Gigaclear-Übernahme: Britische Steuerzahler tragen Verluste nach Schuldenschnitt
Kreditgeber übernehmen den angeschlagenen Breitbandanbieter Gigaclear nach einem Schuldenschnitt von bis zu 40 Prozent auf fast eine Milliarde Pfund.

Britische Steuerzahler sind direkt betroffen: Der staatlich unterstützte National Wealth Fund sowie die Banken NatWest und Lloyds haben die Kontrolle über den Glasfaser-Breitbandanbieter Gigaclear übernommen. Vorausgegangen war ein erheblicher Forderungsverzicht – ein sogenannter Haircut – auf den Schuldenberg des Unternehmens von fast einer Milliarde Britischen Pfund. Laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen könnte sich dieser Haircut auf bis zu 40 Prozent der ausstehenden Kredite belaufen.
Der Schritt, der am Donnerstag abgeschlossen wurde, sieht vor, dass insgesamt 11 Kreditgeber Gigaclear von den bisherigen Anteilseignern Infracapital, Equitix und Railpen übernehmen. Die Transaktion bestätigt einen Bericht der Financial Times vom Januar und gilt als jüngstes Anzeichen für die zunehmende finanzielle Notlage im britischen sogenannten „Altnet"-Breitbandsektor – also bei alternativen Netzanbietern, die die Marktdominanz etablierter Konzerne wie BT und Virgin Media O2 herausfordern wollen.
Steuerzahler haften durch National Wealth Fund
Die Steuerzahler gerieten in die Haftung für Gigaclear, nachdem der National Wealth Fund – früher unter dem Namen UK Infrastructure Bank bekannt – im Jahr 2023 eine Garantie über 240 Millionen Britische Pfund im Rahmen einer umfassenderen Investition von 1,5 Milliarden Pfund abgegeben hatte. Der Fonds ist nun der größte Anteilseigner von Gigaclear und verzeichnete im vergangenen Jahr bereits einen Verlust von 152 Millionen Britischen Pfund. Insgesamt hat er mehr als 1,7 Milliarden Pfund für Altnets zugesagt und unterstützt neben Gigaclear auch CityFibre, Netomnia, Wessex Internet und Quickline.
Gigaclear betreibt ein Glasfasernetz für den ländlichen Raum und erreicht mehr als 500.000 Haushalte in Großbritannien. Das Unternehmen geriet in finanzielle Schieflage, nachdem eine erwartete Eigenkapitalspritze des Anteilseigners Equitix im Jahr 2023 ausblieb. Equitix erklärte hingegen, man habe eine Eigenkapitalspritze von 50 Millionen Pfund geleistet, die im Dezember 2023 eine zusätzliche Refinanzierung vorrangiger Verbindlichkeiten in Höhe von einer Milliarde Pfund freigesetzt habe.
Restrukturierung soll Gigaclear stabilisieren
Gigaclear selbst zeigte sich nach Abschluss der Rekapitalisierung optimistisch. Das Unternehmen erklärte gegenüber der FT, die Maßnahme habe die Bilanz erheblich gestärkt und dem Unternehmen eine „robuste Kapitalstruktur und einen voll finanzierten Businessplan" verschafft. Chief Executive Nathan Rundle sagte: „Diese neue Finanzierung bedeutet, dass wir unsere Pläne fortsetzen können, weitere Kunden an unser Netz anzuschließen."
Branchenexpertin Karen Egan, Leiterin des Bereichs Telekommunikation bei Enders Analysis, ordnete den Schritt in einen größeren Kontext ein. Sie sagte, die Restrukturierung sei wahrscheinlich eine von vielen im angeschlagenen Altnet-Sektor. „Es ist kein leichtes Unterfangen, aber es ist der richtige Schritt für das Unternehmen – es stellt es als fortzuführendes Unternehmen und in Konsolidierungsverhandlungen auf eine bessere Basis", erklärte sie.
Altnet-Sektor kämpft mit über 9 Milliarden Pfund Schulden
Der Fall Gigaclear steht stellvertretend für eine Branchenkrise. Dutzende von Glasfaseranbietern, die gegründet wurden, um die Dominanz von BT und Virgin Media O2 herauszufordern, kämpfen laut Daten von Enders Analysis mit einem Schuldenberg von mehr als 9 Milliarden Britischen Pfund. Der Aufbau von Glasfasernetzen ist kapitalintensiv, und viele Altnets haben sich in der Niedrigzinsphase stark verschuldet – ein Modell, das unter veränderten Marktbedingungen zunehmend unter Druck gerät.
Ein Sprecher des National Wealth Fund betonte, man unterstütze das Unternehmen weiterhin. „Digitalisierung und Technologie sind ein bedeutender Sektor für den Fonds, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Unterstützung von Altnets wie Gigaclear liegt, die im Rahmen des staatlichen Programms ‚Project Gigabit' Verträge für Building Digital UK erfüllen", hieß es. Lloyds, NatWest und Railpen lehnten eine Stellungnahme ab. Infracapital reagierte nicht auf eine Anfrage.
