Bund und Länder finden keinen Kompromiss
Streit um Ausgleich für Steuerverluste belastet Investitionspläne der Bundesregierung

Der Streit um eine finanzielle Entlastung der Länder und Kommunen durch das geplante Investitionsprogramm der Bundesregierung geht weiter. Eine zentrale Verhandlungsrunde unter Leitung von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) blieb ergebnislos. Trotz des gemeinsamen Ziels, mit dem Gesetz Wachstumsimpulse für die Wirtschaft zu setzen und Arbeitsplätze zu sichern, konnte bislang kein Kompromiss über die Lastenverteilung erzielt werden. Am Montagabend soll ein neuer Anlauf unternommen werden, um eine Einigung herbeizuführen.
Das Investitionspaket, über das der Bundestag am Donnerstag entscheiden will, sieht Steuerentlastungen für Unternehmen vor. Im Zentrum stehen dabei erweiterte Abschreibungsmöglichkeiten, etwa für Maschinen und Elektrofahrzeuge. Ab dem Jahr 2028 ist zudem eine Senkung der Körperschaftsteuer geplant. Diese Maßnahmen sollen Investitionen fördern und die wirtschaftliche Entwicklung ankurbeln. Gleichzeitig befürchten Länder und Kommunen jedoch erhebliche Einnahmeausfälle, da die Steuersenkungen auch ihre Haushalte betreffen.
An den jüngsten Gesprächen beteiligten sich neben Klingbeil und Frei unter anderem der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), Niedersachsens Regierungschef Olaf Lies (SPD), Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sowie die Finanzministerin von Rheinland-Pfalz, Doris Ahnen (SPD), und der nordrhein-westfälische Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU). Die Ländervertreter betonten, dass der Bund einen wesentlichen Teil der finanziellen Lasten übernehmen müsse, insbesondere im Hinblick auf die teils stark verschuldeten Kommunen.
Bereits in der Vorwoche hatten sich Bund und Länder grundsätzlich auf eine Kompensation geeinigt. Offen bleibt jedoch, in welcher Form und in welchem Umfang der Bund einspringen wird. Der Zeitdruck steigt: Bis Dienstag soll eine Lösung vorliegen. Ziel ist es, das sogenannte Wachstumsbooster-Gesetz mit breiter Unterstützung auf den Weg zu bringen. Das Investitionspaket gilt als zentrales Vorhaben der Bundesregierung zur Stärkung der Konjunktur und zur Förderung des Wirtschaftsstandorts Deutschland.
Die Diskussionen spiegeln die angespannte Haushaltslage vieler Kommunen wider, die durch die geplanten Steuerausfälle weiter belastet würden. Eine Lösung soll nicht nur den Bundeshaushalt entlasten, sondern auch den Ländern und Gemeinden Planungssicherheit bieten. Die Gespräche zwischen Bund und Ländern sollen kurzfristig fortgesetzt werden, um die offenen Fragen rechtzeitig vor der Abstimmung im Bundestag zu klären.
