Bialetti plant Flagship-Stores in China und Deutschland nach Übernahme
Der Espressokocher-Kultkonzern Bialetti setzt nach der Übernahme durch Nuo Capital auf globale Expansion – mit ambitionierten Zielen.

Die Geschichte von Bialetti liest sich wie ein Wirtschaftsmärchen. Als Alfonso Bialetti 1945 aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause zurückkehrte, war seine erste Frage nicht nach seiner Familie – sondern nach der Gussform der Mokka. Er hatte sie vor Kriegsausbruch vergraben, um sie zu schützen. Alfonso holte die Form aus der Erde und nahm die Produktion der legendären Espressokanne wieder auf. In den folgenden Jahrzehnten avancierte der achteckige Kaffeekocher zum Kultobjekt in Italien, Deutschland und ganz Europa.
Diese Anekdote erzählt Tommaso Paoli, Chef des Investmentfonds Nuo Capital, besonders gerne. Und sie erklärt, warum er an die Zukunft der Marke glaubt – trotz einer tiefen Krise, aus der Bialetti erst herausgefunden werden musste.
Nuo Capital übernimmt eine angeschlagene Traditionsmarke
Als Nuo Capital Bialetti im Jahr 2025 übernahm, steckte das Unternehmen in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten. In der Bilanz stand ein Nettoverlust von rund 1,1 Millionen Euro, die Schuldenlast hatte sich auf rund 115 Millionen Euro aufgetürmt. Paoli sah dennoch das Potenzial der Marke und formulierte ein klares Ziel: „Wir müssen der Welt beibringen, Mokka-Kaffee zu trinken."
Inzwischen hat sich die Lage verbessert. „Wir haben viele der Schulden bezahlt, wodurch sich die Kapitalstruktur verbessert hat", erklärt Paoli. Etwas mehr als 40 Millionen Euro Schulden seien noch übrig – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Übernahme-Zeitpunkt.
Hinter Nuo Capital stehen namhafte Investoren: die Guerrand-Familie als Erben der Luxusmarke Hermès, die Pao-Familie als eine der reichsten Unternehmerdynastien Hongkongs, die Textilunternehmer Loro Piana, die Pharmazie-Familie Zambon sowie die Familie des ehemaligen Italien-Vorstands der Unternehmensberatung Bain & Company, Giovanni Cagnoli. Nuo Capital hält darüber hinaus Beteiligungen an weiteren italienischen Traditionsunternehmen wie dem Schuhersteller Scarpa und der Schokoladenfirma Venchi.
Stephen Cheng, Nuo-Vorsitzender und Enkel des verstorbenen Patriarchen Yue-Kong Pao, bringt seine Überzeugung auf den Punkt: „Nur eine Handvoll Marken der Welt sind so ikonisch und im Alltag so geschätzt, so tief im kollektiven und persönlichen Gedächtnis, dass sie mehr als eine Marke und Teil der Kultur sind."
Expansion nach China und Deutschland geplant
Der neue Kurs bei Bialetti ist klar: Wachstum durch gezielte internationale Expansion. Noch in diesem Jahr sollen Bialetti-Flagship-Stores in China eröffnen, 2027 folgt Deutschland. Gleichzeitig will das Unternehmen neue Produkte auf den Markt bringen und die hauseigene Kaffeemarke stärken. Seit 2026 beschäftigt Bialetti bereits Mitarbeiter in China.
„Unser Ziel ist es, weltweit mehr Verbraucher zu erreichen – mit einem Schwerpunkt auf China, Nordamerika und Europa sowie später möglicherweise auf weiteren Teilen Asiens", erklärt Paoli. Konkrete Pläne will das Unternehmen in den nächsten Wochen veröffentlichen.
Die Wurzeln der Marke reichen bis ins Jahr 1933 zurück, als Alfonso Bialetti die achteckige Mokkakanne erfand. Den eigentlichen Durchbruch erlebte sie jedoch erst in den 1950er-Jahren unter seinem Sohn Renato. Dieser setzte früh auf Werbekampagnen und präsentierte einen kleinen, schnurrbärtigen Mann als Markengesicht – eine Karikatur seiner selbst. Einer der ersten Werbespots im italienischen Fernsehen soll von Bialetti stammen, wie Fondsmanager Paoli betont.
Kooperationen mit <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3ANFLX">Netflix und Luxusmarken als Wachstumsstrategie
In den vergangenen Jahren setzte Bialetti auf prominente Kooperationen: mit dem Streamingdienst Netflix sowie den Modelabels Dolce & Gabbana und The North Face. So verkaufte das Unternehmen etwa Espressokannen im Design populärer Netflix-Serien. Diese Partnerschaften sollen auch künftig fortgeführt werden – allerdings selektiver. „Wir werden vermutlich etwas selektiver", so Paoli.
Renato Bialetti hatte das Unternehmen 1986 verkauft. In den folgenden Jahrzehnten bereiteten der aufkommende Kapselkaffee-Boom und eine übermäßig gewachsene Produktpalette dem Konzern erhebliche Probleme. Nach mehreren Restrukturierungsversuchen übernahm schließlich Nuo Capital das Ruder.
Trotz aller Ambitionen bleibt Bialetti bescheiden in der Positionierung. Mit den großen Kapselkaffee-Anbietern will man sich nicht messen. „Wir wollen nicht so groß wie Nespresso werden. Wir bleiben ein Liebhaberprodukt", stellt Paoli klar. Für Privatanleger bleibt Bialetti vorerst kein börsennotiertes Investment – doch die Neuausrichtung der Kultmarke zeigt, wie europäische Traditionsunternehmen mit strategischem Kapital und klarer Markenstrategie wieder auf Kurs gebracht werden können.
