China steht vor Deflation
Im Juni blieb der Verbraucherpreisindex unverändert

China steht vor der Bedrohung einer Deflation, während westliche Notenbanken gegen eine hartnäckige Inflation kämpfen. Die chinesische Wirtschaft erholt sich nach dem Corona-Einbruch holprig, und es gibt Warnzeichen für eine mögliche Deflation. Im Juni blieb der Verbraucherpreisindex unverändert und stieg im Vergleich zum Vorjahr nur noch leicht um 0,2 Prozent. Dies ist der niedrigste Stand seit zwei Jahren. Eine Deflation, ein breiter Preisverfall, könnte eine Abwärtsspirale aus sinkenden Umsätzen, Löhnen und Investitionen auslösen und verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaft haben.
Die aktuellen chinesischen Erzeugerpreise deuten ebenfalls auf einen weiteren Abwärtstrend bei den Verbraucherpreisen hin. Chinesische Unternehmen senkten ihre Preise im Juni aufgrund der schwachen Nachfrage so stark wie seit siebeneinhalb Jahren nicht mehr. Die Erzeugerpreise fielen überraschend um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Besonders in den Bereichen Energie, Metalle und Chemikalien waren Preissenkungen erforderlich, da sich die Nachfrage im In- und Ausland abschwächte.
Experten bezeichnen die Situation als "schwieriges Deflationsumfeld" und äußern Ängste vor einer Deflationswelle. Wenn Verbraucher davon ausgehen, dass die Preise weiter fallen werden, halten sie ihre Ausgaben zurück. Das führt dazu, dass Unternehmen auf ihren Produkten sitzen bleiben und letztendlich Mitarbeiter entlassen müssen, was den Konsum weiter beeinträchtigt. Eine Deflation kann eine Rezession verschlimmern. Ökonomen betrachten eine lockere Geldpolitik und Zinssenkungen als Mittel, um einer Deflation entgegenzuwirken und die Wirtschaft anzukurbeln.
Die aktuelle wirtschaftliche Lage Chinas wird aufgrund der Bedeutung der chinesischen Volkswirtschaft für die globale Konjunktur genau beobachtet. Es besteht die Sorge, dass sich die konjunkturelle Erholung verlangsamt. Marktbeobachter erwarten, dass die chinesische Notenbank gegensteuert und die Zinsen erneut senkt. Das Wachstumsziel für China in diesem Jahr liegt bei 5 Prozent, und Experten gehen davon aus, dass es erreichbar ist. Allerdings haben große westliche Banken ihre Konjunkturprognosen für China bereits gesenkt. Eine Rezession in wichtigen Absatzmärkten wie Deutschland und der Eurozone könnte sich negativ auf die chinesische Wirtschaftsleistung auswirken.
