Bitcoin im Oktober: Hält das „Uptober"-Muster auch 2024?
Saisonale Stärke trifft auf schwächelnde ETF-Zuflüsse und knappe Liquidität – der „Uptober" steht auf dem Prüfstand.

Bitcoin startet mit einer beeindruckenden historischen Bilanz in den Oktober: Seit 2013 beendete BTC den Oktober in 10 von 13 abgeschlossenen Jahren mit einem Plus – eine Trefferquote von rund 77 Prozent. Das vierte Quartal gilt historisch als das stärkste Quartal für Bitcoin, mit einer durchschnittlichen Rendite von 71,50 Prozent. Doch das Jahr 2024 geht aus einer ungewöhnlichen Ausgangslage in diesen traditionell starken Zeitraum: BTC legte im dritten Quartal um 42 Prozent zu – die stärkste Q3-Performance seit 2017 – bevor der Kurs Anfang Oktober um rund 3 Prozent nachgab.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob die Saisonalität stimmt, sondern ob frisches Kapital bereit ist, in den Markt zu fließen. Die Kapitalstruktur von Bitcoin hat sich im Vergleich zu den Jahren, die das historische Oktober-Muster prägten, erheblich verändert. Spot-ETFs verknüpfen BTC heute direkt mit traditionellen Portfolios, wodurch institutioneller Risikoappetit und Makro-Liquidität zunehmend den Takt vorgeben.
Spot-ETFs unter Druck nach Fed-Protokoll
US-Spot-Bitcoin-ETFs starteten positiv in den Oktober, doch das Bild änderte sich schlagartig nach der Veröffentlichung des Fed-Protokolls am 7. Oktober. An diesem Tag verzeichneten die ETFs Nettoabflüsse von rund 485 Millionen US-Dollar – die größten eintägigen Abflüsse seit mehr als drei Monaten. Damit wurden die kumulierten Nettozuflüsse der ersten vier Handelstage des Oktobers vollständig zunichtegemacht.
Drei Faktoren stützen das historische Muster, zwei mahnen zur Vorsicht. Auf der positiven Seite steht, dass US-Aktien saisonal in eine stärkere Phase eintreten: Seit 1928 war der September im Durchschnitt der schwächste Monat für den S&P 500, während die Renditen im Oktober positiv werden und sich im November und Dezember weiter verbessern. Da institutionelle Anleger nun über Spot-ETFs direkt auf BTC zugreifen können, profitiert Bitcoin von dieser unterstützenden Kulisse. Auf der anderen Seite deuten die schwächelnden ETF-Zuflüsse und die angespannte Makro-Liquidität darauf hin, dass neue Käufe nicht mehr die gleiche beständige Unterstützung bieten wie in stärkeren Rallye-Phasen.
Für den weiteren Verlauf des Oktobers sind zwei Datenpunkte entscheidend: ob sich die ETF-Flüsse stabilisieren und ob der Verbraucherpreisindex (VPI) sowie der Erzeugerpreisindex (EPI) die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen der Fed dämpfen oder verstärken. Die September-Protokolle der Fed zeigten, dass die meisten Beamten eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr noch für angemessen halten, aber keine Dringlichkeit für eine Maßnahme im Oktober sehen. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte am 28. Oktober liegt aktuell unter 20 Prozent.
Ethereum unter noch stärkerem Druck
Während Bitcoin mit gemischten Signalen in den Oktober geht, steht Ethereum unter noch größerem Druck. ETH fiel am 8. Oktober kurzzeitig auf 2.406 US-Dollar. Vom 29. September bis zum 8. Oktober verzeichneten US-Spot-ETH-ETFs kombinierte Nettoabflüsse von 641 Millionen US-Dollar – ein anhaltender Abzug institutionellen Kapitals, während die ETH-Preise weiter nachgaben.
Zusätzlichen Druck erzeugt eine Ankündigung von Bitmine-Vorsitzendem Tom Lee auf der TOKEN2049-Konferenz am 7. Oktober: Das Unternehmen werde die Akkumulation von ETH einstellen, sobald seine Bestände 5 Prozent des umlaufenden Angebots erreichen. Bitmine hält bereits rund 4,9 Prozent, womit noch etwa 100.000 ETH verbleiben. Bei dem jüngsten Kauftempo könnte dieses Ziel innerhalb von 6 bis 7 Wochen erreicht werden – was potenziell eine der größten und beständigsten Kaufquellen für ETH wegfallen ließe.
Hinzu kommt Unsicherheit im Staking-Markt: Nachdem MetaMask vorsorglich damit begann, betroffene Validatoren abzuziehen, sprang die Menge an ETH, die auf den Ausstieg aus dem Staking wartete, am 2. Oktober auf über 850.000 an. Ein Teil dieses ETH könnte zwar wieder gestakt werden, doch der plötzliche Anstieg der Ausstiege sorgt für potenziellen Verkaufsdruck, da zuvor gesperrtes ETH verfügbar wird.
ETH schwächer als BTC im Ausverkauf
Der Vergleich der jüngsten Kursrückgänge verdeutlicht die unterschiedliche Ausgangslage: Während BTC im jüngsten Ausverkauf rund 6 bis 7 Prozent verlor, fiel ETH um fast 11 Prozent. Beide Vermögenswerte sind demselben Makrodruck ausgesetzt, doch die schwächelnde Nachfrage und die Instabilität im Staking-Markt erhöhen den Abwärtsdruck auf Ethereum zusätzlich.
Auch der traditionelle Finanzsektor liefert einen wichtigen Kontext: US-Bankaktien sind seit Mitte August fast zwei Monate lang gefallen. Die Quartalszahlen von JPMorgan, Goldman Sachs und Wells Fargo werden zeigen, ob die Ergebnisse die Talfahrt umkehren können – und damit auch Signale für den breiteren Risikoappetit liefern, von dem Bitcoin und Ethereum abhängen.
Das Fazit bleibt konstruktiv, aber nüchtern: Der „Uptober" hat die Historie auf seiner Seite. In diesem Jahr benötigt die Historie jedoch frisches Geld, um sie zu untermauern. Die Saisonalität ist der Rückenwind – die Liquidität ist der eigentliche Test.
