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Barclays streicht 5.000 Stellen: KI-Offensive trifft auf durchwachsene Quartalsbilanz

Die britische Großbank Barclays baut rund 5.000 Stellen ab und setzt dabei auf Künstliche Intelligenz.

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Barclays streicht 5.000 Stellen: KI-Offensive trifft auf durchwachsene Quartalsbilanz

Die britische Großbank Barclays hat im Rahmen eines umfassenden Sparprogramms den Abbau von rund 5.000 Stellen angekündigt. Das entspricht etwa fünf Prozent der weltweiten Belegschaft von 93.000 Mitarbeitern. Wie das Unternehmen mitteilte, ist der Stellenabbau eng mit Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) verknüpft, die die Produktivität steigern und fixe Kosten senken sollen.

Nach Angaben von CFO Anna Cross entfallen etwa 60 Prozent der Kürzungen auf interne Unterstützungsfunktionen, darunter auch Entwicklerstellen. 1.000 Stellen wurden bereits in der ersten Jahreshälfte gestrichen, der Rest soll bis Jahresende folgen. Damit zieht die Bank die Zügel in einem Umfeld an, in dem Effizienz zunehmend über die Wettbewerbsfähigkeit entscheidet.

CEO C.S. Venkatakrishnan betonte, dass KI zwar in großem Umfang eingesetzt werde, jedoch lediglich als „Sahnehäubchen" und nicht als Ersatz für das Kerngeschäft diene. Diese Einordnung ist bemerkenswert: Sie signalisiert, dass die Technologie aus Sicht des Managements bestehende Prozesse ergänzt, statt ganze Geschäftsfelder zu ersetzen.

Abschluss eines dreijährigen Umbauplans

Die Maßnahmen markieren den Abschluss eines dreijährigen Umbauplans. Für diesen hat die Bank in den ersten neun Monaten des Jahres bereits 307 Millionen Pfund investiert und erwartet weitere 300 Millionen Pfund an Restrukturierungskosten. Analysten wie Will Howlett von Quilter Cheviot sehen darin ein deutliches Signal dafür, wie Automatisierung die Bankenbranche in den kommenden Jahren grundlegend verändern könnte.

Finanziell präsentierte sich Barclays durchwachsen. Der Vorsteuergewinn stieg im dritten Quartal zwar um 12 Prozent auf 2,3 Milliarden Pfund, blieb damit jedoch hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Während die Erträge im Aktiengeschäft – getrieben durch das Prime-Brokerage- und Derivategeschäft – um beeindruckende 47 Prozent zulegten, enttäuschte das traditionelle Steckenpferd der Bank.

Fixed Income unter Druck

Das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren (Fixed Income) verzeichnete einen Rückgang von 19 Prozent auf 1 Milliarde Pfund. CEO Venkatakrishnan zeigte sich über diese Schwäche in den Bereichen Zins- und Kreditprodukte enttäuscht und kündigte an, das Thema persönlich zu verfolgen. Für Anleger ist das ein wichtiger Hinweis: Das Kerngeschäft mit Anleihen bleibt der wunde Punkt, während das Aktiengeschäft die Bilanz stützt.

Der Markt reagierte verhalten auf die Zahlen; die Barclays-Aktie notierte nach der Veröffentlichung volatil. Der Fokus der Branche liegt nun zudem auf dem bevorstehenden Haushalt des britischen Finanzministers John Healey am 28. Oktober. Es besteht die Sorge, dass die Regierung die Banken aufgrund ihrer hohen Gewinne mit zusätzlichen Steuern belegen könnte, um Haushaltslöcher zu stopfen.

Venkatakrishnan äußerte Verständnis für die schwierige Lage der Regierung, betonte jedoch die bereits hohe Steuerlast der Branche. Die Entwicklung bei Barclays spiegelt den breiteren Trend im Bankensektor wider, in dem Institute wie HSBC ebenfalls verstärkt auf KI setzen, um Kostenstrukturen in einem herausfordernden Marktumfeld zu optimieren.

Für deutsche Anleger ist die Nachricht in mehrfacher Hinsicht relevant. Sie zeigt erstens, wie tiefgreifend der Kostendruck im europäischen Bankensektor inzwischen ist. Zweitens verdeutlicht sie, dass KI nicht nur ein Zukunftsthema ist, sondern bereits heute konkrete Auswirkungen auf Beschäftigung und Kostenstrukturen hat. Drittens rückt die fiskalpolitische Debatte in Großbritannien in den Mittelpunkt, da zusätzliche Abgaben die Profitabilität der Institute belasten könnten. Barclays steht damit exemplarisch für die Gratwanderung zwischen Effizienzsteigerung, technologischem Wandel und politischen Risiken.

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