Britischer Wettbewerbsaufseher zielt auf Microsofts Marktmacht bei Business-Software
Die CMA schlägt vor, Microsoft den Status einer strategischen Marktposition zuzuweisen und prüft die Bündelung von Excel, Teams und Copilot.

Die britische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) hat vorgeschlagen, Microsoft den Status einer „strategischen Marktposition“ im Bereich der Business-Software zu verleihen. Wie die Behörde am Freitag mitteilte, könnte dies den Weg für Eingriffe in die Praxis des US-Technologieriesen frei machen, Produkte wie Excel, Teams und seinen KI-Assistenten Copilot zu bündeln. Der Bericht stammt von den Reuters-Autoren Paul Sandle und Yadarisa Shabong aus London.
Hintergrund ist eine Untersuchung, die die CMA bereits im Mai eingeleitet hatte. Geprüft werden soll, ob die Position von Microsoft bei Software, die monatlich von rund 20 Millionen Menschen in Großbritannien genutzt wird, den Wettbewerb beeinträchtigt. Am Freitag erklärte die Aufsichtsbehörde, sie habe festgestellt, dass Microsoft eine starke Stellung im Bereich Betriebssysteme für Personal Computer sowie bei Software für Produktivität, Sicherheit, Server- und Datenbankmanagement einnimmt.
Diese Marktstellung werde durch hohe Wechselbarrieren für Kunden zusätzlich verstärkt, betonte die Behörde. Microsoft widerspricht dieser Einschätzung entschieden.
Die Details
Ein Sprecher von Microsoft erklärte, man teile die Ansicht der CMA nicht. „Alle unsere Produkte – einschließlich Copilot – sind offen und interoperabel, sodass Kunden die Möglichkeit haben, sie zusammen mit konkurrierenden Diensten zu nutzen“, sagte der Sprecher. Die CMA will nun unter anderem prüfen, ob Kunden KI-Tools frei wählen können und ob Mitbewerber mit Copilot konkurrieren können.
Darüber hinaus will die Behörde untersuchen, ob das Bündeln von Sicherheitsprodukten durch Microsoft die Wahlmöglichkeiten einschränkt. Auch die Lizenzierungspraktiken des Konzerns sollen daraufhin geprüft werden, wie sie sich auf die Cloud-Optionen der Kunden auswirken.
Sarah Cardell, Chief Executive der CMA, betonte die Bedeutung des Sektors: Business-Software und Cloud-Dienste stützten die Arbeitsplätze in ganz Großbritannien, vom kleinen Unternehmen bis hin zu lebenswichtigen öffentlichen Dienstleistungen. „Organisationen sollten in der Lage sein, die Produkte zu wählen, die am besten zu ihnen passen, den Anbieter nach Belieben zu wechseln und Dienste verschiedener Lieferanten zu kombinieren“, sagte sie. „Wir wollen sicherstellen, dass Unternehmen die Freiheit haben, selbst zu entscheiden, wie sie Microsoft-Produkte neben Alternativen nutzen.“
Die Aufsichtsbehörde wird Aufforderungen zur Stellungnahme zum vorgeschlagenen Status veröffentlichen und anschließend bis Februar eine endgültige Entscheidung treffen. Sollte Microsoft diesen Status erhalten, wäre es das dritte Unternehmen, das den neuen digitalen Marktregeln Großbritanniens unterliegt. Alphabet-Eigentümer Google wurde bereits im Bereich der Online-Suche als strategisch eingestuft, während Google und Apple im Oktober 2025 im Bereich mobiler Plattformen entsprechend klassifiziert wurden.
Im Juni hatte die CMA neue Verhaltensanforderungen für Googles Suchdienste verhängt, darunter die Erlaubnis für Verlage, die Nutzung ihrer Inhalte zur Speisung der KI-Funktionen des US-Unternehmens zu untersagen, sowie höhere Transparenzpflichten bezüglich der Funktionsweise der Suchrankings.
Ein weiteres Thema der CMA ist der Cloud-Markt. Die Behörde erklärte am Freitag, dass Amazon Web Services (AWS) und Microsoft verbleibende Barrieren beim Wechsel zwischen Cloud-Anbietern und der Nutzung mehrerer Cloud-Dienste abbauen müssten. Beide Unternehmen hätten bereits Schritte unternommen, um die Wahlfreiheit zu erhöhen, etwa durch die Verbindung ihrer Rechenzentren mit denen von Konkurrenten, beginnend mit Google, sowie durch die Abschaffung von Datenübertragungsgebühren für Kunden, die ihren Anbieter wechseln. Die CMA merkte jedoch an, dass noch mehr getan werden könne.
