Coles-Aktie stürzt auf Fünf-Monats-Tief: Harter Wettbewerb bremst Umsatzwachstum
Der australische Lebensmitteleinzelhändler Coles verliert deutlich, weil aggressive Werbung der Konkurrenz die Umsätze im frühen zweiten Quartal dämpft.

Der australische Lebensmitteleinzelhändler Coles hat am Freitag mitgeteilt, dass die verstärkte Werbeaktivität der Wettbewerber die Umsätze im frühen zweiten Quartal beeinträchtigt hat. Preissensible Kunden suchten verstärkt nach Schnäppchen, was die Aktie des zweitgrößten Lebensmittelhändlers des Landes auf ein Fünf-Monats-Tief drückte. Der Kurs fiel um bis zu 12,8 Prozent auf A$20,47 (Stand: 2353 Uhr GMT) und markierte damit die schlechteste Intraday-Session des Unternehmens.
Der Einbruch fiel besonders auf, weil der breitere S&P/ASX-200-Index im selben Zeitraum um 0,7 Prozent zulegte. Coles gehörte damit zu den schwächsten Werten des australischen Leitindex. Für Anleger ist der Kurssturz ein deutliches Signal, dass der Preiskampf im australischen Lebensmitteleinzelhandel an Schärfe gewinnt.
Nach Angaben des Unternehmens vergleichen die Kunden weiterhin Preise zwischen verschiedenen Einzelhändlern und Vertriebskanälen. Gleichzeitig nutzen sie stärker Rabatte und Treueprogramme, um ihre Haushaltsbudgets zu steuern. Diese Verhaltensweise setzt die Margen der etablierten Supermarktketten unter Druck.
Die Details
Das Wachstum der Supermarktumsätze verlangsamte sich in den ersten vier Wochen des zweiten Quartals auf 3,6 Prozent – nach 3,6 Prozent im ersten Quartal. Damit verfehlte Coles die Visible-Alpha-Konsensprognose von 5 Prozent für das zweite Quartal deutlich. Der Umsatz im Supermarktbereich war im ersten Quartal um 3,6 Prozent auf A$10,32 Milliarden gestiegen und lag damit leicht unter der Visible-Alpha-Konsensschätzung von A$10,39 Milliarden.
Auf Gruppenebene meldete Coles einen Gesamtumsatz von A$11,21 Milliarden (umgerechnet 7,88 Milliarden US-Dollar) für den dreimonatigen Zeitraum bis zum 27. September. Auch dieser Wert verfehlte die Schätzung von Visible Alpha in Höhe von A$11,31 Milliarden. Im Vorjahreszeitraum hatte der Umsatz noch bei A$10,96 Milliarden gelegen.
Die Investmentbank Jefferies wies in einer Notiz darauf hin, dass das Wachstum der Supermarktumsätze bei Coles hinter dem rivalisierenden Woolworths zurückblieb. Woolworths verzeichnete ein Umsatzwachstum von 6,1 Prozent sowie einen Anstieg der Gesamtumsätze um 6,9 Prozent. Die Analysten deuten dies als Hinweis darauf, dass Coles weiterhin Marktanteile an die Ooshies-Kampagne von Woolworths verliert.
Coles erklärte, es ergreife „gezielte Maßnahmen zur Stärkung der Dynamik“. Dazu gehört die Wiederbelebung des Programms „Every Day Price“, das für ausgewählte Produkte mindestens sechs Monate lang niedrigere Preise garantiert, um preissensible Kunden anzuziehen. Zusätzlich brachte das Unternehmen seine exklusive Weihnachtskollektion auf den Markt, die ausschließlich über die eigenen Supermärkte erhältliche Produkte umfasst.
Belastet wird das Ergebnis zudem durch höhere kraftstoffbezogene Kosten im ersten Halbjahr, die auf gestiegene Kraftstoffpreise in den vergangenen zwei Monaten zurückgehen. Coles erwartet, dass das EBIT der Supermärkte im ersten Halbjahr auf dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums liegen wird. Der Rückgang der Alkoholumsätze im frühen Teil des zweiten Quartals entsprach weitgehend dem Rückgang von 1,3 Prozent aus dem ersten Quartal.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 07.08.2026 berichtete aktien.news, dass Coles im Zuge eines umfassenden Sparprogramms plante, bestimmte Unternehmensfunktionen an das IT-Beratungsunternehmen Accenture auszulagern. Laut Berichten lokaler australischer Medien sollten Teams von Accenture sowohl in Australien als auch im Ausland die betroffenen Aufgaben übernehmen. Coles bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die geplante Umstrukturierung darauf abzielt, die Betriebskosten zu senken. Als Hauptgrund nannte das Unternehmen den wachsenden Wettbewerbsdruck im australischen Einzelhandelssektor – insbesondere durch E-Commerce-Unternehmen, die zunehmend Marktanteile von etablierten Supermarktketten beanspruchen.
