Cannabis: Indigene Stämme könnten jährlich 2 Milliarden Dollar verdienen
Eine Analyse von HedgeRow zeigt: Stämme könnten durch den legalen Marihuana-Markt jährlich mehr als 2 Milliarden US-Dollar an neuen Einnahmen erzielen.

Native American tribes in den USA könnten durch die Teilnahme am legalen Marihuana-Markt jedes Jahr mehr als 2 Milliarden US-Dollar an neuen Einnahmen generieren. Das geht aus einer neuen Schätzung des Analysehauses HedgeRow Analysis hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Demnach könnten Stämme, die sich „zielstrebig und frühzeitig" positionieren, innerhalb von fünf Jahren jährliche Einnahmen zwischen 300 Millionen und 600 Millionen US-Dollar aus dem Marktpotenzial des Cannabismarktes erwarten.
Die Projektion summiert sich langfristig auf insgesamt 2 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Als Treiber nennt HedgeRow den souveränen Status der Stämme und ihre lange kulturelle Geschichte mit Pflanzenmedizin. Gleichzeitig wächst die Zahl neuer staatlicher Gesetze zur Legalisierung von Marihuana langsamer, und eine vollständige bundesweite Legalisierung scheint dem Unternehmen zufolge „nach wie vor unerreichbar".
HedgeRow schätzt, dass derzeit mehr als 50 Milliarden US-Dollar an jährlicher Nachfrage der Konsumenten nach Cannabis durch nicht regulierte Produkte gedeckt werden — einschließlich solcher aus dem kriminellen Markt sowie über hanfbasiertes THC. Daraus leitet das Unternehmen die Chance für Stammesnationen ab, einen sicheren, legalen und regulierten Markt zu etablieren, um den aktuellen illegalen Markt zu verdrängen.
Die Details
Matt Walter, CEO von HedgeRow, sagte: „Zwar haben die meisten Bundesstaaten den Konsum von Cannabis für Erwachsene oder medizinisches Cannabis legalisiert, doch es gibt im gesamten Land zahlreiche Möglichkeiten für Stammesnationen, einen sicheren, legalen und regulierten Markt zu eröffnen, um den aktuellen illegalen Markt zu verdrängen."
In Bundesstaaten, die Verkäufe für Erwachsene verbieten, nur medizinisches Cannabis erlauben oder ein System aufgebaut haben, das große Bevölkerungsgruppen unbedient lässt, konkurriere eine souveräne Nation mit einem bewährten, regulierten und gut geführten Einzelhandelsbetrieb „nicht nur am Rande des staatlichen Marktes", so Walter weiter. „An diesen Orten ist sie der Markt."
Das Unternehmen skizziert drei umweltpolitische Szenarien im Cannabismarkt, in denen sich Stämme wiederfinden könnten, wobei jedes Szenario eine andere Strategie mit unterschiedlichem Umsatzpotenzial erfordert:
- In Bundesstaaten, die Marihuana sowohl für Freizeit- als auch für medizinische Zwecke weiterhin verbieten, könnten Stammesnationen innerhalb eines weiten geografischen Radius die einzigen Anbieter legaler und geprüfter Cannabisprodukte werden. In diesen Verbotstaaten — Idaho, Indiana, Kansas, North Carolina, South Carolina, Tennessee, Wisconsin und Wyoming — schätzt HedgeRow jährliche Einnahmen von mehr als 25 Millionen US-Dollar.
- In Bundesstaaten, die medizinisches Cannabis legalisiert haben, aber keine breitere Freizeitanwendung zulassen, „lassen die meisten erwachsenen Konsumenten ohne legale Option, und ihre Nachfrage fließt fast ausschließlich in illegale Kanäle sowie in hanfbasierte Produkte", heißt es im Bericht. Das gelte besonders für Staaten mit sehr restriktiven medizinischen Programmen wie Texas. Stämme dort könnten jährliche Einnahmen von 8 bis 18 Millionen US-Dollar erzielen.
- In Bundesstaaten, die legalen Konsum bereits für medizinische Zwecke und für Erwachsene erlauben, bestehen dennoch wirtschaftliche Chancen für Stämme, die „Lücken einer ungedeckten Nachfrage identifizieren, die durch kommunale Opt-outs, langsame Lizenzierungsverfahren, ungleiche Ladenverteilung und saisonale Bevölkerungsspitzen entstehen". Hier veranschlagt die Analyse jährliche Einnahmen von 4 bis 12 Millionen US-Dollar.
Eine geografische Aufschlüsselung, die HedgeRow Marijuana Moment zur Verfügung stellte, deutet darauf hin, dass die Region des Südens und des Golfs der USA das größte wirtschaftliche Potenzial für Stämme birgt und etwa 40 Prozent des nationalen Gesamtwerts ausmacht. Grund dafür: Nahezu 90 Millionen Amerikaner, die dort leben, haben keinen legalen Zugang zu Freizeitmarihuana.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 12.06.2026 berichtete aktien.news, dass souveräne Stämme der amerikanischen Ureinwohner ihre Cannabis-Einzelhandelsgeschäfte so schnell ausbauen wie nie zuvor. Stand 30. April 2025 existierten 93 im Stammesbesitz befindliche Cannabis-Verkaufsstellen in 10 Bundesstaaten; mit 19 Neueröffnungen allein im Jahr 2025 wurde ein neuer Jahresrekord aufgestellt. Insgesamt besitzen 67 Stämme Cannabis-Einzelhandelsgeschäfte — ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber Mai 2024 und rund 12 Prozent der 575 staatlich anerkannten Stämme in den USA. Die Gesamtzahl der Verkaufsstellen stieg im selben Zeitraum um 19 Prozent, vor allem wegen 11 Neueröffnungen in Minnesota; Washington führt die Rangliste mit 26 Geschäften an.
