Zcash und NEAR Protocol: Zwei Krypto-Alternativen zu XRP
Warum Zcash und NEAR Protocol für langfristige Anleger strukturell bessere Kaufgelegenheiten bieten als XRP.

Zwei Kryptowährungen rücken aktuell verstärkt in den Fokus von Analysten: Zcash (ZEC) und NEAR Protocol (NEAR). Beide sollen laut einer Analyse von The Motley Fool für langfristig orientierte Anleger bessere Kaufgelegenheiten darstellen als XRP – und das primär aufgrund ihrer jeweiligen Angebotspolitik. Stand 8. Oktober verzeichnete Zcash in diesem Jahr ein Plus von 120%, NEAR legte sogar um 190% zu. XRP hingegen verlor im gleichen Zeitraum 28%.
Die Kernthese der Analyse ist dabei nicht allein die bisherige Kursperformance, sondern die strukturellen Unterschiede in der Tokenökonomie. Entscheidend ist, wie ein Netzwerk Wert an seine Coin-Inhaber weiterleitet – oder eben nicht. Genau hier sehen die Analysten bei XRP ein grundlegendes Problem.
Die Details
Das XRP-Netzwerk vernichtet zwar jede Transaktionsgebühr, doch diese Gebühren sind pro Transaktion verschwindend gering. Über die gesamte Existenzdauer des Netzwerks hinweg wurden bislang lediglich 14,4 Milliarden der ursprünglich 100 Milliarden XRP vernichtet. Um einen nennenswerten Angebotsrückgang zu erzeugen, der den Preis nachhaltig steigen ließe, wäre ein außerordentlich hohes Maß an Netzwerkaktivität über einen sehr langen Zeitraum erforderlich.
Hinzu kommt die Ausgabepolitik von Ripple, dem Emittenten von XRP: Das Unternehmen kann monatlich bis zu 1 Milliarde XRP aus einem Treuhandkonto freigeben. Im September 2026 wurden 32 Milliarden XRP gesperrt. Daten von CoinGecko zeigen, dass das im Umlauf befindliche Angebot von XRP von 59,9 Milliarden am 7. Oktober 2025 auf 63,1 Milliarden XRP ein Jahr später anstieg. Die Inhaber erhielten faktisch keinen Ausgleich für diese Verwässerung ihres Anteils.
Zcash hingegen orientiert sich in seiner Angebotspolitik stark an Bitcoin. Das Gesamtangebot ist auf 21 Millionen Coins begrenzt, von denen sich bereits 80,8% im Umlauf befinden. Die Emission durch Mining vergrößert das umlaufende Angebot derzeit noch um 3,9% pro Jahr – doch dieses Tempo wird sich beim nächsten Halving, das voraussichtlich im November 2028 stattfindet, halbieren. Zusätzlich ist ein Netzwerk-Upgrade für den 5. November 2026 geplant: Es wird ein System einführen, das 60% der Netzwerk-Transaktionsgebühren nutzt, um Coins aus dem Verkehr zu ziehen, anstatt sie sofort vollständig an die Miner auszuzahlen. Die einbehaltenen Gebühren dürfen erst ab 2031 an die Miner ausgeschüttet werden.
NEAR Protocol verfolgt einen anderen Ansatz. Der Coin verfügt über keine Angebotsobergrenze, reduzierte jedoch am 30. Oktober 2025 seine maximale jährliche Emission von 5% auf 2,5%. Seit Februar 2026 werden die aus NEAR Intents generierten Einnahmen dazu verwendet, NEAR am offenen Markt zurückzukaufen. Diese Rückkäufe beliefen sich im dritten Quartal 2026 auf 3,1 Millionen US-Dollar, nach 760.000 US-Dollar im ersten Quartal – eine deutlich steigende Tendenz.
Hintergrund: Was bisher geschah
Das Thema XRP und seine strukturellen Schwächen ist kein neues. Bereits am 14. Mai 2026 berichtete aktien.news, dass Analysten von The Motley Fool XRP bis Ende 2026 ein Kursziel von 5 US-Dollar zutrauten – als zentralen Treiber nannten sie damals die Tokenisierung von Real-World-Assets (RWA). Am 18. Mai 2026 folgte ein weiterer Bericht: Trotz bedeutender Katalysatoren wie der Einführung von Spot-XRP-ETFs hatte XRP seit Mai 2025 rund 40% an Wert verloren.
Am 11. Juli 2026 ordnete aktien.news ein, dass XRP im Jahr 2026 weiterhin bei lediglich rund einem US-Dollar notierte – trotz jahrelanger Erwartungen auf explosive Kursgewinne. Zuletzt, am 30. September 2026, analysierte aktien.news die langfristigen Renditechancen von XRP über einen Drei-Jahres-Horizont und verwies auf die hohe Volatilität des Tokens in der Vergangenheit. Die aktuelle Analyse reiht sich damit in eine Serie kritischer Einschätzungen zu XRP ein, die strukturelle Defizite in den Vordergrund stellen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Unterscheidung zwischen Kursperformance und struktureller Wertschöpfung besonders relevant. Ein Coin, dessen Angebot kontinuierlich ausgeweitet wird, ohne dass Inhaber einen Ausgleich erhalten, unterliegt einer schleichenden Verwässerung – ähnlich wie bei einer Aktie, bei der ständig neue Aktien ausgegeben werden, ohne dass Dividenden oder Rückkäufe stattfinden.
Zcash adressiert dieses Problem durch ein begrenztes Gesamtangebot und das geplante Upgrade, das Gebühren temporär aus dem Umlauf zieht. NEAR setzt auf direkte Rückkäufe am offenen Markt, finanziert durch die Einnahmen des Intents-Dienstes. Beide Mechanismen schaffen eine direktere Verbindung zwischen Netzwerknutzung und Preisentwicklung – ein Prinzip, das im laufenden Krypto-Marktzyklus als besonders wichtig gilt.
Anleger sollten jedoch beachten: Die bisherige Performance von Zcash (+120%) und NEAR (+190%) in diesem Jahr stellt keine Prognose für künftige Entwicklungen dar. Starke Kursgewinne haben stets vielfältige Ursachen, und Kryptowährungen bleiben hochvolatile Anlageklassen mit erheblichen Verlustrisiken.
Ausblick
Konkrete Termine und Pläne stehen bereits fest: Das Zcash-Netzwerk-Upgrade ist für den 5. November 2026 geplant und wird das neue Gebührenrückhaltesystem einführen. Die einbehaltenen Gebühren dürfen erst ab 2031 an die Miner ausgeschüttet werden. Das nächste Halving bei Zcash wird voraussichtlich im November 2028 stattfinden und die jährliche Emissionsrate halbieren.
Bei NEAR zeigt die Entwicklung der Rückkäufe eine klare Wachstumstendenz: von 760.000 US-Dollar im ersten Quartal 2026 auf 3,1 Millionen US-Dollar im dritten Quartal 2026. Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt maßgeblich vom weiteren Wachstum des Intents-Dienstes und der Nachfrage nach Cross-Blockchain-Transfers ab.
Kurz erklärt
- Tokenverbrennung (Token Burn): Mechanismus, bei dem Coins dauerhaft aus dem Umlauf genommen werden, um das Gesamtangebot zu reduzieren.
- Halving: Ereignis in bestimmten Krypto-Netzwerken, bei dem die Belohnung für das Mining neuer Coins halbiert wird, was die Ausgaberate verlangsamt.
- Cross-Blockchain-Protokoll: Technologie, die den Transfer von Kryptowerten zwischen verschiedenen, voneinander unabhängigen Blockchain-Netzwerken ermöglicht.
