DAX behauptet 25.700 Punkte – Fed-Entscheid und Ölpreis im Fokus

Der deutsche Leitindex zeigte sich zur Wochenmitte robust und schloss bei 25.704 Punkten, ein Plus von 0,44 Prozent. Damit verteidigte der DAX sein zuletzt erreichtes Niveau, nachdem er am Dienstag bereits um 0,7 Prozent auf 25.590 Zähler gestiegen war. Der MDAX der mittelgroßen Werte gab hingegen leicht um 0,23 Prozent auf 30.425 Punkte nach.
Am Abend richtete sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf die US-Notenbank Federal Reserve. Eine Zinsänderung wurde zwar nicht erwartet, doch der Prozess der Zinsfindung im FOMC-Ausschuss stand im Mittelpunkt. Angesichts einer US-Inflation von zuletzt 3,7 Prozent – weit über dem Zielwert von 2,0 Prozent – bleibt der Leitzins der Fed zwischen 3,75 und 4,00 Prozent. Helaba-Experten kommentierten: „Die heutige Entscheidung wird mit Spannung erwartet, denn die fundamentalen Rahmenbedingungen liefern Argumente sowohl für eine Straffung der Zinszügel als auch für ein Stillhalten und Abwarten.“
In New York hielten sich die Anleger vor den Entscheidungen zurück. Der Dow Jones legte am Mittag Ortszeit moderat um 0,3 Prozent zu, während die Nasdaq mit ihren Schlussständen rang. Nach Handelsschluss wurden zudem die Quartalszahlen von Microsoft und Alphabet erwartet.
Störfeuer kam vom Ölmarkt: Gerüchte über geplante neue Angriffe der USA und Israels auf den Iran nach dem 3. November, dem Tag der US-Zwischenwahlen, trieben die Notierungen. Nordseeöl der Sorte Brent kostete zuletzt wieder über 112 Dollar pro Barrel. Der europäische Gaspreis stieg erstmals seit Dezember 2022 über die Marke von 100 Euro je Megawattstunde, getrieben von Sorgen vor Lieferengpässen bei Flüssigerdgas wegen Störungen der Schifffahrt im Nahen Osten. Seit Beginn des Krieges der USA gegen den Iran hat sich der Preis verdreifacht. Die hohen Großhandelspreise schlagen sich bereits in den Verbraucherrechnungen nieder; Industriezweige wie Düngemittel-, Chemie- und Stahlindustrie haben ihre Produktion gedrosselt. Analysten erwarten, dass die Gaspreise mindestens ein weiteres Jahr hoch bleiben, selbst wenn der Krieg beigelegt und der Winter mild ausfallen sollte, da die Gasspeicher auf Rekordtiefstände gesunken sind und wieder aufgefüllt werden müssen.
In Frankfurt standen Quartalsberichte im Fokus. Die guten Zahlen des südkoreanischen Chipherstellers SK Hynix, der einen Rekordgewinn vermeldete und sein Quartalsergebnis mehr als versiebenfachte, beflügelten die Märkte in Asien und sorgten auch hierzulande für Erleichterung. Der Konzern geht davon aus, dass die Nachfrage das Angebot bis 2030 übersteigen wird. Die Sorgen um die Rendite der hohen Investitionen in den KI-Sektor hatten zuletzt die Märkte belastet. Zudem verlieh der geplante Börsengang des KI-Entwicklers Anthropic der Branche neuen Schwung, nachdem sich die US-Technologiewerte an der Nasdaq bereits um 1,2 Prozent erholt hatten.
Auch die erfreuliche Bilanz der Deutschen Bank stützte den DAX. Das Institut setzte im dritten Quartal seinen Rekordkurs fort und übertraf die Erwartungen. Bankchef Christian Sewing zeigte sich zufrieden und kündigte an, Anfang 2027 neue Ziele zu verkünden. Man wolle zum „europäischen Champion“ werden. Die Aktie stand an der DAX-Spitze.
Stärkster Verlierer im DAX war Symrise mit einem Minus von über zehn Prozent. Der Aromenhersteller sieht die operative Marge (bereinigtes Ebitda) eher in der unteren Hälfte der Zielspanne von 21,5 bis 22,5 Prozent, während die Konsensschätzung bei 21,9 Prozent liegt. Operativ war Symrise im dritten Quartal stärker als erwartet gewachsen.
BASF erhöhte im dritten Quartal dank höherer Preise und leicht gestiegener Mengen sein Ergebnis unerwartet deutlich. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) stieg um 15 Prozent auf 1,64 Milliarden Euro, der Umsatz kletterte um 14 Prozent auf knapp 16,4 Milliarden Euro. Der Konzern hob erneut seine Jahresziele an. Die Aktie stieg um 1,4 Prozent. BASF bleibt zudem an einer Übernahme des Essener Spezialchemiekonzerns Evonik aus dem MDAX interessiert. Vorstandschef Markus Kamieth erklärte, man werde keine überhöhten Preise zahlen. Insidern zufolge wurde das Angebot zuletzt auf 24 Euro je Aktie erhöht. Ein Zusammenschluss wäre ein „logischer und sinnvoller Schritt“, so Kamieth.
Die Aktie von Mercedes-Benz zeigte sich nach den gestrigen Verlusten wenig verändert. Der Stuttgarter Autobauer legte seine endgültigen Quartalszahlen vor. Bereits gestern hatte der Konzern mit Verweis auf das schwache China-Geschäft und steigende Kosten seine Gewinnprognose für dieses Jahr gesenkt. Heute teilte Vorstandschef Ola Källenius mit, der Konzern überdenke seine China-Strategie.
Der starke Kursverlust von Thyssenkrupp war indes primär optischer Natur: Seit heute ist der vom Industriekonzern abgespaltene Werkstoffhändler tk accelis an der Börse notiert. Für je 20 Thyssenkrupp-Aktien wurden den Aktionären eine Aktie des Tochterunternehmens eingebucht. Thyssenkrupp behält über eine Holding die Mehrheit an der Werkstoffsparte.
