Bundesliga-Benchmarking: FC Bayern dominiert die Wirtschaftstabelle klar
Bain-Studie zeigt: Bayern führt das Gesamtranking an – doch bei der Kadereffektivität überraschen Werder und Mainz.

Der FC Bayern München und Borussia Dortmund auf den Plätzen 13 und 14 – das klingt nach einer Bundesliga-Krise. Doch es handelt sich um das Ranking der Kadereffektivität aus der aktuellen Studie „Bundesliga-Benchmarking" der Unternehmensberatung Bain. In dieser Kategorie misst Bain das Verhältnis zwischen dem eingesetzten Personalaufwand für den Kader und den damit erzielten Bundesligapunkten. Betrachtet wurden alle 16 Mannschaften, die sowohl in der Saison 2023/2024 als auch 2024/2025 erstklassig spielten.
Der Grund für das schwache Abschneiden der Bayern liegt auf der Hand: Der Münchner Kader ist der mit Abstand teuerste der Liga – mit einem Wert nahe der Milliarden-Euro-Grenze. „Aber am Ende bekommen sie ja auch nur drei Punkte für einen Sieg", erklärt Lukas Richau, Bain-Berater und Co-Autor der Studie. Für die Bundesliga sei der Bayern-Kader schlicht überdimensioniert.
An der Spitze der Kadereffektivität stehen stattdessen Werder Bremen und der FSV Mainz 05. Beide Vereine unterhielten in der Saison 2024/2025 Kader im Wert zwischen 150 und 170 Millionen Euro – also rund ein Sechstel des Bayern-Kaders. Mit diesen deutlich begrenzteren Mitteln holten sie laut Bain-Analyse das meiste heraus.
Bayern dominiert das Gesamtranking
Im Gesamtranking, das sechs Kategorien umfasst, herrscht hingegen gewohnte Ordnung. Der FC Bayern thront erneut an der Spitze, gefolgt von VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen, RB Leipzig und Borussia Dortmund. „Der FC Bayern hat sich abgesetzt im Gesamtranking", sagt Walter Sinn, Bain-Chairman und Co-Autor der Studie. „Gerade auch im Vergleich zum Vorjahr spielt er in einer eigenen Liga."
Das liegt auch an der engen Verknüpfung von sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg. Wer mindestens Platz 5 in der Bundesliga belegt, sichert sich Zugang zum internationalen Geschäft – und damit zusätzliche TV-Einnahmen sowie UEFA-Prämien, die je nach Abschneiden in Champions League, Europa League oder Europa Conference League 50 Millionen Euro und mehr betragen können. Es ist bereits die vierte Auflage des Bundesliga-Benchmarkings von Bain; in allen vier Jahren führte der FC Bayern die Wirtschaftstabelle an – auch im Meisterjahr von Bayer Leverkusen 2023/2024.
Als positive Überraschungen im Gesamtranking heben die Studienautoren Eintracht Frankfurt und den VfB Stuttgart hervor. Frankfurt habe stark vom Europapokalsieg 2022 profitiert und sich seitdem zu einem professionell geführten, international ausgerichteten Klub entwickelt. Sinn lobt ausdrücklich CEO Axel Hellmann und sein Führungsteam. Der VfB Stuttgart habe sich „in den vergangenen zwei Jahren in eine ganz andere Wahrnehmung katapultiert".
Leverkusen-Hype wirkt nach – Union Berlin verliert Boden
Beim Merchandising-Umsatz pro Fan bleibt Bayer Leverkusen Spitzenreiter: Im Schnitt gab jeder Leverkusen-Fan in der vergangenen Saison 25,01 Euro aus. Das ist bemerkenswert, weil der Klub in der Kategorie „Mitglieder/Vereinsinteressierte" nur auf Platz 9 kommt. Co-Autor Richau erklärt, Leverkusen habe den Hype aus der Meisterschaftssaison in den sozialen Medien sehr gut genutzt und „über das Spiel hinaus diese Erfolgswelle in Fanmobilisierung und Merchandise-Umsätze übertragen" – obwohl Meistertrainer Xabi Alonso und Star Florian Wirtz den Klub inzwischen verlassen haben.
