Strukturprobleme der Branche.
Gleichzeitig zeigen die Ermittlungsforderungen zu chinesischen Netzwerken und die Prüfung von Medicaid-Mitteln, dass der politische Druck auf den Sektor von mehreren Seiten kommt. Regulatorische Klarheit – etwa bei Lieferwegen wie USPS, FedEx und UPS – bleibt ein entscheidender Faktor für die Geschäftsmodelle von Anbietern.
Auch die wissenschaftliche und behördliche Entwicklung spielt eine Rolle: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit gab eine positive Stellungnahme zur Verwendung von CBD in Lebensmitteln ab. Eine Überprüfung kam zu dem Ergebnis, dass "Cannabinoide biologisch plausible antitumorale Aktivitäten über mehrere Krebsmerkmale hinweg zeigen und vielversprechende Kandidaten für kombinierte therapeutische Strategien darstellen könnten". Eine weitere Studie fand heraus, dass "der Gebrauch von Psilocybin und LSD positive Einstellungen gegenüber der Umwelt fördern kann, was wiederum mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verbunden sein könnte, eine vegetarische Ernährung anzunehmen".
Auf Unternehmensseite hat Metrc eine Studie in Auftrag gegeben, die ergab, dass Verbraucher staatlich ausgegebene QR-Codes auf Cannabisprodukten befürworten, um Zugang zu Labortestergebnissen, Compliance-Daten und Sicherheitsressourcen zu erhalten. Curaleaf Holdings, Inc. gab an, in den letzten sieben Jahren insgesamt mehr als 600.000 Dollar für Aktionen im Rahmen des Breast Cancer Action Month gesammelt und gespendet zu haben. Der American Trade Association for Cannabis and Hemp veröffentlichte einen Bericht, wonach das Fehlen konsistenter Feuchtigkeitsstandards für Cannabis Unternehmen und staatliche Regierungen jährlich zehn Millionen Dollar kostet und Verbraucher minderwertigen und potenziell unsicheren Produkten aussetzt.
Ausblick
Konkrete Termine nennt die Quelle nur wenige: Das neue Maryland-Gesetz trat am Donnerstag in Kraft. Die Anhörungen im Tennessee Senate zu medizinischem Cannabis bleiben ebenso offen wie die Frage, ob USPS, FedEx und UPS tatsächlich Lieferungen von medizinischem Marihuana in Georgia übernehmen. Ob der Brief der Senatoren an Justizminister Blanche zu einer förmlichen Untersuchung führt, ist nicht absehbar.
Kurz erklärt
- Transnationale kriminelle Organisation: Ein über Ländergrenzen hinweg agierender Zusammenschluss, der organisierte Kriminalität betreibt.
- Psilocybin: Ein psychoaktiver Wirkstoff aus bestimmten Pilzarten, der in der Therapieforschung untersucht wird.
- PTBS: Die posttraumatische Belastungsstörung, eine psychische Erkrankung nach belastenden Ereignissen.
