Asiens Zentralbanken: Südkorea pausiert, Philippinen straffen, Japan im Fokus
Die Bank of Korea lässt den Leitzins bei 3,00 Prozent, die Philippinen erhöhen überraschend auf 5,25 Prozent, Japan blickt auf die BOJ-Sitzung.

Die asiatischen Zentralbanken haben am Donnerstag unterschiedliche geldpolitische Signale gesendet. Während die südkoreanische Notenbank eine Zinspause einlegte, griff die philippinische Zentralbank deutlich härter durch als erwartet. In Tokio richtet sich der Blick der Märkte unterdessen auf die kommende Sitzung der Bank of Japan (BOJ).
Die Bank of Korea (BOK) beließ ihren Leitzins wie von Analysten erwartet bei 3,00 Prozent. Zuvor hatte sie in zwei aufeinanderfolgenden Monaten die Zinsen um jeweils 25 Basispunkte angehoben. Laut BOK dient die Pause dazu, die Auswirkungen der vorangegangenen Straffungen auf die Binnennachfrage und den Inflationsdruck zu bewerten.
Auf den Philippinen fiel die Entscheidung der Zentralbank Bangko Sentral ng Pilipinas deutlich aggressiver aus: Sie erhöhte den Leitzins überraschend um 50 Basispunkte auf 5,25 Prozent. Analysten hatten lediglich mit einem Schritt von 25 Basispunkten gerechnet.
Die Details
In Südkorea betonte Gouverneur Shin Hyun Song, dass die Zentralbank an einer restriktiven Geldpolitik festhalten werde, bis eine nachhaltige Annäherung an das Inflationsziel von 2 Prozent erkennbar sei. An den Märkten reagierte der südkoreanische Won mit einer leichten Aufwertung, während der Leitindex KOSPI um 0,7 Prozent nachgab. Die Prognosen der Zentralbank deuten auf einen mittelfristigen Zins von 3,25 Prozent hin, was Raum für weitere Anhebungen lässt.
Auf den Philippinen lieferte die Inflation den Ausschlag für den großen Schritt. Die Teuerungsrate war im September auf 7,2 Prozent geklettert – der höchste Stand seit April. Damit summiert sich die Straffung im aktuellen Zyklus auf insgesamt 125 Basispunkte. Die Notenbank reagierte damit auf einen Preisauftrieb, der deutlich über ihrem Zielkorridor liegt.
In Japan zeigt eine aktuelle Umfrage der Zentralbank unter großen Unternehmen eine gestiegene Nachfrage nach Unternehmenskrediten. Das deutet darauf hin, dass die bisherigen Zinserhöhungen die Kreditvergabe bisher nicht gebremst haben. Experten von Oxford Economics sehen darin ein Signal für die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft. Dies könnte der BOJ Spielraum für weitere Zinsschritte über 1,75 Prozent hinaus geben, um den Yen zu stützen und die Inflationserwartungen zu verankern.
Vize-Gouverneur Ryozo Himino unterstrich, dass die finanziellen Bedingungen trotz der jüngsten Anhebung auf 1,25 Prozent weiterhin akkommodierend seien. Marktbeobachter, darunter Analysten von JPMorgan Securities Japan, achten nun besonders darauf, ob die Regierung ihre bisherige Zurückhaltung gegenüber weiteren Zinserhöhungen beibehält. Dieser Punkt gilt als Indikator für die Wahrung der Unabhängigkeit der BOJ.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 26.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of Korea ihren Leitzins unverändert bei 2,50 Prozent belassen hatte. Als Begründung nannte die Notenbank damals die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit sowie eine abkühlende Inflation, die ihr mehr Spielraum zur Bewertung des weiteren geldpolitischen Kurses verschaffe. Gleichzeitig hob die BOK ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2026 von 1,8 auf 2,0 Prozent an und verwies auf den von künstlicher Intelligenz befeuerten Halbleiterboom als wesentlichen Treiber.
