29 Länder verurteilen Iran wegen Anschlägen und Sabotage in Europa
Eine gemeinsame Erklärung westlicher Außenminister wirft Teheran vor, verdeckte Netzwerke und Stellvertreter für feindselige Operationen einzusetzen.

Kanada, die USA, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Deutschland und 24 weitere Staaten haben den Iran in einer gemeinsamen Erklärung scharf verurteilt. Die Außenminister der 29 Länder werfen Teheran vor, Stellvertreter und verdeckte Netzwerke zu nutzen, um feindselige Aktivitäten außerhalb seiner Grenzen durchzuführen. Die Unterzeichner sagten eine engere Abstimmung bei der Untersuchung und strafrechtlichen Verfolgung der Verantwortlichen zu.
Im Mittelpunkt der Erklärung steht die wachsende Besorgnis westlicher Regierungen über mutmaßliche Bedrohungen mit Verbindungen zum Iran. Betroffen sind demnach jüdische Gemeinden, iranische Journalisten und US-Interessen in ganz Europa. Die Verbündeten bezeichnen Versuche des Irans, Menschen in ihren Hoheitsgebieten zu bedrohen, einzuschüchtern, zu schikanieren oder zu verletzen, als inakzeptabel.
Die Unterzeichner verpflichteten sich, diejenigen zu identifizieren, zu untersuchen, zu stören und strafrechtlich zu verfolgen, die im Auftrag des Irans oder eines anderen Staates feindselige Aktivitäten durchführen. Zudem kündigten sie die Stärkung der internationalen Koordination, den Ausbau der nationalen Resilienz und den Schutz ihrer Gemeinschaften an. Die Warnung ist eindeutig: Die Verantwortlichen sollen zur Rechenschaft gezogen werden.
Die Details
Ein zentraler Punkt der gemeinsamen Erklärung ist der Vorfall auf dem britischen Luftwaffenstützpunkt RAF Fairford vom 27. September. Das Vereinigte Königreich kam zu dem Schluss, dass der Iran in diesen Vorfall verwickelt war. London wertet den Vorfall als Beleg für die fortgesetzte Bereitschaft der Islamischen Revolutionsgarde, feindselige Aktivitäten im Ausland durch verdeckte Netzwerke und Stellvertreter auszuüben. Die 29 unterzeichnenden Außenminister nahmen diese britische Einschätzung ausdrücklich zur Kenntnis.
Darüber hinaus verweist die Erklärung auf eine jüngste Serie von Anschlägen in ganz Europa. Zu diesen Anschlägen bekannte sich die Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya, kurz HAYI. Die Ziele dieser Anschläge waren jüdische Gemeinden, iranische Journalisten sowie US-Interessen auf europäischem Boden. Die Erklärung stellt damit einen direkten Zusammenhang zwischen dieser Gruppe und dem iranischen Staat her.
Die beteiligten Länder streben konkret eine verstärkte Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit und bei der Bekämpfung feindseliger staatlicher Aktivitäten an. Neben den bereits genannten Staaten Kanada, USA, Vereinigtes Königreich, Frankreich und Deutschland gehören insgesamt 29 Nationen zu den Unterzeichnern der Erklärung. Die breite Koalition unterstreicht den Ernst, mit dem der Westen die mutmaßlichen iranischen Aktivitäten bewertet.
Hintergrund: Was bisher geschah
Der Vorfall auf dem RAF-Stützpunkt Fairford war bereits zuvor Gegenstand öffentlicher Berichterstattung. Bereits am 01.10.2026 berichtete aktien.news, dass der britische Premierminister Andy Burnham den Iran für den Vorfall auf dem Royal Air Force-Stützpunkt Fairford verantwortlich gemacht hatte. Burnham sprach in einem BBC-Interview von „starken Indizien dafür, dass der Iran eine Rolle bei den Ereignissen über das Wochenende in RAF Fairford gespielt hat". Am Sonntagmorgen waren damals fünf Männer festgenommen worden, nachdem die Polizei auf drei verdächtige Fahrzeuge in Whelford aufmerksam gemacht worden war – einem Dorf direkt östlich des Stützpunkts. Der Stützpunkt dient auch als Basis für schwere US-Bomber, die Angriffe auf den Iran durchführen.
Der aktuelle Konflikt zwischen dem Iran und dem Westen hat eine jüngere Vorgeschichte. Am 28.02.2026 berichtete aktien.news, dass die USA und Israel einen koordinierten Militärangriff auf den Iran gestartet hatten. Israelischer Verteidigungsminister Israel Katz bestätigte den Schlag und rief umgehend den Notstand für das gesamte Staatsgebiet Israels aus. Ein US-Regierungsvertreter bestätigte die amerikanische Beteiligung. Diese militärische Eskalation bildet den übergeordneten Kontext, in dem die nun verurteilten verdeckten Operationen des Irans zu verstehen sind.
Am 28.04.2026 berichtete aktien.news zudem, dass US-Finanzminister Scott Bessent eine klare Warnung an Unternehmen weltweit ausgesprochen hatte: Wer mit iranischen Fluggesellschaften zusammenarbeitet, riskiert US-Sanktionen. Bessent bezeichnete die Warnung als Teil einer umfassenderen Kampagne, um wirtschaftlichen Druck auf den Iran auszuüben. Am 19.06.2026 berichtete aktien.news schließlich, dass die überraschende Absage von Friedensgesprächen zwischen den USA und dem Iran, die in der Schweiz hätten stattfinden sollen, den kanadischen Aktienmarkt belastet hatte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die geopolitische Lage rund um den Iran seit Monaten ein relevanter Risikofaktor. Der Mittlere Osten ist von zentraler Bedeutung für die globale Energieversorgung – Störungen dort wirken sich unmittelbar auf die Ölmärkte und die Weltwirtschaft aus. Die nun koordinierte westliche Reaktion auf iranische Aktivitäten signalisiert, dass die Spannungen zwischen dem Iran und dem Westen weiter anhalten und möglicherweise eskalieren könnten.
Die breite Koalition von 29 Ländern, die die Erklärung unterzeichnet haben, deutet auf eine zunehmende politische Isolation des Irans hin. Für Anleger mit Engagements in Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen in die Region unterhalten oder von stabilen Energiepreisen abhängig sind, bleibt die Lage damit ein zu beobachtender Faktor. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht ableiten.
Ausblick
Die unterzeichnenden Staaten haben konkrete Maßnahmen angekündigt, die in den kommenden Monaten umgesetzt werden sollen. Dazu gehören die Identifizierung, Untersuchung, Störung und strafrechtliche Verfolgung von Personen, die im Auftrag des Irans oder anderer Staaten feindselige Aktivitäten durchführen. Zudem ist eine Stärkung der internationalen Koordination sowie der nationalen Resilienz geplant. Die Unterzeichner haben ausdrücklich gewarnt, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden – ein Signal, das auf weitere diplomatische und möglicherweise rechtliche Schritte hindeutet.
Kurz erklärt
- Islamische Revolutionsgarde (IRGC): Eine paramilitärische Organisation im Iran, die direkt dem Obersten Führer unterstellt ist und sowohl im Inland als auch im Ausland operiert.
- Stellvertreter (Proxies): Gruppen oder Akteure, die im Auftrag eines Staates handeln, ohne dass dieser offiziell die Verantwortung übernimmt.
- Verdeckte Netzwerke: Geheime Strukturen aus Agenten und Mittelsmännern, die staatliche Operationen im Ausland durchführen, ohne direkt mit dem auftraggebenden Staat in Verbindung gebracht zu werden.