Am 20.06.2026 meldete aktien.news, dass US-Bundesstaaten seit dem Start der ersten legalen Cannabismärkte vor über einem Jahrzehnt insgesamt mehr als 28,4 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen aus dem Verkauf von Marihuana zu Genusszwecken generiert haben. Allein im Jahr 2025 flossen mehr als 4,5 Milliarden US-Dollar aus dem Verkauf von Cannabis an Erwachsene in die Staatskassen — der bisher höchste Jahreswert.
Am 05.10.2026 berichtete aktien.news, dass in Florida Aktivisten zwei neue Initiativen zur Legalisierung von Marihuana für die Wahlurne 2028 eingereicht haben, während eine dritte, zuvor eingereichte Maßnahme zur Legalisierung von Cannabis weiterhin aussteht. Am 07.10.2026 folgte der Hinweis auf eine Studie im Fachmagazin „Annals of Internal Medicine": Die Zahl der Kliniker, die medizinisches Cannabis verschreiben dürfen, ist seit 2020 um 16 Prozent gestiegen; im Jahr 2024 sprachen fast 36.000 Gesundheitsfachkräfte entsprechende Empfehlungen aus, und etwa 3,9 Millionen Patienten befanden sich in medizinischen Cannabis-Programmen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Analyse vor allem ein Indikator dafür, wie fragmentiert der US-Cannabismarkt bleibt. Während einzelne Bundesstaaten den legalen Markt ausbauen, hängt die Rechtslage weiterhin von einzelnen Volksabstimmungen und Landesgesetzen ab — eine bundesweite Legalisierung scheint laut HedgeRow „nach wie vor unerreichbar". Genau diese Zersplitterung beschreibt das Analysehaus aber als Chance für Stammesnationen, weil sie in Regionen mit ungedeckter Nachfrage als einzige legale Anbieter auftreten können.
HedgeRow verweist in diesem Zusammenhang auf die Erfahrung der Eastern Band of Cherokee Indians (EBCI), die 2024 die erste Marihuana-Apotheke in North Carolina eröffnete — trotz des Protests bestimmter republikanischer Abgeordneter im Kongress. Forrest Parker, CEO von Qualla Enterprises, das die Great Smoky Cannabis Company des Stammes verwaltet, sagte: „Die EBCI hatte nicht vor, Cannabis nach North Carolina zu bringen; es war schon sehr lange hier." Man habe Verbrauchern, „die bisher alles akzeptiert hatten, was sie vom illegalen Markt bekommen konnten, hochwertiges, sicheres, geprüftes und reguliertes Cannabis" anbieten wollen.
„Die Ergebnisse sprechen für sich", so Parker weiter. „Great Smoky hat Tausenden von Familien im Stamm wirtschaftliche Möglichkeiten geschaffen, zehn Millionen Dollar aus illegalen Märkten zurück in unsere Gemeinden gelenkt und Verbrauchern ein Qualitätsprodukt als verbesserte Wahl im Gesundheitswesen und beim Konsum geboten."
Stephen Balogh, Mitgründer von HedgeRow, ordnet das Potenzial historisch ein: „Cannabis stellt seit der Glücksspielindustrie die beste Chance zur Schaffung von generationenübergreifendem Wohlstand und finanzieller Stärke dar." Ähnlich wie beim Glücksspiel könnten Kunden weite Strecken zurücklegen, was Chancen für eine damit verbundene wirtschaftliche Entwicklung in der lokalen Hotellerie und im Kulturtourismus schaffe.
Ausblick
Die Projektionen von HedgeRow basieren auf einem Modell namens Cannabis Market Estimation and Location Optimization Tool (CaMELOT). Es schätzt die potenzielle Verbraucher- und Marktnachfrage anhand von Drogenbefragungsdaten, demografischen und wirtschaftlichen Profilen, räumlichen und Reisezeitanalysen, Wettbewerbs-Sättigungsmustern sowie Tourismusmustern.
Eine Karte, die im vergangenen Jahr von der Indigenous Cannabis Industry Association (ICIA) in Zusammenarbeit mit der Kanzlei Vicente LLP erstellt wurde, zeigt, dass mehr als ein Viertel der indigenen Gemeinschaften im kontinentalen Teil der USA derzeit an Marihuana- oder Hanfprogrammen beteiligt sind. Wie schnell sich das Potenzial von 2 Milliarden US-Dollar realisieren lässt, hängt dem Bericht zufolge maßgeblich davon ab, wie zielstrebig und frühzeitig sich die Stämme positionieren.
Kurz erklärt
- Souveräner Status: rechtliche Stellung anerkannter Stammesnationen, die eigene Regelungen erlassen können.
- Hanfbasiertes THC: Rauschmittel aus Hanf, das außerhalb regulierter Cannabis-Verkaufskanäle angeboten wird.
- Kommunale Opt-outs: Entscheidungen von Gemeinden, den legalen Cannabisverkauf in ihrem Gebiet zu untersagen.
