Grönland-Streit: US-Zölle bedrohen europäische Reisebranche
Die Drohung von US-Präsident Trump mit 10% Zöllen gegen acht europäische Länder im Grönland-Konflikt belastet Reiseaktien. Analysten von Bernstein warnen vor wirtschaftlichen Folgen und verändertem Reiseverhalten.

Die geopolitischen Spannungen um Grönland könnten die europäische Reisebranche erheblich belasten. US-Präsident Donald Trump erwägt die Einführung von 10% Zöllen gegen acht europäische Länder, die sich seinen Plänen zur Übernahme Grönlands widersetzen. Erste Marktreaktionen zeigen bereits Nervosität: Die Aktien der InterContinental Hotels Group verloren 2%, obwohl in den USA Feiertag war.
Die Investmentbank Bernstein analysiert in einer aktuellen Studie die möglichen Auswirkungen auf den Reisesektor. Obwohl die angekündigten Zölle primär Güter und nicht Dienstleistungen betreffen, sehen die Analysten erhebliche Risiken durch indirekte Effekte. "Es gibt keine direkten Auswirkungen erster Ordnung auf den Reiseverkehr", betont Bernstein, warnt aber vor wirtschaftlichem Druck und politischer Eskalation.
Moderate BIP-Belastung für Europa
Die wirtschaftlichen Folgen für die betroffenen europäischen Länder schätzt Bernstein auf 0% bis 0,2% des Bruttoinlandsprodukts. Deutschland trifft es dabei am härtesten, da die Bundesrepublik stark von Warenexporten in die USA abhängig ist. Zusätzlich rechnen die Analysten mit inkrementellem Inflationsdruck, der den privaten Konsum und damit die Reisebereitschaft dämpfen könnte.
Die Reisebranche hatte sich gerade erst von den Turbulenzen der Zölle-Welle vom April 2025 erholt. Nun droht erneuter Gegenwind, da Reiseausgaben eng mit der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit verknüpft sind.
US-Hotelmarkt unter Druck
Für den US-Hotelmarkt prognostiziert Bernstein eine weitere Einschränkung der ohnehin begrenzten Entwicklungspipeline. Zwar könnte dies den Umsatz pro verfügbarem Zimmer (RevPAR) leicht stützen, doch ertragsorientierte Hotelbetreiber würden beim Netto-Wachstum der Einheiten leiden.
Drastischer Rückgang bei US-Einreisen
Besonders besorgniserregend sind die Veränderungen im Reiseverhalten. Seit April 2025 sind die Einreisen in die USA bereits um etwa 6% gesunken, aus Kanada sogar um bis zu 30%. Weitere politische Spannungen könnten auch europäische Reisende abschrecken. US-Auslandsreisen zeigen sich bisher jedoch robust.
WM 2026 als Risikofaktor
Ein besonderes Risiko sehen die Analysten für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA. Das Turnier gilt als wichtiger Impulsgeber für die Reise-Nachfrage – Bernstein schätzt den Beitrag zum RevPAR-Wachstum auf 30 Basispunkte für Marriott und 50 Basispunkte für Airbnb. Deutsche Politiker schließen bei weiterer Eskalation einen Boykott der US-Spiele nicht aus, was die Prognosen zunichtemachen würde.
Regulatorischer Druck auf Tech-Plattformen
Eine politische Eskalation könnte auch die regulatorische Überprüfung von US-Technologieunternehmen in Europa verschärfen. Davon wären insbesondere Airbnb und Booking Holdings betroffen, die dort bereits mit Verfahren konfrontiert sind.
Hintergrund des Konflikts
Die Spannungen entstanden durch Trumps Ambitionen, das dänische Territorium Grönland zu übernehmen – notfalls mit wirtschaftlichem oder militärischem Zwang. Obwohl der Präsident seine Drohungen zurückgenommen hat, bleibt die Stimmung angespannt. Seine Beschreibung Grönlands als "ein Stück Eis, kalt und schlecht gelegen" empfanden viele Grönländer als Beleidigung ihrer Heimat.
