BP warnt vor Milliarden-Wertberichtigungen und baut Schulden ab
Der britische Ölkonzern BP rechnet im dritten Quartal mit massiven Abschreibungen und einem deutlichen Rückgang der Nettoverschuldung.

BP hat am Dienstag ein Handels-Update für das dritte Quartal veröffentlicht und dabei zwei wesentliche Entwicklungen bekanntgegeben: Der Konzern erwartet erhebliche Netto-Wertberichtigungen in seinen Sparten Gas und kohlenstoffarme Energie sowie einen signifikanten Abbau der Nettoverschuldung. Die Ankündigung gibt Anlegern einen ersten Einblick in die Quartalszahlen, bevor BP am 30. Oktober seine vollständigen Ergebnisse für den Zeitraum bis zum 30. September vorlegt.
Die Abschreibungen nach Steuern werden laut BP zwischen $3,0 Milliarden und $4,5 Milliarden liegen. Sie resultieren aus Umstrukturierungen in den Bereichen Gas und kohlenstoffarme Energie. Gleichzeitig erwartet der Konzern, dass die Nettoverschuldung per Ende September im Bereich von $13,5 Milliarden bis $14,5 Milliarden liegen wird – ein deutlicher Rückgang gegenüber den $22,3 Milliarden zum Ende des Juniquartals.
Die Details
Den Schuldenabbau führt BP auf mehrere Faktoren zurück: die Tilgung von Hybridanleihen, höhere gezahlte Ertragsteuern, die Freisetzung von Betriebskapital sowie Investitionsausgaben im Quartal. Diese Kombination ermöglichte es dem Konzern, die Nettoverschuldung innerhalb eines einzigen Quartals erheblich zu reduzieren.
Bei der Upstream-Produktion präzisierte BP seine Prognose für das dritte Quartal auf eine Spanne von 2.190 bis 2.240 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag (mboe/d). Im zweiten Quartal hatte die Produktion bei 2.201 mboe/d gelegen. An seiner jährlichen Produktionsprognose von 2.180 bis 2.270 mboe/d hält das Unternehmen fest.
Beim Ölpreis verzeichnete BP im dritten Quartal durchschnittliche Brent-Preise von $96,99 pro Barrel, verglichen mit $103,85 pro Barrel im zweiten Quartal. Trotz des gesunkenen Ölpreises profitierte der Konzern von stärkeren realisierten Raffineriemargen im Bereich von $1,9 Milliarden bis $2,1 Milliarden bei einem Durchsatz von 1.375 bis 1.405 Millionen Barrel pro Tag. Das Ergebnis im Bereich Gasmarketing und -handel soll im dritten Quartal zudem „deutlich höher" ausfallen als im zweiten Quartal.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 14.07.2026 berichtete aktien.news, dass BP spürbar von der durch den Nahostkonflikt ausgelösten Ölpreisrally profitiert. Damals erwartete der Konzern für das zweite Quartal deutlich höhere Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft sowie stark gestiegene Raffineriemargen. Die Nettoverschuldung war bis Ende Juni auf 22 bis 23 Milliarden Dollar gesunken – nach noch 25,3 Milliarden Dollar Ende März. Bis Ende des folgenden Jahres sollte der Schuldenberg laut damaliger Planung weiter auf 14 bis 18 Milliarden Dollar schrumpfen.
Am 05.08.2026 meldete aktien.news dann die konkreten Quartalszahlen: BP erzielte für das zweite Quartal 2026 einen bereinigten Gewinn auf Basis der Wiederbeschaffungskosten von 5,73 Milliarden US-Dollar – deutlich über den Analystenprognosen von 5,11 Milliarden Dollar und ein Plus von über 140 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Es war das stärkste Quartalsergebnis des Konzerns seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022. Rückenwind lieferte der Iran-Krieg, der die Öl- und Gaspreise stabilisierte und zu außergewöhnlich starken Raffineriemargen führte.
Am 04.08.2026 berichtete aktien.news außerdem, dass BP sein US-amerikanisches Biogasgeschäft Archaea – den größten Produzenten von erneuerbarem Gas in den Vereinigten Staaten – zum Verkauf gestellt hat. Der Konzern bewertete das Unternehmen mit vier Milliarden US-Dollar. Der Schritt gilt als Teil des laufenden Konzernumbaus unter neuer Führung.
Zum Vergleich: Noch am 10.02.2026 hatte aktien.news gemeldet, dass BP sein Aktienrückkaufprogramm überraschend ausgesetzt hatte. Damals stand der Konzern unter dem Druck fallender Rohölpreise und meldete für das vierte Quartal 2025 einen bereinigten Gewinn auf Ersatzkostenbasis von lediglich 1,54 Milliarden US-Dollar. Die Trendwende, die seither eingesetzt hat, ist damit bemerkenswert.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind zwei Aspekte besonders relevant. Erstens: Die angekündigten Wertberichtigungen von bis zu $4,5 Milliarden sind zwar erheblich, belasten aber vor allem das buchhalterische Ergebnis. Sie spiegeln Umstrukturierungen im Gas- und Niedrigemissionsbereich wider und sind nicht zwingend ein Zeichen für operative Schwäche. Zweitens: Der deutliche Schuldenabbau – von $22,3 Milliarden auf voraussichtlich $13,5 bis $14,5 Milliarden – verbessert die Bilanzqualität des Konzerns erheblich und signalisiert finanzielle Stärke.
BP profitiert laut eigenem Update von einem starken Anstieg der Ölpreise und Raffineriemargen, da der Krieg zwischen den USA und dem Iran das Angebot verknappte und auch Raffinerieanlagen im Nahen Osten beeinträchtigte. Der Mangel an Raffineriekapazitäten wurde durch ukrainische Angriffe auf russische Anlagen in den letzten Monaten weiter verschärft – ein Trend, von dem BP und seine Wettbewerber profitieren dürften. Anleger sollten jedoch beachten, dass geopolitische Faktoren dieser Art schwer vorhersehbar sind und sich schnell umkehren können.
Ausblick
BP wird seine vollständigen Ergebnisse für das dritte Quartal am 30. Oktober veröffentlichen. Dann werden auch die genauen Auswirkungen der Wertberichtigungen auf das Gesamtergebnis sichtbar sein. Das Unternehmen hält an seiner jährlichen Produktionsprognose von 2.180 bis 2.270 mboe/d fest und erwartet für das Gasmarketing und den Gashandel ein „deutlich höheres" Ergebnis als im zweiten Quartal.
Kurz erklärt
- Netto-Wertberichtigung: Eine buchhalterische Korrektur, mit der der Buchwert eines Vermögenswerts nach unten angepasst wird, wenn sein tatsächlicher Wert gesunken ist.
- Hybridanleihe: Ein Finanzinstrument, das Eigenschaften von Fremd- und Eigenkapital kombiniert und von Unternehmen zur flexiblen Finanzierung eingesetzt wird.
- Barrel Öläquivalent (boe): Eine Maßeinheit, die verschiedene Energieträger wie Öl und Gas auf den Energiegehalt eines Barrel Rohöl umrechnet, um sie vergleichbar zu machen.
