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Boliviens Unruhen bedrohen Zugang zu weltgrößten Lithiumvorkommen

Nach 36 Tagen Protesten plant Präsident Paz einen Ausnahmezustand – mit direkten Folgen für die globale Lithiumversorgung.

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Boliviens Unruhen bedrohen Zugang zu weltgrößten Lithiumvorkommen

Boliviens Präsident Rodrigo Paz hat dem Kongress am 3. Juni einen Gesetzentwurf zur Ausweitung militärischer Befugnisse vorgelegt. Hintergrund sind landesweite Proteste, die am Freitag ihren 36. Tag erreichten. Die anhaltenden Unruhen erhöhen die Unsicherheit für die Erschließung der gewaltigen Lithiumvorkommen des Landes erheblich.

Der geplante Ausnahmezustand soll einen rechtlichen Rahmen schaffen, der militärische Interventionen an der Seite der Polizeikräfte bei öffentlichen Unruhen ermöglicht. Paz begründete die Maßnahme bei der Vereidigungszeremonie des neuen Verteidigungsministers Ernesto Justiniano in La Paz: „Die Maßnahme zielt darauf ab, den Transport von Lebensmitteln, Treibstoff und medizinischen Gütern zu gewährleisten."

Der Gesetzentwurf folgt auf die Verabschiedung des Gesetzes 1732 in der vergangenen Woche. Dieses Gesetz hob bestehende Beschränkungen für Militäreinsätze bei zivilen Demonstrationen auf. Jene Beschränkungen waren nach den Ereignissen von Sacaba und Senkata im Jahr 2019 eingeführt worden, bei denen 21 Menschen starben und 180 weitere verletzt wurden.

Strategische Bedeutung für die globale Lithiumversorgung

Bolivien besitzt einige der weltweit größten Lithiumvorkommen, darunter die massive Lagerstätte Salar de Uyuni. Das Land gilt als strategisch bedeutsam für die globalen Lieferketten rund um Elektrofahrzeuge, Energiespeicher und kritische Mineralien. Für deutsche und europäische Investoren sowie die Automobilindustrie, die auf Lithium als Schlüsselrohstoff für Batteriezellen angewiesen ist, sind die Entwicklungen in Bolivien daher von besonderer Relevanz.

Die aktuellen Ereignisse sind jedoch kein Einzelfall. Politische Instabilität, regulatorische Unsicherheit und wiederkehrende soziale Unruhen haben die Bemühungen zur Entwicklung bolivianischer Lithiumprojekte immer wieder gebremst. Das Land hat trotz seiner enormen Rohstoffbasis bislang nur einen Bruchteil seines Lithiumpotenzials erschlossen – ein Muster, das sich mit den aktuellen Entwicklungen fortzusetzen droht.

Historischer Kontext: Zwischen Ressourcenreichtum und politischer Instabilität

Bolivien zählt gemeinsam mit Chile und Argentinien zum sogenannten „Lithiumdreieck" Südamerikas, das einen Großteil der weltweiten Lithiumreserven beherbergt. Während Chile und Argentinien in den vergangenen Jahren verstärkt ausländische Investitionen angezogen haben, kämpft Bolivien seit Jahren mit innenpolitischen Spannungen, die eine verlässliche Erschließung seiner Bodenschätze erschweren.

Die Kombination aus eskalierenden Protesten, neuen Militärbefugnissen und der historischen Vorbelastung durch die Ereignisse von 2019 schafft ein schwieriges Umfeld für internationale Bergbauunternehmen und Investoren. Solange die politische Lage ungeklärt bleibt, dürfte Bolivien Schwierigkeiten haben, das volle wirtschaftliche Potenzial seiner Lithiumvorkommen zu realisieren – zum Nachteil sowohl des Landes selbst als auch der globalen Energiewende.

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