Bärenmarkt voraus? Die Geschichte warnt vor dem größten Anlagefehler
Der S&P 500 legte 2026 bereits 14 Prozent zu, doch wer im Bärenmarkt sein Portfolio verkauft, begeht laut Geschichte den größten Fehler.

Der S&P 500 hat bis zum 9. Oktober im laufenden Jahr 2026 bereits 14 Prozent zugelegt. Hält dieser Trend an, wäre das das vierte Jahr in Folge, in dem der US-Leitindex einen zweistelligen Gewinn verzeichnet. Zugleich würde es die Fortsetzung des Bullenmarktes bedeuten, der im Oktober 2022 begonnen hat.
Doch trotz dieser anhaltenden Aufwärtsbewegung wächst die Nervosität. Obwohl makroökonomische Indikatoren auf künftige Probleme hindeuten und der Markt weiter steigt, konzentrieren sich immer mehr Investoren darauf, was schiefgehen könnte. Das mag für sich genommen noch nichts heißen, deutet aber darauf hin, dass die Bären möglicherweise bald an Boden gewinnen werden.
Sollten sich Anleger tatsächlich in einem Bärenmarkt wiederfinden, zeigt die Geschichte, dass es einen großen Anlagefehler gibt, den zu viele von ihnen begehen – und den sie unbedingt vermeiden sollten. Worin dieser Fehler besteht, erklärt die Analyse anhand vergangener Marktzyklen.
Die Details
Der größte Fehler besteht darin, das gesamte Portfolio zu verkaufen. Wenn ein Anleger auf seinem Bildschirm nur Rotes sieht und seine Positionen um 20 Prozent oder mehr gefallen sind, ist die unmittelbare Reaktion oft, alles abzustoßen. Das kann mit einer gewissen mentalen Erleichterung verbunden sein: Man möchte den Schmerz einfach stoppen und bei Null beginnen. Selbst erfahrenste Anleger können dieses Gefühl nicht unterdrücken. Das Warten, bis sich die Situation stabilisiert, wirkt wie eine natürliche Reaktion.
Dennoch ist genau das ein enormer Fehler – und womöglich der schlechteste Schritt, den Anleger machen könnten. Wer seine Beteiligungen mit Verlust verkauft, hofft darauf, dass der Markt ihm in Zukunft die Gelegenheit bietet, die Aktien zu günstigen Einstiegspreisen zurückzukaufen. Diese Strategie verlangt, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um offensiv und aggressiv zu handeln und den Markt korrekt zu timen. So arbeiten erfolgreiche langfristige Investoren jedoch nicht.
Die besten Anleger bewahren einen besonnenen Ansatz gegenüber ihren Portfolios. Natürlich bedeutet das, dass sie genau verstehen müssen, worin sie investiert sind, damit ein starker Kursverfall nicht zu panischem Verkauf führt. Qualitativ hochwertige Unternehmen werden bei niedrigeren Bewertungen sogar zu attraktiveren Anlagekandidaten. Die Geschichte lehrt zudem, dass solche Abwärtszyklen nicht sehr lange dauern. Laut Stifel Financial hat der durchschnittliche Bärenmarkt seit 1932 etwa 1,5 Jahre gedauert. Der durchschnittliche Bullenmarkt dauerte dagegen 4,9 Jahre.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Warnung vor dem Panikverkauf ist Teil einer längeren Berichterstattung. Bereits am 21.09.2026 berichtete aktien.news, dass der S&P-500-Index in den letzten fünf Jahren rund 72 Prozent zugelegt hatte und der technologiebetonte Nasdaq-100-Index sogar um etwa 93 Prozent gestiegen war. Damals verwies der Bericht auf Forschungen von Fidelity, wonach sich US-Aktien in den vergangenen 150 Jahren im Durchschnitt alle sechs Jahre in einem Bärenmarkt befanden.
