CEO-Fluktuation erreicht Rekordniveau: Führungskräfte unter zunehmendem Druck
Amtszeiten schrumpfen weltweit auf sieben Jahre - Aktivistische Investoren verstärken den Wechsel an der Spitze

Die Führungsetagen der weltweit größten börsennotierten Unternehmen erleben einen historischen Umbruch. Die Fluktuation unter den Vorstandsvorsitzenden erreichte 2025 das zweite Jahr in Folge einen neuen Rekordwert. Gegenüber 2024 stieg die Wechselrate um 16 Prozent und liegt damit 21 Prozent über dem Achtjahresdurchschnitt, wie der Personalberater Russell Reynolds ermittelte.
Die durchschnittliche Amtszeit von CEOs ist auf sieben Jahre gesunken - ein deutlicher Rückgang gegenüber etwas mehr als acht Jahren im Jahr 2021. Besonders auffällig: Der Anteil der Vorstandsvorsitzenden, die innerhalb von 30 bis 36 Monaten ausschieden, stieg innerhalb nur eines Jahres um fast 80 Prozent. Diese Entwicklung betrifft nicht nur Unternehmen mit schwacher Performance, sondern zunehmend auch Branchenführer.
Die Gründe für den rasanten Führungswechsel sind vielfältig. Während einige Übergänge wie bei Berkshire Hathaway geplant verliefen - Warren Buffett übergab nach langer Vorbereitung an Greg Abel - endeten andere Amtszeiten abrupt. Laurent Freixe von Nestlé musste nach nur einem Jahr gehen, weil er eine Liebesbeziehung zu einer unterstellten Person nicht offengelegt hatte. Ashley Buchanan verließ die US-Warenhauskette Kohl's bereits nach weniger als vier Monaten wegen mutmaßlicher Interessenkonflikte mit externen Lieferanten.
Aktivistische Investoren erhöhen den Druck
Eine treibende Kraft hinter der steigenden CEO-Fluktuation sind aktivistische Aktionäre. Laut Barclays Bank starteten diese 2025 weltweit die Rekordzahl von 255 Kampagnen. In den USA traten 32 Vorstandsvorsitzende innerhalb eines Jahres nach einer aktivistischen Kampagne zurück - eine Steigerung von 40 Prozent gegenüber dem Vierjahresdurchschnitt.
Die renditehungrigen Investoren scheuen sich nicht, auch bei etablierten Unternehmen personelle Konsequenzen zu fordern. Ihre zunehmende Aktivität spiegelt die gestiegenen Erwartungen der Kapitalmärkte wider, die schnelle Ergebnisse und kontinuierliches Wachstum verlangen.
Parallelen zur politischen Führungskrise
Die Turbulenzen in den Führungsetagen beschränken sich nicht auf die Wirtschaft. Auch in der Politik zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. In Australien wurde Sussan Ley, die erste weibliche Vorsitzende der Liberal Party, nach nur neun Monaten abgesetzt. Angus Taylor wurde damit der fünfte Parteivorsitzende innerhalb von acht Jahren.
In Großbritannien wehrte Premierminister Keir Starmer kürzlich einen Putschversuch ab und bewahrte das Land damit vor seinem fünften Regierungschef in vier Jahren. Die düsteren Umfragewerte und der interne Druck ähneln den Herausforderungen, denen sich auch Unternehmenslenker gegenübersehen.
Experten sehen in dieser Entwicklung eine beängstigende Mischung aus Kräften: Kurzfristiger Erfolgsdruck, mediale Aufmerksamkeit, aktivistische Stakeholder und gestiegene Erwartungen an Transparenz und Performance schaffen ein Umfeld, in dem Führungspersönlichkeiten kaum noch Zeit für langfristige Strategien bleibt. Die Zeichen stehen auf weitere Turbulenzen in den Chefetagen weltweit.
