EZB-Präsidentin Lagarde kündigt weitere Zinserhöhungen an
EZB-Präsidentin Lagarde sieht hartnäckige Inflation und mahnt zu weiteren Maßnahmen zur Bekämpfung

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat bei der internationalen Notenbank-Konferenz in Sintra, Portugal, signalisiert, dass weitere Zinserhöhungen zu erwarten sind. Obwohl Lagarde keine konkreten Entscheidungen vorwegnehmen konnte, betonte sie, dass die Europäische Zentralbank noch nicht den Höhepunkt der Zinserhöhungen erreicht habe. Die Inflationsentwicklung sei in eine zweite Phase getreten, die weiteres Handeln erfordere.
Laut Lagarde seien es vor allem zwei Faktoren, die zu einer hartnäckigen Teuerung beitragen. Zum einen hätten Unternehmen ihre Preise stärker erhöht, als es durch gestiegene Kosten gerechtfertigt wäre. Zum anderen seien die Tarifabschlüsse und Löhne angestiegen. Obwohl bisher noch keine Spirale steigender Löhne beobachtet werde, schloss Lagarde eine solche Entwicklung nicht aus. Sie bestätigte zudem, dass im Juli eine weitere Zinserhöhung erfolgen werde.
Die Prognosen der EZB deuten darauf hin, dass die Teuerung anhalten wird. Lagarde betonte, dass die EZB bereits Fortschritte bei der Bekämpfung der Inflation gemacht habe, aber angesichts der anhaltenden Teuerung dürfe man nicht zögerlich sein. Das Notenbank-Treffen in Sintra, das sich mit den Gründen der Inflation und möglichen Bekämpfungsstrategien befasst, ist für drei Tage angesetzt. Vertreter von Zentralbanken, wissenschaftlichen Einrichtungen und internationalen Institutionen nehmen daran teil.
Die Konferenz wurde 2014 vom ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi ins Leben gerufen und orientiert sich an einer ähnlichen jährlichen Veranstaltung der US-Notenbank in Jackson Hole. Bei der Eröffnungsrede der stellvertretenden Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Gita Gopinath, wurde ebenfalls betont, dass die EZB noch einen langen Weg vor sich habe, um die Inflation zu bekämpfen. Die Teuerung werde voraussichtlich noch hartnäckiger bleiben als vor der Pandemie.
