DAX schließt 0,6% im Plus – Ölpreise stürzen ab, Apple-Zahlen im Fokus

Der deutsche Leitindex DAX hat den Handelstag mit einem Plus von 0,6 Prozent bei 25.981,09 Punkten beendet. Für Rückenwind sorgten vor allem deutlich gefallene Ölpreise, die den Markt von der jüngsten geopolitischen Belastung befreiten. Anleger bleiben dennoch vorsichtig, denn in den USA stehen mit den Zwischenwahlen und weiteren Quartalszahlen große Ereignisse bevor.
Die Nordseesorte Brent und die US-Sorte WTI verbilligten sich im Tagesverlauf um mehr als vier Prozent. Damit gaben die Notierungen einen Teil der kräftigen Preissteigerungen der vergangenen Wochen wieder ab. Zuvor hatten die Sorgen vor einer weiteren Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran die Ölpreise auf den höchsten Stand seit rund sechs Monaten getrieben. Auslöser für den Rückgang waren Hoffnungen auf eine diplomatische Annäherung zwischen Washington und Teheran. Ein Medienbericht über Bemühungen von US-Präsident Donald Trump um eine Entspannung im Konflikt mit Iran ließ die Sorge vor einer baldigen Wiederaufnahme amerikanischer Angriffe nachlassen. Damit schwand zumindest vorübergehend ein Teil der geopolitischen Risikoprämie, die sich zuletzt in den Ölpreisen niedergeschlagen hatte.
Für die Aktienmärkte ist der Rückgang der Ölpreise zunächst eine gute Nachricht. Günstigere Energie kann Unternehmen und Verbraucher entlasten. Für die Industrie sinken potenziell die Kosten für Produktion und Transport, zugleich werden Mobilität und Heizen für private Haushalte weniger teuer. Das könnte auch den Inflationsdruck mindern und den Notenbanken etwas Spielraum verschaffen. Allerdings ist noch offen, ob die Entspannung an den Ölmärkten von Dauer sein wird.
Weniger erfreulich fallen die jüngsten Konjunktursignale aus Deutschland aus. Der Einzelhandel musste im September einen Umsatzrückgang hinnehmen. Zwar hatte sich die Konsumstimmung im November zuletzt etwas aufgehellt, von einer nachhaltigen Erholung der Kauflaune kann jedoch noch keine Rede sein. Viele Verbraucher bleiben angesichts wirtschaftlicher Unsicherheit, hoher Lebenshaltungskosten und der Sorge um die eigene finanzielle Situation vorsichtig. Der Handelsverband sieht deshalb vorerst kaum Impulse vom privaten Konsum für das Wirtschaftswachstum. Gerade der Konsum gilt als wichtige Stütze der deutschen Wirtschaft. Wenn die Verbraucher ihr Geld zusammenhalten, fehlt vielen Handelsunternehmen ein wesentlicher Teil ihrer Nachfrage. Das erschwert es der Branche, aus der anhaltenden Schwächephase herauszukommen.
Ein Hoffnungsschimmer ist das bevorstehende Weihnachtsgeschäft. Für den Einzelhandel ist es traditionell eine der wichtigsten Umsatzphasen des Jahres. Die Unternehmen setzen darauf, dass die Ausgaben für Geschenke, Lebensmittel und andere Anschaffungen zum Jahresende noch einmal anziehen. Allerdings dürfte das Geschäft in diesem Jahr unter besonderen Vorzeichen stehen. Viele Verbraucher wollen auch in den kommenden Wochen stärker auf ihre Ausgaben achten und Geld zurücklegen. Die erhoffte Belebung könnte deshalb schwächer ausfallen als erhofft.
An der Börse richtete sich der Blick zum Wochenauftakt bereits auf die nächsten wichtigen Termine in den USA. Am Dienstag stehen dort die Zwischenwahlen im Mittelpunkt. Sie könnten Hinweise darauf geben, welche wirtschaftspolitischen Vorhaben der Regierung künftig noch durchsetzbar sind. Für die Finanzmärkte ist dabei interessant, welche Folgen sich für die Steuer-, Handels- und Wirtschaftspolitik im Allgemeinen ergeben könnten.
Noch vor den Wahlergebnissen steht am Abend nach US-Börsenschluss ein weiterer wichtiger Termin an: Apple legt seine Quartalszahlen vor. Der Technologiekonzern gehört zu den Schwergewichten an den internationalen Aktienmärkten. Seine Geschäftszahlen und vor allem der Ausblick auf die kommenden Monate dürften deshalb nicht nur für die Aktie selbst, sondern auch für die Stimmung im Technologiesektor von Bedeutung sein. "Apple muss es richten", kommentierte Marktanalyst Andreas Lipkow von CMC Markets mit Blick auf die Erwartungen der Anleger. Die Hoffnungen auf positive Signale sind groß. Zuletzt waren die Sorgen um die Perspektiven der Künstlichen Intelligenz und die hohen Investitionen der Technologiekonzerne wieder stärker geworden. Geschäftszahlen und Ausblicke von Alphabet, Intel und Amazon hatten die Diskussion darüber neu entfacht, ob sich die enormen Ausgaben für KI-Infrastruktur und neue Anwendungen tatsächlich schnell genug in steigenden Umsätzen und Gewinnen niederschlagen. Apple könnte nun zumindest teilweise für Beruhigung sorgen. Dabei geht es nicht allein um die aktuellen Verkaufszahlen von iPhones und anderen Geräten. Anleger werden insbesondere darauf achten, welche Rolle KI künftig für das Geschäftsmodell des Konzerns spielen soll und ob sich daraus neue Wachstumschancen ergeben.