Am 25.02.2026 berichtete aktien.news, dass der australische Lebensmittelriese Woolworths im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres einen bereinigten Nettogewinn von 859 Millionen Australischen Dollar erzielte. Das entsprach einem Anstieg von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und übertraf die Konsensschätzung der Analysten von Visible Alpha in Höhe von 813,5 Millionen Australischen Dollar deutlich. Die Aktie des Unternehmens legte daraufhin so stark zu wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Am 19.02.2026 meldete aktien.news, dass die Aktien des australischen Einzelhandelskonzerns Wesfarmers einen empfindlichen Dämpfer erlitten. Die Papiere des größten Non-Food-Retailers Australiens brachen im frühen Handel um bis zu 6,1 Prozent auf 83,85 Australische Dollar ein. Dies markierte den stärksten Tagesverlust seit Ende Oktober 2024. Auslöser war ein schwächer als erwartet ausgefallener Start in die zweite Jahreshälfte, den das Unternehmen auf die anhaltend hohen Lebenshaltungskosten zurückführte.
Am 23.07.2026 berichtete aktien.news, dass Albertsons seine Jahresprognosen für Kernumsatz und Gewinn deutlich gesenkt hat. Gleichzeitig kündigte der US-amerikanische Supermarktkonzern an, die Investitionen in Preisgestaltung und das Digitalgeschäft zu beschleunigen. Die Aktie brach um 15 Prozent auf ein Fünfjahrestief ein.
Was das für Anleger bedeutet
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Coles im australischen Lebensmitteleinzelhandel derzeit den Kürzeren zieht. Während der Gesamtmarkt zulegte, verlor die Aktie deutlich an Wert – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Wettbewerbsposition des Unternehmens kritisch bewertet. Besonders relevant ist der Vergleich mit Woolworths, der laut Jefferies sowohl beim Supermarktumsatz als auch beim Gesamtumsatz schneller wächst.
Für deutsche Privatanleger, die in australische Einzelhandelswerte investiert sind oder dies erwägen, sind mehrere Punkte wichtig. Erstens: Der Preiskampf ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern Teil eines strukturellen Trends, den Coles bereits im August mit dem Sparprogramm und der Auslagerung von Stellen adressiert hat. Zweitens: Die Prognose eines stabilen EBIT auf Vorjahresniveau bedeutet, dass das Unternehmen zwar die Erträge halten, aber derzeit kein Wachstum liefern will. Drittens: Die gesunkenen Umsätze bei Alkohol und die höheren Kraftstoffkosten belasten das Gesamtbild zusätzlich.
Die von Coles angekündigten Maßnahmen – das „Every Day Price“-Programm und die exklusive Weihnachtskollektion – zielen darauf ab, preissensible Kunden zurückzugewinnen. Ob dies gelingt, hängt maßgeblich davon ab, wie aggressiv die Konkurrenz ihre eigenen Kampagnen fortsetzt.
Ausblick
Coles erwartet, dass das EBIT der Supermärkte im ersten Halbjahr auf dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums liegen wird. Das Unternehmen setzt dabei auf die Wiederbelebung des „Every Day Price“-Programms sowie auf die exklusive Weihnachtskollektion, um die Nachfrage im wichtigen Weihnachtsgeschäft zu stützen. Der weitere Verlauf des zweiten Quartals wird zeigen, ob die gezielten Maßnahmen die Umsatzdynamik wiederherstellen können.
Kurz erklärt
- EBIT: Der Gewinn eines Unternehmens vor Zinsen und Steuern, der die operative Ertragskraft misst.
- Konsensschätzung: Der durchschnittliche Erwartungswert mehrerer Analysten für eine Kennzahl wie Umsatz oder Gewinn.
- Treueprogramm: Ein System, mit dem Einzelhändler Kunden durch Rabatte oder Prämien langfristig binden wollen.
