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China prüft Broadcom-Abhängigkeit in staatlichen Rechenzentren

Behörde Sasac erhebt Daten zu Broadcom-Switches – Kampagne für einheimische Chips läuft

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China prüft Broadcom-Abhängigkeit in staatlichen Rechenzentren

Chinesische Behörden untersuchen den Einsatz von Broadcom-Hardware in staatlich unterstützten Rechenzentren. Die Staatliche Kommission zur Aufsicht über staatliches Vermögen (Sasac) hat in den vergangenen Wochen die Anzahl der Broadcom-Switches in staatskontrollierten Rechenzentren ermitteln lassen. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf zwei mit der Erhebung vertraute Personen.

Hintergrund ist die chinesische Kampagne "Inländische Chips für den Inlandsgebrauch". Ziel ist es, den Einsatz einheimischer Halbleiter und KI-Produkte im gesamten öffentlichen Sektor zu erhöhen und die Abhängigkeit von ausländischer KI-Infrastruktur zu verringern. Hochwertige Switches werden in Rechenzentren eingesetzt, um große Datenmengen mit sehr hohen Geschwindigkeiten zu übertragen – eine Schlüsseltechnologie für das Training und den Betrieb von KI-Modellen.

Laut einer mit der Erhebung vertrauten Person könnte die Durchdringungsrate von Broadcom-Switches unter staatseigenen Unternehmen bis zu 90 Prozent betragen. Die ersten Ergebnisse könnten dazu führen, dass die Sasac informelle Richtlinien herausgibt, um den Einsatz von Broadcom-Switches in inländischen Rechenzentren zu reduzieren.

Die Details

Die Sasac ist für die Überwachung staatseigener Unternehmen zuständig. Sie erhebt derzeit Daten darüber, wie viele Broadcom-Switches in staatskontrollierten Rechenzentren verbaut sind. Der in New York notierte Hersteller Broadcom verkauft zusammen mit Nvidia und Huawei hochwertige Switches in China.

Während staatlich unterstützten Rechenzentren der Einsatz von Nvidia-Produkten nicht mehr gestattet ist, enthalten sie dennoch eine erhebliche Anzahl von Broadcom-Switches. Die Sasac ermittelt zudem, ob Broadcom seine Marktführerposition genutzt hat, um andere Produkte zu bündeln oder große Kaufanforderungen für bis zu Zehntausende von Switch-Chips vorzugeben.

Broadcoms angebliches Vorgehen habe dazu geführt, dass chinesische Unternehmen wie H3C Technologies und Ruijie Networks nur begrenzte Möglichkeiten hatten, bei anderen Switch-Herstellern wie Huawei zu bestellen. H3C und Ruijie sind häufig die bevorzugten Anbieter in Beschaffungslisten, die als Leitlinien für Regierungsbehörden, öffentliche Einrichtungen und staatseigene Unternehmen dienen, die jedes Jahr Milliarden für IT-Produkte ausgeben.

Die steigende Nachfrage chinesischer Unternehmen nach KI-Trainingskapazitäten bedeutet, dass Switches für Rechenzentren einen wachsenden Markt darstellen, der lokale Anbieter Milliarden US-Dollar an Verkäufen bescheren könnte.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 5. März 2026 berichtete aktien.news, dass Nvidia die Produktion von H200-Chips für den chinesischen Markt bei TSMC gestoppt und die Fertigungskapazitäten auf die nächste Chip-Generation Vera Rubin umverteilt hat. Hintergrund waren verschärfte US-Exportkontrollen, die den Verkauf hochleistungsfähiger KI-Chips nach China stark einschränken.

Am 1. Juni 2026 folgte eine weitere Verschärfung: Die USA erließen eine neue Richtlinie, um zu verhindern, dass Nvidia-KI-Chips über Tochtergesellschaften chinesischer Unternehmen im Ausland beschafft werden. Das Bureau of Industry and Security (BIS) des US-Handelsministeriums präzisierte, dass Lizenzanforderungen für fortschrittliche Chips auch dann gelten, wenn sich chinesische Unternehmen außerhalb Chinas befinden.

Die aktuelle Untersuchung der Sasac gegen Broadcom fügt sich nahtlos in dieses Bild ein. Nachdem Nvidia-Produkte in staatlichen Rechenzentren bereits ausgeschlossen sind, richtet sich der Fokus nun auf den nächsten großen ausländischen Anbieter von Netzwerk-Hardware.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung in mehrfacher Hinsicht relevant. Broadcom ist ein in New York notierter Konzern, dessen Aktien auch von deutschen Anlegern gehalten werden können. Sollte die Sasac tatsächlich informelle Richtlinien zur Reduzierung von Broadcom-Switches erlassen, könnte dies erhebliche Umsatzausfälle für den US-Konzern bedeuten – bei einer aktuellen Durchdringungsrate von bis zu 90 Prozent in staatseigenen Unternehmen.

Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass Peking konsequent daran arbeitet, die gesamte KI-Lieferkette zu nationalisieren. Nach dem faktischen Ausschluss von Nvidia-Chips in staatlichen Rechenzentren steht nun die Netzwerk-Infrastruktur von Broadcom im Fokus. Branchenexperten weisen allerdings darauf hin, dass Huaweis Switches weniger energieeffizient seien als die von Broadcom, was die Stromkosten der Nutzer erhöhe.

Positiv für chinesische Anbieter: Die potenzielle Einschränkung für Broadcom-Switches gilt einem Vertriebsmitarbeiter zufolge nicht für Rechenzentren, die von privaten Unternehmen wie ByteDance und Alibaba betrieben werden. Bestehende Ausrüstung werde zudem nicht abgebaut. Ein Vertriebsmitarbeiter eines Herstellers von Rechenzentrumsracks beschrieb die Maßnahme als "Teil einer umfassenderen Politik zur Nationalisierung der Lieferkette".

Ausblick

Die Sasac wertet derzeit die erhobenen Daten aus. Auf Basis der ersten Ergebnisse könnten informelle Richtlinien zur Reduzierung von Broadcom-Switches in staatlichen Rechenzentren folgen. Die Sasac, Broadcom, H3C und Ruijie haben auf Anfragen zur Stellungnahme nicht reagiert.

Ob und wann konkrete Vorgaben erlassen werden, ist derzeit offen. Klar ist jedoch, dass Peking die Abhängigkeit von ausländischer KI-Infrastruktur weiter reduzieren will – und Broadcom nach Nvidia das nächste Ziel dieser Strategie sein könnte.

Kurz erklärt

  • Switch: Ein Netzwerkgerät, das in Rechenzentren Datenpakete zwischen verschiedenen Computern und Servern weiterleitet. Hochwertige Switches können große Datenmengen mit sehr hohen Geschwindigkeiten übertragen.
  • Sasac: Die Staatliche Kommission zur Aufsicht über staatliches Vermögen ist eine chinesische Behörde, die für die Überwachung und Kontrolle staatseigener Unternehmen zuständig ist.
  • Vera Rubin: Die nächste Generation von Nvidia-KI-Chips, die nach dem Stopp der H200-Produktion für China nun verstärkt bei TSMC gefertigt wird.
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