Am 12.09.2026 meldete aktien.news, dass der Markt sich in einer heiklen Lage befinde. Die Ölpreise waren auf mehr als 100 Dollar pro Barrel geklettert, Zollstreitigkeiten verursachten erneut Chaos, und eine Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve wurde immer wahrscheinlicher. Trotz dieser Turbulenzen blieben die Aktienkurse erstaunlich widerstandsfähig – doch ein Bärenmarkt sei irgendwann unumgänglich.
Am 04.10.2026 berichtete aktien.news, dass die wachsende Sorge vor einem Börsencrash einen klaren Auslöser habe: Die sich aufbauende Künstliche-Intelligenz-Blase habe den Markt zurück auf Bewertungsniveaus geführt, die zuletzt vor dem Platzen der Dotcom-Blase zu sehen waren. Der Bericht betonte zugleich, dass der Blick auf die Geschichte gute Gründe für Gelassenheit liefere.
Am 09.10.2026 folgte ein weiterer Bericht: Der S&P 500 startete seinen aktuellen Bullenmarkt am 12. Oktober 2022 mit einem Schlussstand von 3.577,03 Punkten. Am 6. Oktober schloss der Index bei einem Rekordhoch von 7.818,93 Punkten – ein Gewinn von rund 119 Prozent über fast vier Jahre. Wichtig dabei: Jeder S&P-500-Bullenmarkt seit 1957, der seinen vierten Geburtstag erreichte, lief danach weiter.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die über ETFs oder Einzelaktien am US-Markt engagiert sind, ist die Kernbotschaft eindeutig: Ein breiter Ausverkauf in einer Schwächephase ist kein Schutz, sondern eine Realisierung von Verlusten. Wer verkauft, muss anschließend zwei Entscheidungen richtig treffen – den Ausstieg und den Wiedereinstieg – und steigert damit das Timing-Risiko erheblich.
Dass der S&P 500 im Jahr 2026 bis zum 9. Oktober bereits 14 Prozent zugelegt hat, ändert nichts an der Unsicherheit über den weiteren Verlauf. Die zentrale Vorbereitung liegt aus Sicht der Analyse nicht in der Prognose des nächsten Abschwungs, sondern in zwei Dingen: einem klaren Verständnis der eigenen Investments und einem Cash-Puffer, um bei einem Abschwung Aktien kaufen zu können. Zu diesem Zweck hält das Portfolio dann auch keine Notverkäufe aus.
Der Hinweis auf Rekordbewertungen, die disruptive Kraft der künstlichen Intelligenz und höhere Zinsen sind Faktoren, die Anleger verunsichern. Entscheidend bleibt aber die Unterscheidung zwischen einer vorübergehenden Korrektur und einer dauerhaften Verschlechterung der Unternehmen, in die man investiert ist. Diese Unterscheidung ist es, die über Panikverkauf oder Besonnenheit entscheidet.
Ausblick
Niemand weiß, wann der nächste Bärenmarkt eintreten wird – die einzige Gewissheit ist, dass er eines Tages kommen wird. Darauf sollten sich Anleger vorbereiten. Da der durchschnittliche Bullenmarkt laut Stifel Financial 4,9 Jahre dauert und der Bärenmarkt im Schnitt etwa 1,5 Jahre, spricht die historische Verteilung für Geduld als Grundhaltung. Konkrete Termine für einen Abschwung nennt die Analyse nicht.
Kurz erklärt
- Bullenmarkt: Eine länger anhaltende Phase steigender Aktienkurse, die oft als Fortsetzung eines Aufwärtstrends beschrieben wird.
- Bärenmarkt: Eine länger anhaltende Phase fallender Kurse, die von Anlegern meist als besonders belastend erlebt wird.
- Cash-Puffer: Eine Rücklage in liquiden Mitteln, die Anlegern Handlungsspielraum für Käufe in Schwächephasen bietet.
- Markt-Timing: Der Versuch, Ein- und Ausstiegszeitpunkte so zu wählen, dass man von Kursschwankungen profitieren kann.
