BOE streicht Verkauf langfristiger britischer Staatsanleihen bis 2034
BOE stoppt Verkauf langlaufender Gilts – Renditen fallen deutlich

Die Bank of England (BOE) hat ihr Programm zur quantitativen Straffung grundlegend überarbeitet und streicht den Verkauf langfristiger britischer Staatsanleihen aus ihrem Plan zur Abwicklung der quantitativen Lockerung bis 2034. Der Markt für britische Staatsanleihen erhielt damit eine dringend benötigte Atempause.
Die Entscheidung fiel am Donnerstag, als die BOE zugleich die Leitzinsen unverändert ließ. Die Borrowing Costs sanken umgehend nach der Ankündigung. Die Rendite von 30-jährigen Anleihen fiel um mehr als 10 Basispunkte – der stärkste Rückgang seit vier Monaten. Zuvor hatte die Rendite dieser langlaufenden Papiere den höchsten Stand seit 1998 erreicht.
Auch die Renditen von zweijährigen Anleihen, die empfindlicher auf geldpolitische Maßnahmen reagieren, gingen zurück. Die Marktteilnehmer werteten die Entscheidung als deutliches Signal, dass die Notenbank die jüngsten Spannungen am Anleihemarkt ernst nimmt.
Hintergrund der Neuausrichtung
Die quantitative Lockerung (QE) hatte die BOE in den Jahren nach der Finanzkrise 2008 und verstärkt während der Corona-Pandemie massiv ausgeweitet. Dabei kaufte die Notenbank in großem Umfang Staatsanleihen, um die Wirtschaft zu stützen. Das Volumen dieser Bestände belief sich zeitweise auf mehrere hundert Milliarden Pfund.
Mit der quantitativen Straffung (QT) kehrt die BOE diesen Prozess nun um. Ursprünglich war geplant, die Anleihenbestände durch aktive Verkäufe und Fälligkeiten bis 2034 vollständig abzubauen. Der Verkauf langfristiger Anleihen stand dabei im Fokus, da diese Papiere besonders liquiditätsintensiv sind.
Doch die jüngsten Turbulenzen am Markt für britische Staatsanleihen – sogenannte Gilts – hatten die Notenbank zum Umdenken gezwungen. Die Renditen waren zuletzt auf Mehrjahreshochs gestiegen, was die Finanzierungsbedingungen für den britischen Staat verschärfte.
Bedeutung für Anleger
Für Anleger ist die Entscheidung der BOE ein wichtiges Signal. Die Notenbank zeigt damit Flexibilität und reagiert auf die Marktgegebenheiten. Der Verzicht auf weitere Verkäufe langlaufender Anleihen dürfte den Druck auf die Renditen dieser Papiere zumindest vorübergehend mindern.
Die britische Wirtschaft steht vor erheblichen Herausforderungen. Die Inflation ist zwar von ihren Höchstständen zurückgekommen, liegt aber weiterhin über dem Zielwert der BOE von zwei Prozent. Gleichzeitig schwächelt das Wirtschaftswachstum, und die Haushaltslage des Staates ist angespannt.
Die Rendite der 30-jährigen Gilts war in den vergangenen Wochen auf den höchsten Stand seit 1998 gestiegen. Dies spiegelt die Sorgen der Anleger über die langfristige Entwicklung der britischen Staatsfinanzen und die Inflationsperspektiven wider.
Ausblick
Die BOE hat mit ihrem Schritt die unmittelbare Spannung am Anleihemarkt gelöst. Ob dies nachhaltig wirkt, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Entwicklung der Inflation, die Konjunkturdaten und die Haushaltspolitik der britischen Regierung werden die weitere Richtung der Renditen maßgeblich bestimmen.
Die nächsten Zinsentscheidungen der BOE bleiben im Fokus der Märkte. Zwar beließ die Notenbank die Zinssätze am Donnerstag unverändert, doch die Diskussion über den weiteren geldpolitischen Kurs ist noch nicht abgeschlossen. Analysten rechnen mit weiteren Zinssenkungen im kommenden Jahr, sofern die Inflation weiter nachlässt.
Für den deutschen Anleihemarkt sind die Entwicklungen in Großbritannien ebenfalls relevant. Die Renditen deutscher Bundesanleihen orientieren sich häufig an den Bewegungen der Gilts, auch wenn die fiskalischen Rahmenbedingungen in beiden Ländern unterschiedlich sind. Die Entscheidung der BOE könnte daher auch die Renditen in der Eurozone beeinflussen.