Am 23.01.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of Japan ihren wichtigsten Leitzins bei 0,75 Prozent beließ und zugleich eine Fortsetzung ihres restriktiveren geldpolitischen Kurses signalisierte. Die Entscheidung entsprach den Markterwartungen, nachdem die Zentralbank den Satz erst im Dezember von 0,5 Prozent angehoben hatte. BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda machte auf der Pressekonferenz deutlich, dass die Notenbank nicht auf vollständige Datensätze warten wolle, bevor sie handelt: "Da Preise und Löhne allmählich steigen, befinden wir uns in einer Phase, in der wir prüfen müssen, ob sich dies fortsetzt", erklärte Ueda damals. Die BOJ wolle verstärkt auf zeitnahe Informationen wie Unternehmensumfragen setzen.
Ebenfalls am 23.01.2026 meldete aktien.news, dass die japanische Zentralbank ihre Wachstumsprognosen anhob und gleichzeitig ihre restriktiven Inflationsausblicke beibehielt. In dem Bericht hieß es zudem, die Entscheidung falle in eine politisch bewegte Zeit: Premierministerin Sanae Takaichi, die für eine lockere Geldpolitik und fiskalische Unterstützung eintritt, löste damals das Unterhaus auf. Am 8. Februar standen vorgezogene Neuwahlen an. Am japanischen Rentenmarkt kam es seinerzeit zu bemerkenswerten Bewegungen, die Renditen 40-jähriger Staatsanleihen sanken.
Was das für Anleger bedeutet
Die drei Entscheidungen zeigen, dass sich die asiatischen Notenbanken in unterschiedlichen Phasen ihres Zyklus befinden. Südkorea nähert sich nach zwei Zinsschritten in Folge dem Ende der aktuellen Anhebungsrunde, hält sich aber mit dem prognostizierten mittelfristigen Zins von 3,25 Prozent ausdrücklich Optionen offen. Für Anleger bedeutet das: Die Richtung bleibt restriktiv, das Tempo jedoch verlangsamt sich.
Die Philippinen sind den Gegenweg gegangen und haben mit 50 Basispunkten doppelt so stark angehoben wie erwartet. Bei einer Inflationsrate von 7,2 Prozent bleibt der Realzins trotz eines Leitzinses von 5,25 Prozent niedrig. Das erhöht den Druck auf Peso-Anlagen und Zinspapiere, solange der Preisauftrieb nicht nachlässt.
In Japan stehen die Zeichen anders. Die gestiegene Nachfrage nach Unternehmenskrediten deutet laut Oxford Economics darauf hin, dass die bisherigen Schritte die Kreditvergabe nicht gebremst haben. Sollte die BOJ über 1,75 Prozent hinausgehen, hätte das Folgen für den Yen und für japanische Anleihen – ein Markt, der zuletzt bereits mit Renditebewegungen bei 40-jährigen Papieren aufgefallen war. Die genannten Einschätzungen sind Meinungen der zitierten Institute und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.
Ausblick
Der Fokus richtet sich nun auf die kommende Sitzung der Bank of Japan. Entscheidend ist nach Einschätzung von JPMorgan Securities Japan, ob die Regierung ihre bisherige Zurückhaltung gegenüber weiteren Zinserhöhungen beibehält. In Südkorea deutet die BOK-Prognose eines mittelfristigen Zinses von 3,25 Prozent auf mögliche weitere Anhebungen hin. Auf den Philippinen liegt der Fokus nach dem Zyklus von 125 Basispunkten auf der weiteren Entwicklung der Teuerung.
Kurz erklärt
- Leitzins: Der zentrale Zinssatz einer Notenbank, an dem sich die Zinsen im Finanzsystem und die Kreditkosten der Wirtschaft orientieren.
- Basispunkt: Die kleinste übliche Maßeinheit für Zinsänderungen; ein Basispunkt entspricht einem Hundertstel eines Prozentpunkts.
- Restriktive Geldpolitik: Ein Kurs, bei dem die Notenbank Zinsen anhebt oder hochhält, um die Nachfrage und damit den Inflationsdruck zu dämpfen.
- Akkommodierende Finanzbedingungen: Ein Umfeld, in dem Finanzierung noch günstig und die Geldpolitik unterstützend wirkt.