Das Gegenbeispiel liefert Union Berlin. Der ehemalige Champions-League-Teilnehmer lag vor zwei Jahren noch auf Rang vier beim Merchandising-Umsatz. Inzwischen reicht es nur noch zu Platz 13 mit durchschnittlichen Ausgaben von 8,67 Euro je Fan – ein deutlicher Beleg dafür, wie stark Merchandising-Erlöse vom sportlichen Abschneiden abhängen.
Grundsätzlich attestiert Bain der gesamten Bundesliga eine wachsende wirtschaftliche Professionalisierung. „Insbesondere bei Sponsoring, Merchandise und der Fanmobilisierung sieht man über die gesamte Liga hinweg Fortschritte", sagt Walter Sinn. „Alle Bundesligisten haben sich in mittelständische Wirtschaftsunternehmen gewandelt."
Sponsoring: Bayern in einer eigenen Liga
Beim Sponsoring zeigt sich eine klare Dreiklassengesellschaft – oder genauer: eine Vierklassengesellschaft. An der Spitze stehen finanzstarke Klubs, die pro Sponsor durchschnittlich 1,5 Millionen Euro einnehmen, darunter auch die konzerngebundenen Vereine RB Leipzig (Red Bull), VfL Wolfsburg (Volkswagen) und Bayer Leverkusen (Bayer AG). Dahinter folgt ein breites Mittelfeld mit Erlösen zwischen 0,7 und 1,5 Millionen Euro pro Sponsor. Am unteren Ende stehen der FC St. Pauli und der SC Freiburg mit rund einer halben Million Euro oder weniger.
Und dann ist da noch der FC Bayern – in einer eigenen Kategorie. Mit 8,36 Millionen Euro pro Sponsor setzen die Münchner doppelt so viel um wie der Zweitplatzierte RB Leipzig (4,13 Millionen Euro). Zur Saison 2024/2025 übernahm DAX-Konzern Allianz die Rechte als offizieller Ärmelsponsor. Bereits seit Ende 2023 ist das US-Getränkeunternehmen Prime Hydration der Influencer Logan Paul und KSI Bayern-Sponsor. Für den asiatischen Markt schlossen die Münchner 2024 zudem eine vierjährige regionale Partnerschaft mit der Menthol-Salbe Tiger Balm aus Singapur.
Nach Abschluss der von Bain untersuchten Saison vermeldete Bayern weitere Sponsoring-Highlights: Der Hauptsponsor Deutsche Telekom verlängerte seinen Vertrag vorzeitig bis 2032 – künftig fließen bis zu 65 Millionen Euro pro Saison (bisher rund 50 Millionen Euro). Zudem wurde die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai im Sommer 2025 neuer „Platin-Partner" des Klubs, was laut Medienberichten fünf Millionen Euro jährlich einbringt.
Internationale Medienerlöse: Bundesliga mit Nachholbedarf
„Beim Sponsoring spielen die Bayern in ihrer eigenen Liga", bestätigt Sinn. Doch für die Bundesliga als Ganzes bleibt ein strukturelles Problem: Wenn dauerhaft nur ein deutscher Klub internationale Strahlkraft entfaltet, leidet die gesamte Liga darunter. Richau formuliert es klar: „Die Bundesliga ist zwar relativ erfolgreich bei nationalen Medienerlösen – aber hat noch enormes Potenzial bei internationalen Medienerlösen."
Im Vergleich mit der englischen Premier League und der spanischen La Liga werden die Defizite deutlich. Internationale Fans interessierten sich laut Richau vor allem für zwei Dinge: die Ausgeglichenheit einer Liga und ihre Stars. Bain analysierte die Wettbewerbsausgeglichenheit der europäischen Top-5-Ligen mithilfe des Gini-Koeffizienten – einer auch im Wettbewerbsrecht etablierten Kennzahl – auf Basis der Kadermarktwerte. Ergebnis: Premier League und Serie A wurden in den vergangenen zehn Jahren ausgeglichener, während in Frankreich und Spanien die Lücken zwischen Topklubs und dem Rest wuchsen. „Die Bundesliga rangiert hier eher im Mittelfeld", so Richau.
Das nahende Champions-League-Finale findet ohne deutsche Beteiligung statt – der FC Bayern schied knapp gegen Paris Saint-Germain aus. Doch ausgerechnet der Klub mit dem niedrigsten Umsatz pro Sponsor sorgt für internationale Aufmerksamkeit: Der SC Freiburg steht im Finale der Europa League.
