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ESMA-Chefin warnt vor KI-beschleunigten Cyberrisiken im Finanzsektor

Europas Marktaufsicht bewertet die Abwehrmaßnahmen von Finanzunternehmen gegen KI-gestützte Cyberangriffe – geopolitische Spannungen verschärfen die Lage.

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ESMA-Chefin warnt vor KI-beschleunigten Cyberrisiken im Finanzsektor

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) schlägt Alarm: Geopolitische Spannungen haben die Cybersicherheitsrisiken für den Finanzsektor erhöht. ESMA-Chefin Verena Ross erklärte in einem Interview in Paris, dass die Behörde die von ihr beaufsichtigten Finanzunternehmen bereits kontaktiert habe, um deren Abwehrmaßnahmen gegen Cyberangriffe zu bewerten – insbesondere im Hinblick auf neue Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz.

„Wir beobachten genau, wie der Einsatz von KI-Modellen die potenzielle Geschwindigkeit solcher Angriffe erhöhen könnte", sagte Ross. Sie lehnte es dabei ab, sich zu einzelnen Anbietern zu äußern. Die Aussage kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Finanzsektor durch Berichte über ein neues KI-Modell namens Mythos des US-amerikanischen Unternehmens Anthropic aufgeschreckt wurde – dieses soll in der Lage sein, zuvor unentdeckte Schwachstellen in IT-Systemen zu finden und auszunutzen.

Regulierungsbehörden kämpfen mit dem Tempo des Wandels

Auch die Aufsichtsbehörden selbst stehen unter Druck. Ross räumte ein, dass die Regulierer Schwierigkeiten haben, mit den rasanten Veränderungen Schritt zu halten. „Wir müssen gemeinsam auf nationaler und EU-Ebene unsere Anstrengungen verstärken, um sicherzustellen, dass wir in der Lage sind, die Aktivitäten von Finanzunternehmen in diesem Bereich angemessen zu prüfen, und dass wir zudem unsere Expertise ausbauen, um die kritischen Drittanbieter zu beaufsichtigen", so Ross.

Im November hatte die ESMA gemeinsam mit zwei weiteren EU-Aufsichtsbehörden 19 Technologieunternehmen als kritische Drittanbieter für die europäische Finanzbranche benannt. Dies geschah im Rahmen neuer Vorschriften zur Stärkung der technologischen Resilienz des Finanzsektors. Ob KI-Anbieter künftig ebenfalls in diese Gruppe aufgenommen werden könnten, wollte Ross nicht kommentieren.

Das Cyberrisiko sei laut Ross eine grundlegende Schwachstelle, die mit einer Neubewertung von Finanzanlagen einhergehen könnte. Starke Kursschwankungen – darunter ein sprunghafter Anstieg des Ölpreises infolge des Ausbruchs des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran – haben Anleger zuletzt verunsichert. Aktienmärkte in den USA und anderswo notieren derweil nahe ihrer Allzeithochs, getrieben vor allem von großen Technologieunternehmen.

Hohe Bewertungen und mögliche Marktkorrektur im Blick

„Wir beobachten weiterhin sehr genau, wie die Märkte im Hinblick auf die insgesamt sehr, sehr hohen Bewertungen reagieren. Es stellt sich die Frage, welche Art von Ereignissen die allgemein positive Stimmung am Markt umkehren und zu einem erheblichen Ausverkauf führen könnte", sagte Ross. Diese Einschätzung ist für deutsche Privatanleger besonders relevant, da ein globaler Ausverkauf auch hiesige Portfolios empfindlich treffen würde.

Ross, die ihr Amt am 31. Oktober 2025 niederlegen wird, wies zudem darauf hin, dass starke Marktschwankungen in der Regel die aufsichtsrechtliche Prüfung wegen möglichen Insiderhandels nach sich ziehen. Die US-Rohstoffaufsicht CFTC prüft laut Medienberichten, darunter Reuters, eine Reihe von Geschäften mit Ölderivaten. „Wann immer man sehr volatile Märkte sieht, die von Nachrichten und ähnlichem getrieben werden, ist das ein Bereich, dem man automatisch Aufmerksamkeit schenkt und den man genau unter die Lupe nimmt. Das ist ganz natürlich", so Ross.

Krypto-Regulierung und mehr Befugnisse für die ESMA

Ein weiteres drängendes Thema ist die Regulierung von Kryptounternehmen. Die nationalen Behörden in den EU-Ländern haben den Firmen bis Ende Juni Zeit gegeben, eine Lizenz zu sichern oder ihre Dienstleistungen einzustellen. Die französische Aufsichtsbehörde meldete im Januar, dass fast ein Drittel der nicht lizenzierten Kryptounternehmen der Behörde nicht mitgeteilt habe, ob sie überhaupt eine Lizenz anstreben. „Eine der Herausforderungen, vor denen wir ab dem 1. Juli stehen werden, ist die Frage, wie wir dann mit der Überwachung der Marktabgrenzung umgehen", sagte Ross.

Die Europäische Kommission hat vorgeschlagen, der ESMA mehr Befugnisse zur Beaufsichtigung wichtiger grenzüberschreitender Finanzmarktakteure zu übertragen – darunter bedeutende Handelsplätze und Kryptounternehmen. Die Pläne werden von den sechs größten Volkswirtschaften der EU unterstützt, stoßen jedoch bei einigen Mitgliedstaaten auf Widerstand. Ross zeigte sich dennoch optimistisch: „Mein Eindruck ist, dass es nun in der Tat den politischen Ehrgeiz gibt, zu versuchen, schnell voranzukommen."

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