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DAX verliert 1,9 Prozent: KI-Ausverkauf löscht Wochengewinne aus

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DAX verliert 1,9 Prozent: KI-Ausverkauf löscht Wochengewinne aus

Der deutsche Leitindex hat zum Wochenausklang deutlich Federn gelassen. Nachdem der DAX am Vortag mit 26.692 Punkten ein neues Rekordhoch markiert hatte, rutschte er am Freitag zeitweise um mehr als 1.000 Zähler ab und beendete den Handel bei rund 25.820 Punkten – ein Minus von 1,9 Prozent. Damit ist das zwischenzeitliche Wochenplus vollständig aufgezehrt. Auslöser war ein globaler Ausverkauf bei KI- und Halbleiteraktien, der von der Wall Street ausging und auch Asien erfasste. In Seoul musste die Börse den Handel kurzzeitig aussetzen, um Panikverkäufe zu stoppen.

Im Zentrum der Sorgen steht die Frage, ob sich die milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz tatsächlich auszahlen. Nach dem Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen fürchten Anleger strengere Regeln für die Tech-Branche. Kritik entzündet sich vor allem an den Rechenzentren, die viel Strom und Wasser verbrauchen, Lärm verursachen und die Energiepreise treiben könnten. In mehreren US-Bundesstaaten regt sich Widerstand gegen neue Anlagen, zudem werden höhere Abgaben auf KI-Gewinne diskutiert. Diese Unsicherheit erfasste auch deutsche Titel wie Infineon, Siemens Energy und Hochtief, die zuvor von der KI-Euphorie profitiert hatten. Inzwischen haben sich diese Werte wieder etwas erholt.

An der Wall Street setzte nach dem heftigen Rücksetzer am Donnerstag eine Gegenbewegung ein. Der Nasdaq 100 legte zum Handelsstart deutlich zu, getrieben von Halbleiterwerten. Nvidia, das am Vortag den schlechtesten Handelstag seit Januar 2025 verzeichnet hatte, stieg ebenso wieder wie AMD, Intel und Micron Technology. Auch Tesla und SpaceX gewannen hinzu. Der marktbreite S&P 500 machte einen Teil seiner Verluste wett, während der Dow Jones erneut leicht nachgab. Auf Wochensicht dürften alle drei Indizes im Minus schließen – beim Nasdaq 100 und beim Dow vor allem wegen des kräftigen Kursrutsches am Donnerstag. Seit Ende Oktober hat der Nasdaq 100 rund neun Prozent eingebüßt.

Positive Konjunkturdaten aus den USA traten angesichts des Tech-Ausverkaufs in den Hintergrund. Ein überraschend starker Arbeitsmarktbericht und ein gutes Verbrauchervertrauen bewegten die Kurse kaum. Zwar schürten die Daten Erwartungen, dass die US-Notenbank Federal Reserve im Dezember die Zinsen erhöhen könnte, klare Impulse für die Aktienmärkte blieben jedoch aus.

Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank sieht in der Entwicklung eine Bestätigung lang gehegter Befürchtungen: "An der Wall Street ist genau das eingetreten, was Anleger seit Monaten befürchten: Dass sich das Klumpenrisiko aus wenigen Tech-Schwergewichten rächt und die großen Indizes mit in die Tiefe reißt, wenn sie einmal stärker fallen sollten." Finanzexpertin Lisa Hassenzahl vom Family Office rät derweil zur Gelassenheit: Eine platzende Blase sehe sie derzeit nicht, "aber ja, es ist eine Korrektur und es zeigt, dass eben auch bei Technologiewerten nicht immer alles nur streng nach oben geht."

Für die kommenden Monate rechnen Beobachter mit weiteren Schwankungen. Die Zweifel, wie schnell sich die hohen Investitionen in Hardware und Rechenzentren amortisieren, dürften vorerst bestehen bleiben. Auch beim KI-Unternehmen Anthropic läuft es offenbar nicht nach Plan: Eigentlich wollte das Unternehmen kommende Woche die Werbetour für den eigenen Börsengang starten, doch laut Reuters zweifeln Investoren inzwischen daran, dass der Gang aufs Parkett im vorgegebenen Zeitplan klappt. Einige halten zudem die Billionen-Bewertung für zu hoch.

Abseits des Tech-Geschehens gerieten die Quartalszahlen mehrerer DAX-Konzerne fast in den Hintergrund. Die Aktien von Munich Re und Hannover Rück standen nach Abstufungen durch die US-Bank JPMorgan zeitweise unter Druck. Daimler Truck konnte trotz einer kräftigen Gewinnsteigerung im dritten Quartal die Börsianer nicht überzeugen – die Papiere gingen deutlich nach unten. Auch Rüstungswerte verzeichneten Verluste.

MarktberichtDAXBörseMärkteTagesschau

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