DAX-Rekord unter Druck: Nasdaq-Absturz und Rheinmetall-Debakel bremsen Rally

Der deutsche Leitindex hat am Donnerstag ein neues Allzeithoch markiert, musste im weiteren Handelsverlauf jedoch deutliche Einbußen hinnehmen. Zeitweise kletterte der DAX auf rund 26.692 Punkte und setzte damit seinen bereits am Mittwoch gestarteten Aufwärtstrend fort. Am Nachmittag drehte die Stimmung jedoch ins Negative, nachdem schwache Vorgaben von der Wall Street die Kurse belasteten. Der DAX beendete den Handelstag schließlich 0,4 Prozent tiefer bei etwa 26.325 Punkten.
Auslöser für den Stimmungswechsel waren erhebliche Verluste an der US-Technologiebörse. Der Nasdaq 100 weitete seine Verluste zeitweise auf sechs Prozent aus, nachdem Sorgen über die Zukunft des KI-Sektors nach dem Wahlsieg der Demokraten in beiden Kammern des US-Parlaments aufgekommen waren. Während sich die Abwärtsbewegung beim Dow Jones Industrial und beim breiter gefassten S&P 500 in Grenzen hielt, belastete der Ausverkauf bei Technologiewerten auch den deutschen Markt.
Ob die grundsätzlich positive Börsenstimmung nach den Midterms Bestand haben wird, ist fraglich. Ökonomen mahnen zur Vorsicht: Die erste Börsenreaktion dürfe nicht überinterpretiert werden. In den vergangenen Jahrzehnten folgte auf die Midterms zwar stets ein kräftiges Plus in den Wochen danach, doch Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG warnt: "Die geopolitischen Unsicherheiten und das Risiko kräftiger Rückschläge bleiben bestehen."
Auch die Ölpreise bleiben ein Unsicherheitsfaktor. Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich innerhalb einer Woche um rund zwölf Prozent auf etwa 97 Dollar pro Barrel. US-Öl der Sorte WTI notiert mit rund 89 Dollar pro Fass und damit laut Datenanbieter Infront etwa 13 Prozent niedriger als noch vor einer Woche. Viele Investoren spekulieren offenbar auf eine friedliche Lösung im Nahen Osten, doch bisher gehen die gegenseitigen Angriffe weiter, eine diplomatische Lösung ist nicht in Sicht. Im Tagesverlauf zogen die Ölpreise wieder leicht an. Marktanalyst Kyle Rodda von Capital.com gibt zu bedenken: "Es gibt die Sorge, dass ein zunehmend geschwächter Präsident Trump außenpolitisch aktiver und möglicherweise riskanter agieren könnte, wenn er noch Einfluss nehmen will und weniger Gründe zur Zurückhaltung hat."
Sinken die Ölpreise dauerhaft, würde das den Inflationsdruck senken und die Gewinnaussichten vieler Unternehmen verbessern, da die Produktionskosten sinken. Unterstützung erhielt der Markt zudem von aktuellen Konjunkturdaten: Die deutsche Industrie verzeichnete im September einen Auftragszuwachs von 4,4 Prozent und erholte sich damit vom Einbruch im Vormonat. Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer spricht von einer "positiven Überraschung" und sieht die Wahrscheinlichkeit steigen, dass die Aufträge den Seitwärtstrend der vergangenen anderthalb Jahre verlassen.
Zahlreiche Unternehmen legten am Donnerstag ihre Bilanzen vor. Der DAX-Konzern Hochtief profitiert weiterhin vom KI-Boom und meldet dank zahlreicher neuer Aufträge, etwa für Rechenzentren, so volle Bücher wie nie zuvor. Die Deutsche Telekom wuchs vor allem dank ihrer US-Tochter T-Mobile US stark und hob ihre Prognose erneut leicht an. Die Commerzbank, die vor der Übernahme durch die italienische Großbank UniCredit steht, steigerte ihr operatives Ergebnis im dritten Quartal um 25 Prozent auf 1,31 Milliarden Euro und das Nettoergebnis um rund 45 Prozent auf 859 Millionen Euro – verfehlte damit aber knapp die Analystenerwartungen. In den ersten neun Monaten kletterte der Überschuss um mehr als 40 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro, das beste Ergebnis für diesen Zeitraum in der Konzerngeschichte. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand weiter einen Rekordgewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro an.
Dagegen musste das Rüstungsunternehmen Rheinmetall einen herben Rückschlag hinnehmen. Verzögerungen bei Großaufträgen zwangen die Düsseldorfer, ihre Gewinnprognose zu senken und das Umsatzziel für 2026 erneut zu kürzen. Bereits im August hatte das Unternehmen seine Umsatzprognose wegen des gestoppten F126-Fregattenprogramms reduziert. Im dritten Quartal blieb der Umsatz trotz Wachstums unter den Markterwartungen. Die Rheinmetall-Aktie brach zeitweise um mehr als 17 Prozent ein und war mit Abstand größter Verlierer im DAX.
Im Rüstungssektor sorgte zudem eine Nachricht aus Berlin für Aufmerksamkeit: Die Bundesregierung hat sich grundsätzlich mit den Eigentümerfamilien des Panzerbauers KNDS auf den Erwerb ihrer 50-prozentigen Beteiligung geeinigt. Das erfuhr das ARD-Hauptstadtstudio aus Regierungskreisen. Gemeinsam mit Frankreich, das die übrigen Anteile hält, will der Bund so Einfluss auf wichtige Schlüsseltechnologien sichern.
