Anwalt von Fed-Gouverneurin Cook greift Trumps Entlassungsverfahren an
Abbe Lowell bezweifelt die Objektivität des Weißen-Haus-Ausschusses und verweist auf die Befangenheit von Berater Kevin Hassett.

Der Anwalt von Federal-Reserve-Gouverneurin Lisa Cook hat die Objektivität der Untersuchung des Weißen Hauses zu Vorwürfen der Hypothekenbetrügerei infrage gestellt. In einem Brief, den Reuters am Dienstag einsehen konnte, kritisiert Abbe Lowell das jüngste Vorgehen von Präsident Donald Trump gegen die Notenbankerin scharf. Damit wird der jüngste Versuch des Präsidenten untermauert, Cook von ihrem Amt zu entbinden.
Trump versucht seit mehr als einem Jahr, Cook zu entlassen, während er darauf hinarbeitet, die Kontrolle über eine Zentralbank zu erhöhen, die seiner Aussage nach aus politischen Gründen weigert, die Zinssätze zu senken. Cook bestreitet jegliches Fehlverhalten und hat Klage eingereicht, um ihren Job zu behalten.
Anfang dieses Monats kündigte Trump eine neue Untersuchung gegen Cook sowie die Einsetzung eines dreiköpfigen Ausschusses für eine Anhörung an. Der Präsident sagte später gegenüber Reportern, er werde mit ihrer Entlassung fortfahren, wenn der Ausschuss dies empfehle. Die Anwälte von Cook haben erklärt, dass eine faire Anhörung zeigen würde, dass es keine rechtliche Grundlage für ihre Entlassung gibt.
Die Details
Im Zentrum der Kritik steht die Zusammensetzung des Ausschusses. Lowell wies in dem Brief vom Dienstag darauf hin, dass eines der vorgeschlagenen Mitglieder, Kevin Hassett, Berater für Wirtschaftspolitik im Weißen Haus, Cook zuvor gedrängt habe, sich von ihrem Amt beurlauben zu lassen, und angedeutet habe, Trump habe einen „Grund“ zur Entlassung.
„Eine Anhörung mit offensichtlich parteiischen Mitgliedern, nicht spezifizierten zusätzlichen Vorwürfen und einem unklaren Zeitplan für die Offenlegung weiterer Beweise – ohne Erklärung dafür, warum diese nicht zuvor vorgelegt wurden –, ist kein Verfahren, das den Anschein oder die Geschichte der Unabhängigkeit respektiert“, schrieb Lowell.
Zudem macht der Anwalt einen Terminkonflikt geltend. Lowell erklärte, Cook könne nicht an der vom Weißen Haus angekündigten Anhörung am 5. November teilnehmen, da sie ihre Pflichten bei Sitzungen zur Finanz- und Geldpolitik in Europa wahrnehmen werde. Das früheste Datum, an dem Cook an einer Anhörung teilnehmen könnte, sei nach der Sitzung des Fed-Politikgremiums am 8. und 9. Dezember, schrieb er.
Der Brief markiert die jüngste Runde in einem Verfahren, das sich über Monate hinzieht. Trump hatte die Untersuchung Anfang des Monats angekündigt und zugleich einen dreiköpfigen Ausschuss benannt, der über eine mögliche Entlassung beraten soll. Cooks Team argumentiert, dass die Anhörung nicht fair ablaufen könne, solange ein Mitglied des Gremiums bereits zuvor eine Entlassung nahegelegt habe.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 10.10.2026 berichtete aktien.news, dass Trump per präsidialem Memorandum vom 7. Oktober einen Untersuchungsausschuss eingesetzt hat, der Vorwürfe gegen Cook prüfen soll. Konkret geht es um Anschuldigungen, Cook habe falsche Angaben in Hypothekenanträgen gemacht. Trump will damit einen „wichtigen Grund“ für ihre Entlassung belegen – die rechtliche Hürde, die der Oberste Gerichtshof der USA ihm zuvor auferlegt hatte.
Ebenfalls am 10.10.2026 berichtete aktien.news, dass sich das Untersuchungsgremium aus hochrangigen Regierungsvertretern zusammensetzt: dem Direktor des National Economic Council, Kevin Hassett, dem Vorsitzenden der Equal Employment Opportunity Commission sowie dem Direktor des Office of Government Ethics. Die Anhörung am 5. November sollte unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.
Wie aktien.news am 10.10.2026 weiter ausführte, ist Cook seit 2022 Mitglied des Fed-Direktoriums und die erste schwarze Frau in diesem Gremium. Sie wurde 2023 vom damaligen Präsidenten Joe Biden für eine Amtszeit bis 2038 wiedergewählt. Der Schritt gegen sie gilt als ungewöhnlicher rechtlicher Vorstoß und markiert eine weitere Eskalation im anhaltenden Konflikt zwischen der Trump-Administration und der unabhängigen US-Notenbank.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Fall vor allem wegen seiner Bedeutung für die Unabhängigkeit der US-Notenbank relevant. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs zu Cooks Fall zu Beginn dieses Jahres untersagte Trump, einen Fed-Gouverneur nach Belieben zu entlassen, und verwies dabei auf die Notwendigkeit, dass die Fed sowohl in der Sache als auch im Anschein politisch unabhängig bleiben muss, um ihre Aufgabe erfüllen zu können.
Das Urteil skizzierte jedoch auch einen Weg für eine mögliche Abberufung, falls einem Beamten der Fed eine faire Chance geboten wird, die Beweise für die Vorwürfe einzusehen und diese widerlegen zu können. Das Weiße Haus scheint diesen Weg zu verfolgen. Der Ausgang des Verfahrens entscheidet damit auch darüber, wie weit der Präsident künftig in die Personalhoheit der Notenbank eingreifen kann.
Sollte es Trump gelingen, die Kontrolle über die Fed zu erhöhen, könnte das die Erwartungen an die künftige Geldpolitik der USA verändern. Die Fed hatte ihren Leitzins im September angehoben – ein Schritt, der die Kreditkosten im Finanzsystem verteuert. Für Anleger weltweit ist die Frage der Notenbank-Unabhängigkeit deshalb ein zentraler Faktor für die Einschätzung von Zins- und Währungsrisiken.
Ausblick
Die Fed wird ihren Leitzins voraussichtlich auch auf ihrer letzten Sitzung des Jahres anheben. Die nächste Sitzung des Fed-Politikgremiums ist für den 8. und 9. Dezember angesetzt – jener Termin, den Cooks Anwalt als frühestmöglichen Zeitpunkt für eine Anhörung genannt hat.
Ob der Ausschuss wie geplant am 5. November tagt und ob Trump im Anschluss tatsächlich die Entlassung vorantreibt, bleibt offen. Der Präsident hatte erklärt, er werde mit der Entlassung fortfahren, wenn der Ausschuss dies empfehle. Cooks Anwälte halten dagegen, dass eine faire Anhörung keine rechtliche Grundlage für eine Entlassung ergeben würde.
Kurz erklärt
- Federal Reserve: Die US-Notenbank, die als Zentralbank die Geldpolitik der Vereinigten Staaten steuert.
- Leitzins: Der zentrale Zinssatz, über den eine Zentralbank die Kreditkosten im Finanzsystem beeinflusst.
- Gouverneur: Ein Mitglied des obersten Leitungsgremiums der Federal Reserve, des Board of Governors.
