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China boomt mit smarten Brillen – Datenschutz wird zum Kostentreiber

Sinkende Preise treiben den Absatz intelligenter Brillen in China, doch der Datenschutz könnte die Hersteller teuer zu stehen kommen.

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China boomt mit smarten Brillen – Datenschutz wird zum Kostentreiber

Intelligente Brillen mit eingebauter Kamera erobern den chinesischen Markt – und das zu Preisen, die immer weiter fallen. Für ein typisches Paar liegen die Kosten in China inzwischen bei rund 120 US-Dollar und damit weniger als halb so hoch wie noch vor einem Jahr. Diese Entwicklung dürfte die Verbreitung der Geräte weiter beschleunigen, bringt aber zugleich wachsende Risiken für die Privatsphäre mit sich. Je populärer die Brillen werden, desto größer wird die Bedrohung – und daraus könnten eine ganze Reihe neuer Kostenfaktoren entstehen.

Die Zahlen belegen den rasanten Aufstieg. Laut Daten des Marktforschungsunternehmens IDC wurden in China im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Paar intelligente Brillen verkauft. In den ersten acht Monaten dieses Jahres haben die Verkäufe auf wichtigen chinesischen Online-Plattformen mehr als doppelt so hohe Werte erreicht. Besonders gefragt sind dabei Modelle mit Kamerafunktion, die im Vergleich zu rein audioorientierten Varianten rasant an Marktanteilen gewinnen.

Ein potenziell milliardenschwerer Markt

Für die Hersteller eröffnet sich damit ein lukratives Geschäftsfeld. Der Automobilhersteller Li Auto ist in den Bereich intelligenter Brillen eingestiegen, ebenso der E-Commerce-Konzern Alibaba und die Elektronikgruppe TCL. Würden zehn Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung Chinas zu den aktuellen Preisen ein solches Gerät kaufen, deutet dies auf einen Umsatz von über 10 Milliarden US-Dollar hin. Auch gewinnseitig stellt sich das Geschäft als beträchtliche Chance dar: Grobe Schätzungen der Komponentenkosten durch Counterpoint Research lassen darauf schließen, dass die Hardware-Gewinnmargen bis zu 50 Prozent betragen können.

Auch für Zulieferer entsteht neue Nachfrage. Unternehmen wie Sunny Optical profitieren von einem steigenden Bedarf an Kameras, Objektiven und anderen Komponenten – und das bereits, bevor intelligente Brillen auch nur annähernd eine Massenadoption erreichen. Die Lieferkette wird also schon jetzt angekurbelt.

Doch all dies wirft die Frage auf, was geschieht, wenn nicht nur eine kleine Gruppe von Early Adopters, sondern Millionen von Nutzern mit unauffälligen Aufnahmegeräten auf der Nasenspitze unterwegs sind. Die Aufsichtsbehörden haben das Thema bereits zur Kenntnis genommen. Im Juni wurde Chinas erster brancheninterner Selbstregulierungscode für KI-Brillen veröffentlicht, der eine minimale Datenerhebung und klare Indikatoren fordert, wenn Kameras oder Mikrofone aktiv aufnehmen. Dieser Schritt folgte auf Kontroversen um Videos, die zeigten, wie Fremde ohne ihr Wissen in U-Bahnen, an Stränden, in Einkaufszentren und auf Flügen gefilmt wurden.

Regulierung wird zum Kostenfaktor

Für die Hersteller könnten die heutigen Richtlinien morgen zu Kosten werden. Deutlichere Aufnahmehinweise sowie stärkere physische und datenschutzrechtliche Kontrollen erfordern Anpassungen sowohl in der Hardware als auch in der Software. Die Verarbeitung von Kamera- und Audiodaten direkt auf dem Gerät statt deren Übertragung in Cloud-Speicher kann die Risiken für die Privatsphäre verringern. Dies erfordert jedoch leistungsfähigere Chips, zusätzlichen Speicher und größere Batterien, was die Komponentenkosten in die Höhe treibt.

Das bedeutet, dass die beeindruckende Nachfrage nach intelligenten Brillen trügerisch sein könnte. Sinkende Preise helfen den Herstellern derzeit zwar, mehr Verbraucher zu erreichen, doch die notwendigen Ausgaben zum Schutz der Privatsphäre könnten diese Preise wieder ansteigen lassen – es sei denn, die Hersteller sind bereit, die Mehrkosten selbst zu tragen. Das könnte letztlich darüber entscheiden, wer die Gewinner und wer die Verlierer sein wird.

Für deutsche Anleger ist die Entwicklung ein Lehrstück über die Wechselwirkung von Technologie-Hype und Regulierung. Der Fall erinnert an frühere Debatten um Datenbrillen, die in Europa vor allem wegen Datenschutzbedenken auf Widerstand stießen. Wer in chinesische Technologie- und Zulieferwerte investiert, sollte daher nicht nur auf die Absatzzahlen schauen, sondern auch die regulatorischen Rahmenbedingungen im Blick behalten. Denn die Frage, ob die Hersteller die Zusatzkosten für den Datenschutz weitergeben oder selbst schultern, dürfte maßgeblich bestimmen, wie profitabel das Geschäft mit den smarten Brillen am Ende wirklich ist.

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