BHP-Gewerkschaften ziehen im Lohnstreit vor Schiedsgericht
Tarifkonflikt in Australien: 450 Arbeiter fordern fairen Vertrag für Eisenerz-Hafen.

Die Gewerkschaft Combined BHP Ports Unions eskaliert den Tarifkonflikt mit dem weltgrößten Bergbaukonzern BHP. Wie die Gewerkschaft am Dienstag mitteilte, wird sie den Konzern vor ein Schiedsgericht bringen, nachdem sich beide Seiten nicht auf die Konditionen eines neuen Tarifvertrags für die Eisenerzoperationen in Port Hedland im Westen Australiens einigen konnten.
Port Hedland ist der weltweit größte Exporthub für Eisenerz und das wichtigste Versandtor für BHPs Pilbara-Operationen. Die Gewerkschaft vertritt rund 450 Betreiber und Wartungsarbeiter am Standort. Sie wird einen Antrag auf eine sogenannte „intractable bargaining declaration“ (Erklärung einer unüberwindbaren Verhandlungsblockade) stellen. Diese Ermächtigung würde der Aufsichtsbehörde Fair Work Commission erlauben, die Bedingungen des Abkommens festzulegen.
Hintergrund des Tarifstreits
Die beiden Seiten verhandeln seit mehr als neun Monaten über einen vierjährigen Tarifvertrag. In den letzten Monaten fanden fast wöchentlich Sitzungen statt, die von der Fair Work Commission vermittelt wurden. Trotz dieser intensiven Bemühungen konnte keine Einigung erzielt werden.
„BHP ist nicht bereit, ein Abkommen zu verhandeln, das den spezialisierten Fähigkeiten, den extremen Bedingungen und den erheblichen persönlichen Opfern derjenigen Rechnung trägt, die dem Unternehmen in diesem Jahr mehr als 13 Milliarden Dollar an Gewinn eingebracht haben“, hieß es in einer Erklärung der Combined BHP Ports Unions.
Angebot und Kritik
Für die meisten Arbeitnehmer hat BHP eine Gehaltserhöhung von 17 Prozent über die vierjährige Laufzeit des Vertrags angeboten. Dieses Paket umfasst zudem eine Übergangszahlung in Höhe von 25.000 Australischen Dollar (rund 17.802 US-Dollar), die über zwei Jahre ausgezahlt wird, sowie eine Erhöhung der Schichtzulagen.
Die Gewerkschaft argumentiert jedoch, dass unter diesem Vorschlag rund 40 Prozent der Belegschaft schlechter dastehen würden. Die Arbeitnehmervertreter fordern einen Vertrag, der den besonderen Umständen und der hohen Verantwortung der Beschäftigten gerecht wird.
Ein BHP-Sprecher sagte auf Anfrage von Reuters zur Kommentierung: „Unser Fokus liegt weiterhin darauf, einen fairen und angemessenen Vertrag durchzusetzen.“
Bedeutung für Anleger
Der Konflikt am wichtigen Exporthub Port Hedland könnte potenziell Auswirkungen auf die Lieferketten des Bergbauriesen haben. Für deutsche Anleger ist BHP als einer der größten Rohstoffkonzerne der Welt von Bedeutung. Das Unternehmen erzielte im laufenden Jahr mehr als 13 Milliarden Dollar Gewinn, maßgeblich getrieben durch die starke Nachfrage nach Eisenerz.
Die Entscheidung der Fair Work Commission wird nun mit Spannung erwartet. Sollte diese die „intractable bargaining declaration“ aussprechen, würde sie die Bedingungen des neuen Tarifvertrags verbindlich festlegen – ein ungewöhnlicher Schritt, der die angespannte Lage zwischen Arbeitgeber und Belegschaft widerspiegelt.
