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DAX verliert nach Rekord 1,9 Prozent – KI-Ausverkauf schockt Anleger

• 3 Min
DAX verliert nach Rekord 1,9 Prozent – KI-Ausverkauf schockt Anleger

Die wachsende Skepsis gegenüber den milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz hat am Freitag auch den deutschen Aktienmarkt erfasst. Der DAX büßte nach einem neuen Rekordhoch von 26.692 Punkten zeitweise mehr als 1.000 Zähler ein und beendete den Handel mit einem Minus von 1,9 Prozent bei rund 25.820 Punkten. Damit gab der Leitindex sein zwischenzeitliches Wochenplus vollständig ab.

Auslöser für die Talfahrt war ein massiver Kursrutsch an der Wall Street, der sich bereits an den asiatischen Börsen bemerkbar machte. In Seoul musste der Handel sogar kurzzeitig ausgesetzt werden, um Panikverkäufe zu verhindern. Im Zentrum der Sorgen steht die Frage, ob sich die enormen Investitionen in KI-Hardware und Rechenzentren jemals auszahlen werden. Zudem fürchten Anleger nach dem Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen strengere Regeln für die Technologiebranche. Rechenzentren stehen dabei besonders in der Kritik: Sie verbrauchen viel Strom und Wasser, verursachen Lärm und könnten die Energiepreise weiter treiben. In mehreren US-Bundesstaaten regt sich Widerstand gegen neue Anlagen, und höhere Abgaben auf KI-Gewinne werden diskutiert.

Die Unsicherheit erfasste auch deutsche Unternehmen, die eigentlich zu den Profiteuren der KI-Euphorie zählen. Aktien wie Infineon, Siemens Energy und Hochtief gerieten unter Druck, konnten sich im weiteren Handelsverlauf aber wieder erholen.

An der Wall Street setzte nach dem Ausverkauf eine leichte Erholung ein. Der Nasdaq 100 legte zum Handelsstart deutlich zu, angetrieben von gestiegenen Halbleiterwerten. Die Papiere von Nvidia, die am Vortag den schlechtesten Handelstag seit Januar 2025 erlebt hatten, stiegen wieder an. Auch AMD, Intel und Micron Technology sowie Tesla und SpaceX gewannen hinzu. Der marktbreite S&P 500 machte einen Teil seiner Vortagsverluste wett, während der Dow Jones erneut leicht nachgab. Auf Wochensicht dürften alle drei Indizes im Minus schließen, wobei der kräftige Kursrutsch am Donnerstag besonders ins Gewicht fällt.

Positive Konjunkturdaten aus den USA traten angesichts des Tech-Ausverkaufs in den Hintergrund. Ein überraschend starker Arbeitsmarktbericht und ein gutes Verbrauchervertrauen bewegten die Anleger kaum. Zwar schürten die Daten Erwartungen, dass die US-Notenbank Federal Reserve im Dezember die Zinsen erhöhen könnte, klare Impulse für die Aktienkurse blieben jedoch aus.

Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank sieht in der Entwicklung eine Bestätigung der Befürchtungen vieler Anleger: "An der Wall Street ist genau das eingetreten, was Anleger seit Monaten befürchten: Dass sich das Klumpenrisiko aus wenigen Tech-Schwergewichten rächt und die großen Indizes mit in die Tiefe reißt, wenn sie einmal stärker fallen sollten." Lisa Hassenzahl vom Family Office Her rät zur Besonnenheit: "Eine platzende Blase sehe ich derzeit nicht. Aber ja, es ist eine Korrektur und es zeigt, dass eben auch bei Technologiewerten nicht immer alles nur streng nach oben geht."

In den kommenden Monaten dürfte es an den Börsen weiterhin schwankungsreich bleiben, da die Zweifel an der Geschwindigkeit, mit der sich die hohen Investitionen auszahlen, vorerst bestehen bleiben. Auch beim KI-Unternehmen Anthropic könnte nicht alles nach Plan laufen: Eigentlich wollte das Unternehmen kommende Woche die Werbetour für den eigenen Börsengang starten, doch laut Reuters zweifeln Investoren daran, dass der Gang aufs Parkett im vorgegebenen Zeitplan klappt. Einige halten die Billionen-Bewertung des Unternehmens für zu hoch.

Abseits der Tech-Sorgen gerieten einige DAX-Konzerne in den Fokus. Die Aktien von Munich Re und Hannover Rück standen nach Abstufungen durch die US-Bank JPMorgan zeitweise unter Druck. Daimler Truck konnte trotz einer kräftigen Gewinnsteigerung im dritten Quartal die Börsianer nicht überzeugen – die Papiere fielen deutlich. Auch Rüstungswerte gaben nach.

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