China-Wirtschaft: Schwächstes Wachstum seit drei Jahren
Die chinesische Wirtschaft verliert deutlich an Schwung. Im vierten Quartal 2024 wuchs das BIP nur noch um 4,5 Prozent – der schwächste Wert seit Ende der Corona-Lockdowns. Schwache Binnennachfrage und Immobilienkrise belasten.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zeigt deutliche Ermüdungserscheinungen. Das Bruttoinlandsprodukt Chinas legte im Schlussquartal 2024 lediglich um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, wie das Statistikamt in Peking mitteilte. Damit markiert das Reich der Mitte das schwächste Quartalswachstum seit Aufhebung der strengen Corona-Maßnahmen vor drei Jahren.
Die Entwicklung zeigt einen klaren Abwärtstrend: Während das Wachstum in den ersten drei Quartalen noch bei 5,4, 5,2 und 4,8 Prozent lag, fiel es zum Jahresende unter die psychologisch wichtige Marke von 5 Prozent. Für Gesamtjahr 2024 meldete Peking dennoch ein Plus von exakt 5,0 Prozent – das selbst gesteckte Ziel wurde damit formal erreicht.
Binnennachfrage bleibt Sorgenkind
Die Hauptursache für die Wachstumsschwäche liegt in der anhaltend schwachen Konsumlaune der chinesischen Verbraucher. Ein angespannter Arbeitsmarkt kombiniert mit fallenden Immobilienpreisen drückt auf die Kaufkraft. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Dezember nur noch um magere 0,9 Prozent – der niedrigste Wert seit Ende der Pandemie-Beschränkungen.
Besonders dramatisch entwickelt sich der Immobiliensektor, traditionell eine wichtige Säule der chinesischen Wirtschaft. Die Investitionen in Immobilien brachen 2024 um 17,2 Prozent ein. Insgesamt gingen die Investitionen in Sachanlagen um 3,8 Prozent zurück. Auch die Industrieproduktion verlor mit einem Plus von 5,2 Prozent im Dezember gegenüber 5,8 Prozent im Vorjahr an Dynamik.
Exporte als einziger Lichtblick
Einen Hoffnungsschimmer bietet weiterhin der Außenhandel. Trotz verschärfter Spannungen mit den USA meldete China für 2024 einen Rekord-Handelsüberschuss von 1,2 Billionen Dollar. Der Handelskonflikt mit Washington hinterließ zwar deutliche Spuren: Die Exporte in die USA brachen um 20 Prozent ein, die Importe sanken um 14,6 Prozent.
Doch andere Absatzmärkte konnten diese Verluste mehr als kompensieren. Für international agierende Investoren bleibt die Exportstärke Chinas damit ein wichtiger Faktor – auch wenn die strukturellen Probleme im Binnenmarkt zunehmend Sorgen bereiten.
Düstere Prognosen für 2025 und 2026
Die führenden Finanzinstitute rechnen mit einer weiteren Abschwächung. Die Weltbank prognostiziert für 2025 ein Wachstum von 4,4 Prozent, der IWF erwartet 4,5 Prozent. Goldman Sachs zeigt sich mit 4,8 Prozent etwas optimistischer, warnt aber vor anhaltenden Strukturproblemen.
Hui Shan, China-Chefökonomin bei Goldman Sachs, sieht langfristige Herausforderungen: Der Umbau zu einer konsum- und dienstleistungsgetriebenen Wirtschaft werde "Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern". Der Immobiliensektor habe seinen Tiefpunkt noch nicht erreicht, und der schwache Arbeitsmarkt belaste weiterhin die Konsumlaune.
Demografischer Gegenwind verschärft Lage
Zusätzlichen Druck erzeugt die demografische Entwicklung. Chinas Bevölkerung schrumpfte 2024 um 3,39 Millionen auf 1,405 Milliarden Menschen – bereits das vierte Jahr in Folge mit beschleunigter Tendenz. Mit nur 7,92 Millionen Geburten wurde ein historischer Tiefstand erreicht, während 11,31 Millionen Menschen starben.
Diese Entwicklung erschwert Pekings Strategie zur Ankurbelung des Binnenkonsums erheblich. Der drohende Verlust von Hunderten Millionen Arbeitskräften setzt zudem die ohnehin angespannten Rentensysteme unter massiven Druck. Für Anleger mit China-Exposure bedeutet dies: Die strukturellen Herausforderungen dürften die Märkte noch Jahre begleiten.