Hintergrund: Was bisher geschah
Microsoft steht auch außerhalb Großbritanniens unter wettbewerbsrechtlicher Beobachtung. Bereits am 25.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Japan Fair Trade Commission (JFTC) die Büros von Microsoft Japan in Tokio durchsucht hatte. Im Fokus der Razzia stand der Verdacht, dass der US-Softwarekonzern Azure-Kunden unzulässigerweise daran gehindert hat, konkurrierende Cloud-Dienste zu nutzen. Die Behörde prüfte konkret, ob Microsoft Japan Kunden aktiv davon abgehalten oder darin gehindert hat, Dienste von Konkurrenten wie Amazon Web Services (AWS) oder Google Cloud zu nutzen.
Bereits am 26.06.2026 berichtete aktien.news, dass die italienische Kartellbehörde eine formelle Untersuchung gegen Microsoft eingeleitet hatte. Im Fokus standen mutmaßlich unlautere Geschäftspraktiken im Zusammenhang mit Preiserhöhungen für den Abonnement-Dienst Microsoft 365. Konkret warf die Aufsichtsbehörde Microsoft vor, Verbraucher nicht ausreichend darüber informiert zu haben, dass der Dienst Microsoft 365 mit den KI-Tools Copilot und Designer integriert wurde. Diese Integration ging offenbar mit einer Preiserhöhung einher, über die Nutzer nach Ansicht der Behörde nicht transparent genug aufgeklärt wurden.
Erst am 25.09.2026 berichtete aktien.news, dass Microsoft eine aktualisierte Version seiner Copilot-App für Unternehmenskunden vorgestellt hat. Die neue Anwendung bündelt erstmals Programmierfähigkeiten und ein Werkzeug zum Erstellen von KI-Agenten in einer einzigen Oberfläche. Mit diesem Schritt will der Softwarekonzern mehr seiner Office-365-Kunden dazu bewegen, für die erweiterten KI-Tools zu bezahlen. Das Unternehmen reagiert damit auf den wachsenden Wettbewerbsdruck durch Anthropic, dessen Claude-Angebote im Enterprise-Bereich zunehmend Fuß fassen.
Was das für Anleger bedeutet
Für Anleger ist die Entwicklung ein weiterer Baustein in einer Reihe von regulatorischen Prüfungen, denen Microsoft in mehreren Ländern ausgesetzt ist. Der vorgeschlagene Status einer „strategischen Marktposition“ ist noch keine Entscheidung – es handelt sich um einen Vorschlag, zu dem Stellungnahmen eingeholt werden und über den bis Februar final entschieden werden soll. Eine Einstufung könnte Microsofts Spielraum bei der Bündelung von Produkten wie Excel, Teams und Copilot einschränken; solche Pakete sind ein zentraler Hebel, um Kunden an das eigene Ökosystem zu binden.
Bemerkenswert ist, dass die CMA im Cloud-Bereich ausdrücklich keine Einstufung nach dem Digital Markets Competition Regime vorschlägt. Microsoft selbst hob diese Feststellung als Bestätigung hervor, während AWS sich der aktualisierten Bewertung ebenfalls anschloss. Der regulatorische Druck verteilt sich damit ungleich: im Fokus steht die Business-Software, während der Cloud-Sektor vorerst über Verhaltensmaßnahmen und weitere Gespräche adressiert wird.
Ausblick
Die CMA will Stellungnahmen zum vorgeschlagenen Status einholen und anschließend bis Februar eine endgültige Entscheidung treffen. Parallel will die Behörde mit AWS und Microsoft weiter zusammenarbeiten, behält sich aber vor, eine formelle Untersuchung der Cloud-Branche einzuleiten. Microsoft begrüßte die Anerkennung der CMA, dass die Marktposition des Konzerns im Cloud-Bereich keine Einstufung gemäß dem Digital Markets Competition Regime rechtfertigt. AWS erklärte, man habe auch im Jahr 2026 kontinuierlich in neue KI-, Multi-Cloud- und Open-Standard-Fähigkeiten investiert, die Kunden mehr Kontrolle darüber geben, wie sie ihre Infrastrukturen aufbauen und betreiben.
Kurz erklärt
- Strategische Marktposition: Ein Status, mit dem britische Behörden Unternehmen mit besonderer Marktmacht unter verschärfte Wettbewerbsregeln stellen.
- Bündelung: Der Verkauf mehrerer Produkte als Paket, was den Wechsel zu einzelnen Konkurrenzangeboten erschweren kann.
- Copilot: Der KI-Assistent von Microsoft, der in Produktivitätsanwendungen des Konzerns integriert ist.
