China wirbt in Davos um westliche Investoren
Peking setzt beim Weltwirtschaftsforum auf eine zurückhaltende Strategie. Während die USA unter Trump für Unsicherheit sorgen, präsentiert sich China als berechenbarer Partner.

China verfolgt beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos eine bemerkenswerte Strategie der Zurückhaltung. Während US-Präsident Donald Trump mit großem Auftritt die Bühne dominierte, setzte Peking auf eine dezente Präsenz – mit klarem Ziel: westliche Investoren zurückzugewinnen.
Stille als strategisches Instrument
Vizepremier He Lifeng vertrat China beim Jahrestreffen in den Schweizer Bergen. Seine Rede fiel deutlich kürzer aus als Trumps Auftritt, die Botschaft war jedoch eindeutig: China ist offen für ausländische Unternehmen und bereit, mehr Waren und Dienstleistungen zu importieren, anstatt weiter auf Handelsüberschüsse zu setzen.
Ein führender globaler Wirtschaftsvertreter beschrieb Chinas Vorgehen gegenüber Reuters als "Kontrolle der Dynamik durch Stille" – eine Anspielung auf die Kriegskunst, bei der man geduldig abwartet, bis sich der Gegner selbst erschöpft. "China wird einfach das gesamte Chaos beobachten und seinen eigenen Kurs steuern", so ein Unternehmensgründer in Davos.
Annäherung an europäische Partner
Während Trump Dutzende Wirtschaftsführer zu einem großen Empfang lud, setzte China auf intimere Gespräche. Bei einem Mittagessen mit westlichen Führungskräften lautete die schlichte Botschaft: "Wir sind offen für Geschäfte", berichtete ein hochrangiger Banker.
Kanadas Premierminister Mark Carney bezeichnete China bei seinem jüngsten Besuch als "zuverlässigen und berechenbaren Partner" und ermutigte EU-Führungskräfte, Investitionen aus dem Reich der Mitte anzustreben. Auch Großbritannien arbeitet daran, den Geschäftsdialog der "Goldenen Ära" während des Besuchs von Premierminister Keir Starmer in der kommenden Woche wiederzubeleben.
Herausforderungen bleiben bestehen
Trotz der Charmeoffensive stehen China noch erhebliche Hindernisse bevor, um als vertrauenswürdiger Partner der Europäischen Union zu gelten. Die anhaltenden Überkapazitäten in der Elektrofahrzeugindustrie und anderen Sektoren belasten weiterhin ausländische Märkte – eine Problematik, für die es keine schnelle Lösung gibt.
Ein leitender Angestellter eines multinationalen Finanzunternehmens attestierte China jedoch, aus den Fehlern von vor drei Jahren gelernt zu haben. Damals hatten Durchgreifmaßnahmen gegen Immobilien-, Technologie- und Bildungsunternehmen das Vertrauen massiv beschädigt. "Das Land versucht, beständiger und berechenbarer zu werden, während die USA dies weniger geworden sind", so der Manager.
Wirtschaftliche Realität dämpft Optimismus
Chinas reduzierte Präsenz in Davos fällt mit wirtschaftlichen Herausforderungen zusammen. Das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hat einen Dreijahrestiefstand erreicht. Pekings Maßnahmen zur Ankurbelung des Konsums zeigen bislang nicht die gewünschte Wirkung.
Dennoch setzt Finnland auf die China-Karte: Premierminister Petteri Orpo plant einen Besuch mit einer Wirtschaftsdelegation aus den Bereichen Rohstoffe, Fertigung und Lebensmittel. Die Botschaft aus Davos ist klar: Während die USA für Unsicherheit sorgen, positioniert sich China als stabiler Anker in turbulenten Zeiten.
