Corona-Hilfen bereiten Unternehmern Probleme bei Rückzahlung
Viele Selbstständige und Inhaber kleiner Geschäfte hatten die Hilfen beantragt, in der Annahme, dass sie unverbindlich und unbürokratisch seien

Die Rückzahlung der Corona-Hilfen stellt viele kleine und mittelständische Unternehmen vor existenzielle Probleme. Viele Selbstständige und Inhaber kleiner Geschäfte hatten die Hilfen beantragt, in der Annahme, dass sie unverbindlich und unbürokratisch seien. Nun müssen sie jedoch Gelder in beträchtlicher Höhe zurückzahlen, was für einige Unternehmen bedrohlich ist.
Ein Beispiel ist die Friseurin Marcella Manz aus Weingarten. Sie fühlt sich von der Kommunikation zur Rückzahlung getäuscht und hat Einspruch eingelegt. Andere Unternehmerinnen stehen vor ähnlichen Herausforderungen. In Baden-Württemberg ist die Rückzahlungsfrist für die Corona-Hilfen aus dem Jahr 2020 bereits abgelaufen, während in anderen Bundesländern teilweise noch Verlängerungen gelten.
Die Problematik liegt darin, dass die Corona-Hilfen ursprünglich gedacht waren, um Insolvenzen zu verhindern und nur bei drohender Zahlungsunfähigkeit verwendet werden sollten. Die Hilfen wurden jedoch rückwirkend mit erzielten Einnahmen verrechnet, was für einige Unternehmen zu einer Rückzahlung führt, obwohl das Geld bereits ausgegeben wurde. Die genaue Abgrenzung zwischen Liquiditätsengpass und anderen laufenden Kosten ist für Selbstständige oft schwierig.
Viele Unternehmerinnen sind verunsichert und haben gegen die Rückzahlung Einspruch erhoben. In Baden-Württemberg wurden rund 85.000 Unternehmerinnen und Selbstständige aufgefordert, die Corona-Hilfen zurückzuzahlen, aber weniger als die Hälfte hat dies bisher getan. Etwa ein Drittel hat sich gar nicht zurückgemeldet, und 11.000 Betroffene haben den Zahlungen widersprochen.
Die Industrie- und Handelskammern weisen jedoch darauf hin, dass von einer Irreführung keine Rede sein kann, da von Anfang an klar war, dass es sich um Förderung eines prognostizierten und später geprüften Liquiditätsengpasses handelt. Allerdings hätten die Kammern vergeblich versucht, den Förderzeitraum flexibler zu gestalten, um ihn an tatsächliche Liquiditätsengpässe anzupassen. Eine solche Flexibilisierung hätte Unternehmen geholfen, die Hilfen nicht mit Einnahmen verrechnen zu müssen.
Trotz der Schwierigkeiten betont die Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, dass die Programme nicht darauf ausgelegt waren, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie vollständig abzufedern. Unternehmen sollten sich daher bewusst sein, dass staatliche Hilfen nicht immer alle Herausforderungen abdecken können. Für viele Unternehmerinnen stellt sich nun die Frage, wie sie in Zukunft mit solchen Situationen umgehen sollen, um auf eigene Kraft zu vertrauen und nicht erneut auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein.
