Burnham will neues Kapitel aufschlagen und vom Thatcherismus abrücken
Labour-Chef Andy Burnham erklärt Margaret Thatcher zum eigentlichen Gegner und verspricht einen Kurswechsel nach 40 Jahren.

Der britische Premierminister und Labour-Chef Andy Burnham hat auf der Jahreskonferenz seiner Partei in Liverpool eine grundlegende Abkehr von der Politik Margaret Thatchers angekündigt. Es scheint oft, als sei sein größter politischer Gegner nicht der rechtspopulistische Nigel Farage, sondern eine konservative Vorgängerin, die vor 13 Jahren verstarb. Burnham macht die frühere Premierministerin damit zum zentralen Bezugspunkt seiner politischen Neuausrichtung.
Bereits in seiner ersten Rede als Führer der Labour-Partei im Juli hatte Burnham weitreichende Versprechen formuliert. Er sprach von „dem bedeutendsten Wendepunkt in unserer Politik seit 40 Jahren". Dieser Verweis zielt unmissverständlich auf den Beginn von Thatchers neoliberaler Revolution, die Großbritannien nachhaltig prägte.
Im vergangenen Monat legte der Labour-Chef im Parlament nach. Dort schwor er, die Reihe falscher Weichenstellungen rückgängig zu machen, die Großbritannien „seit den 1980er-Jahren" genommen habe. Damit stellt er seine Politik ausdrücklich in die Tradition eines Bruchs mit dem Erbe der Thatcher-Ära.
Die 1980er-Jahre als historischer Referenzpunkt
Die 1980er-Jahre waren eine turbulente Dekade in der britischen Geschichte. In dieser Zeit führte die „Eiserne Lady" die Conservative Party durch Arbeitsunruhen, Privatisierungskampagnen und die Spannungen des Kalten Krieges. Margaret Thatcher, die vor 13 Jahren verstarb, steht seither als Symbol für eine marktradikale Wirtschaftspolitik, die als Thatcherismus in die Geschichtsbücher einging.
Für deutsche Leser ist der Begriff des Thatcherismus eng mit dem verbunden, was hierzulande als Neoliberalismus diskutiert wird: die Privatisierung staatlicher Unternehmen, die Deregulierung der Märkte und die Zurückdrängung des Einflusses von Gewerkschaften. Burnhams Rhetorik zielt darauf, diese Politik als Ursache gegenwärtiger Probleme zu markieren und einen Gegenentwurf zu formulieren.
Bemerkenswert ist die strategische Stoßrichtung. Während sich viele sozialdemokratische Parteien in Europa derzeit vor allem gegen rechtspopulistische Kräfte wie Nigel Farage abgrenzen, wählt Burnham einen anderen Gegner. Er greift nicht den aktuellen politischen Wettbewerber an, sondern eine historische Figur. Damit versucht er, den ideologischen Rahmen der Debatte zu verschieben.
Ob dieser Ansatz aufgeht, wird sich an der Umsetzung messen lassen müssen. Die Ankündigung eines „Wendepunkts" und die Rückabwicklung jahrzehntelanger Weichenstellungen sind weitreichende Versprechen. Sie berühren zentrale Bereiche der britischen Wirtschafts- und Sozialpolitik, die seit den 1980er-Jahren tiefgreifend umgestaltet wurden.
Mit seiner Rede in Liverpool sendet Burnham ein klares Signal an seine Partei und an die Wähler. Er positioniert Labour als Kraft der grundlegenden Erneuerung und rückt die Auseinandersetzung mit dem Thatcherismus ins Zentrum. Die kommenden Monate werden zeigen, wie konkret diese Ankündigungen werden.
