Cramer: Entscheidende Tech-Quartalswoche trifft auf Rekordhochs
Jim Cramer warnt: Die dichte Woche der Tech-Gewinnberichte wird zeigen, ob die KI-getriebene Rallye nachhaltig ist.

Jim Cramer, Moderator der CNBC-Sendung „Mad Money", hat Anleger auf eine außergewöhnlich bedeutsame Börsenwoche eingestimmt. Der S&P 500 und der Nasdaq Composite schlossen zuletzt auf Rekordhöhen – angetrieben von einer Rallye bei Chiphersteller Intel und anderen Aktien, die vom massiven Ausbau der KI-Infrastruktur profitieren. Cramer fasste die Stimmung prägnant zusammen: „Dieser Markt ist ein Biest. Genauer gesagt ist er ein Biest, wenn Sie etwas besitzen, das mit Rechenzentren in Verbindung steht."
Trotz der euphorischen Stimmung mahnte Cramer zur Vorsicht. „Nächste Woche ist die wichtigste Woche des Quartals für den Technologiesektor", sagte er und ergänzte, sie werde zeigen, „ob alles ein wenig zu viel war oder nicht." Die Belastbarkeit des Marktes stehe auf dem Prüfstand – denn die Bewertungen vieler KI-naher Titel sind zuletzt stark gestiegen.
Montag und Dienstag: Dividendentitel und Glasfaser im Fokus
Den Auftakt macht am Montag der Telekommunikationsriese Verizon, dessen Dividendenrendite und stetige Erträge Cramer als Kontrast zu den hochfliegenden Technologiewerten hervorhob. Ebenfalls am Montag berichtet Stahlhersteller Nucor, den Cramer als „den besten Industriewert am Markt" bezeichnete – ein möglicher Rücksetzer könnte seiner Meinung nach einen attraktiven Einstiegspunkt schaffen.
Am Dienstag steht Corning im Mittelpunkt, an dem Cramers Charitable Trust – das vom CNBC Investing Club genutzte Portfolio – beteiligt ist. Der zunehmende Einsatz von Glasfaserkabeln statt Kupferverkabelungen in Rechenzentren sei ein großer Gewinn für das Unternehmen. Nach Börsenschluss berichtet die Broker-App Robinhood: Die Marktvolatilität dürfte laut Cramer zu einem starken Quartal geführt haben, wenngleich Fragen zur Expansion über die Kernzielgruppe der Trader hinaus offen bleiben. Auch Bloom Energy und Starbucks berichten am Dienstag – Cramer erwartet für Bloom Energy dank seiner Festoxid-Brennstoffzellentechnologie ein „gigantisches Quartal". Bei Starbucks, dessen Aktie zuletzt still und heimlich gestiegen ist, könnte die Ergebnispräsentation den Kurs endlich über die Marke von 100 US-Dollar treiben.
Mittwoch: Der folgenreichste Tag der Woche
„Der Mittwoch ist so folgenreich wie kaum ein Tag, den ich in meiner gesamten Karriere erlebt habe", sagte Cramer. Neben einer Fülle von Gewinnberichten findet die möglicherweise letzte Fed-Sitzung unter Vorsitz von Jerome Powell statt – dessen Amtszeit läuft im Mai aus. Präsident Donald Trump hat Kevin Warsh als Nachfolger nominiert.
Microsoft berichtet nach Börsenschluss und könnte laut Cramer „eine spektakuläre Zahl für das Rechenzentrumsgeschäft" liefern, wenngleich die Nachfrage nach dem KI-Tool Copilot schwächer als erwartet ausfallen könnte. Amazon steht ebenfalls auf dem Programm – Anleger werden prüfen, ob die Ergebnisse mit dem jüngsten Optimismus nach dem Aktionärsbrief von CEO Andy Jassy übereinstimmen. Meta-Chef Mark Zuckerberg baut laut Cramer lediglich Überkapazitäten ab – die Sorgen um jüngste Entlassungen seien übertrieben. Alphabet schließlich biete eine der breitesten Geschichten im Tech-Bereich – von der Suche über die Cloud bis zur KI – und die Ergebnisse „könnten herausragend sein", so Cramer.
Donnerstag und Freitag: Apple, Pharma und Ölmultis
Am Donnerstag berichtet Pharmariese Eli Lilly, dessen Aktie zuletzt aufgrund enttäuschender Verschreibungsdaten für seine neue Abnehmpille nachgegeben hatte. Cramer hält den Ausverkauf für übertrieben: „Das Unternehmen wird eine gute Geschichte erzählen, wenn es berichtet." Nach Handelsschluss folgt Apple – CEO Tim Cook bereitet sich auf seinen Rücktritt vor, doch Cramer sieht die Geschäftsdynamik als möglichen Kurstreiber. Ebenfalls nach Börsenschluss berichten Sandisk und Western Digital, die in diesem Jahr bereits massive Kursgewinne verzeichnet haben. Die anhaltende Knappheit bei Speicherchips könnte ihnen helfen, „die Zahlen weiterhin zu sprengen", so Cramer.
Den Abschluss der Woche bilden am Freitag die Ölmultis Chevron und Exxon. Anleger werden auf mögliche Änderungen der langfristigen Strategie nach dem Iran-Konflikt achten. Cramer kommentierte: „Dies sind normalerweise ruhige Angelegenheiten. Diesmal nicht."
Unabhängig vom jeweiligen Unternehmen gab Cramer Anlegern eine klare Handlungsempfehlung mit auf den Weg: „Sie müssen anhalten, schauen und zuhören, bevor Sie handeln. Die Telefonkonferenz, nicht die Schlagzeilen, wird den Aktienkurs bestimmen."
