Eisenerz: Rio Tinto einigt sich mit China, Fortescue warnt vor Risiken
Die CMRG hat eine neue Liefervereinbarung mit Rio Tinto geschlossen, während Fortescue bei den Verhandlungen unter Druck gerät.

Die China Mineral Resources Group (CMRG), Pekings staatliche Einkaufsgesellschaft für Eisenerz, hat eine neue Liefervereinbarung mit dem Bergbaukonzern Rio Tinto getroffen. Nach Angaben mit der Angelegenheit vertrauter Personen informierte die CMRG bereits am Mittwoch einige Stahlwerke mündlich über den Abschluss. Details zu den vereinbarten Mengen oder Konditionen nannte sie dabei nicht.
Am Donnerstag begann die CMRG damit, den konkreten Bedarf der einzelnen Stahlwerke für die Lieferungen von Rio Tinto zu erfassen. Damit wird die Vereinbarung offenbar in konkrete Abrufe übersetzt. Für den australischen Konkurrenten Fortescue gestaltet sich die Lage dagegen deutlich schwieriger.
Fortescue warnte am Donnerstag, dass seine operativen Abläufe beeinträchtigt werden könnten, sollten die laufenden Verhandlungen mit der CMRG nicht bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Das Unternehmen ist bereits seit geraumer Zeit in zähe Gespräche mit der chinesischen Behörde verwickelt. Die Aktien des Konzerns reagierten negativ auf die Nachrichten und fielen um bis zu 2,4 Prozent.
Die Details
Die CMRG war 2022 gegründet worden, um die Verhandlungsmacht chinesischer Stahlproduzenten gegenüber den globalen Bergbaukonzernen zu bündeln. Angesichts schwacher Binnennachfrage und geringer Margen soll die staatliche Einkaufsstelle bessere Bedingungen aushandeln. Noch im August hatte die CMRG einigen Stahlwerken untersagt, Verhandlungen mit Rio Tinto über Lieferungen ab September zu führen.
Bei Fortescue hatte die CMRG den Stahlwerken zuvor untersagt, Lieferungen des wichtigsten Eisenerzprodukts des Konzerns im Rahmen der jährlichen Versorgungsgespräche zu akzeptieren. Infolgedessen musste Fortescue Eisenerz in Häfen zwischenlagern. Die Blockade trifft das Unternehmen damit nicht nur in den Verhandlungen, sondern unmittelbar im operativen Geschäft.
Der Quartalsbericht zeigt die Belastungen deutlich: Die Verkäufe blieben mit 42,9 Millionen Tonnen hinter den Lieferungen von 46,8 Millionen Tonnen zurück. Die Erwartungen der Analysten von 47,5 Millionen Tonnen wurden verfehlt. Die C1-Stückkosten für Hämatit stiegen um 13 Prozent, getrieben durch höhere Dieselpreise, Inflationsdruck und ein geringeres Volumen in der Lieferkette. Der Barmittelbestand des Unternehmens sank zuletzt um 37 Prozent.
Trotz dieser Herausforderungen hielt Fortescue an seiner Prognose für das Geschäftsjahr 2027 fest. Das Unternehmen wies jedoch ausdrücklich darauf hin, dass diese Zahlen unter dem Vorbehalt der laufenden Verhandlungen mit der CMRG stünden. Unabhängig von den Handelsgesprächen teilte Fortescue zudem mit, dass eine Führungskraft nach Vorwürfen wegen sexueller Belästigung und Mobbings entlassen wurde.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 02.07.2026 berichtete aktien.news, dass die CMRG einige inländische Stahlwerke mündlich angewiesen hatte, ab dem 15. Juli keine Hafenladungen bestimmter Eisenerzprodukte von Fortescue mehr anzunehmen. Betroffen waren laut fünf anonym bleibenden Branchenquellen die minderwertigen Produkte „Super Special Fines" und „Fortune Fines", die am Hafen gelagert waren. Fortescue lehnte eine Stellungnahme zu den Berichten ab.
Ebenfalls am 02.07.2026 meldete aktien.news, dass die Aktie von Fortescue Metals um 1,1 Prozent auf 19,03 australische Dollar nachgab. Der breite australische Markt, der S&P/ASX 200, gab im Nachmittagshandel lediglich rund 0,1 Prozent ab. In einer weiteren Meldung vom selben Tag hieß es, die Papiere der Wettbewerber BHP und Rio Tinto hätten zum Zeitpunkt der Meldung zugelegt.
Am 31.07.2026 berichtete aktien.news, dass Fortescue scharfe Kritik an der CMRG geübt hatte. Das Unternehmen erklärte, das Vorgehen des staatlichen chinesischen Eisenerz-Einkäufers untergrabe die stabile Versorgung Chinas mit Eisenerz. Einige Lieferungen von Fortescue seien bereits direkt beeinträchtigt worden. Fortescue betonte damals, man hoffe auf eine rasche Rückkehr zu normalen Marktbedingungen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Fall, wie stark politisch gesteuerte Einkaufsstrukturen die Geschäfte westlicher Rohstoffkonzerne beeinflussen. Die CMRG bündelt die Nachfrage chinesischer Stahlwerke und kann Lieferungen einzelner Produzenten gezielt steuern. Das erhöht die Planungsunsicherheit für Anleger, die auf Erzproduzenten setzen.
Bei Fortescue kommt die operative Schwäche hinzu: Verkäufe unterhalb der Lieferungen, gestiegene Stückkosten und ein deutlich gesunkener Barmittelbestand. Die Prognose für das Geschäftsjahr 2027 steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt der laufenden Verhandlungen mit der CMRG. Rio Tinto hat dagegen eine Vereinbarung erzielt, was den Unterschied in der Verhandlungsposition der beiden australischen Konkurrenten verdeutlicht.
Zu beachten ist auch die Struktur des Geschäfts: Fortescue musste Erz in Häfen zwischenlagern, weil Abnehmer die Ware nicht annehmen durften. Solche Zwischenlagerungen binden Kapital und belasten die Lieferkette zusätzlich. Der Hinweis auf die entlassene Führungskraft zeigt zudem, dass neben den Handelsgesprächen auch unternehmensinterne Themen auf der Agenda stehen.
Ausblick
Entscheidend bleibt, ob Fortescue die Gespräche mit der CMRG bis zum Jahresende abschließen kann. Das Unternehmen hat selbst darauf hingewiesen, dass andernfalls Beeinträchtigungen der operativen Abläufe drohen. Die Prognose für das Geschäftsjahr 2027 gilt nur unter dem Vorbehalt dieser Verhandlungen. Konkrete Mengen oder Konditionen der neuen Vereinbarung zwischen der CMRG und Rio Tinto sind bislang nicht bekannt.
Kurz erklärt
- CMRG: Staatliche chinesische Einkaufsgesellschaft, die die Eisenerznachfrage inländischer Stahlwerke bündelt und die Verhandlungen mit den Bergbaukonzernen führt.
- C1-Stückkosten: Kennzahl der Bergbaubranche für die direkten Kosten der Erzgewinnung und -aufbereitung pro Tonne.
- Hämatit: Eine Eisenerzart, deren Stückkosten Fortescue im Quartalsbericht gesondert ausweist.
