BlackRock-Manager Rick Rieder sieht historische Chance bei hochwertigen Unternehmensanleihen
Der CIO für globale festverzinsliche Wertpapiere verweist auf mehr als 7% Rendite bei kurzer Duration und Bonität von A-.

Rick Rieder, Chief Investment Officer für globale festverzinsliche Wertpapiere beim weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock, sieht bei qualitativ hochwertigen Unternehmensanleihen eine „historische“ Chance. In einem exklusiven Interview mit dem US-Sender CNBC sagte Rieder, Anleger könnten attraktive Renditen erzielen, auch wenn sie vor der aktuellen Volatilität in Teilen des Anleihemarktes zurückschreckten.
Konkret nannte Rieder ein hypothetisches Konstrukt: Ein diversifiziertes Portfolio lasse sich heute mit mehr als 7% Rendite aufbauen, bei einer Duration von weniger als drei Jahren und einer durchschnittlichen Bonität von A-. Die Duration ist ein Maß für die Preissensitivität einer Anleihe gegenüber Zinsschwankungen; Titel mit kürzeren Laufzeiten weisen tendenziell eine niedrigere Duration auf.
Sorgen über ernsthafte Ausfälle müsse man sich derzeit nicht machen, betonte Rieder mit Verweis auf eine weiterhin starke Wirtschaft. Die beste Gelegenheit sieht er aktuell bei Unternehmensanleihen mit Investmentgrade-Bewertung – ein Satz, den er nach eigener Aussage „seit wirklich langer Zeit“ nicht gesagt habe.
Die Details
Investmentgrade-Anleihen werden von S&P und Fitch mit Ratings von AAA bis BBB- bewertet, während Moody’s Bewertungen von Aaa bis Baa3 vergibt. In dieses Segment fallen auch Anleihen von Hyperskalern, die den Markt in diesem Jahr mit Emissionen überschwemmt haben, während sie ihre KI-Infrastruktur ausbauen. Alphabet, Amazon, Meta Platforms und Oracle haben bis zum 20. Oktober insgesamt rund 228,4 Mrd. US-Dollar an Anleihen emittiert, wie aus Daten von LSEG hervorgeht.
Wie positioniert sich BlackRock konkret? Rieder nannte keine einzelnen Titel des beschriebenen Portfolios. Zum Vergleich: Der iShares Aaa - A Rated Corporate Bond ETF (QLTA) weist eine 30-Tage-SEC-Rendite von 5,68% und eine effektive Duration von 6,48 Jahren auf – deutlich mehr als Rieders Fokus auf niedrige Duration. Der von Rieder verwaltete iShares Flexible Income Active ETF (BINC) kommt auf eine 30-Tage-SEC-Rendite von 5,66% bei einer dreijährigen effektiven Duration; sein Portfolio reicht allerdings über Anleihen mit Investmentgrade-Bonität hinaus.
Innerhalb des Fonds hat Rieder die Allokation in Investmentgrade-Unternehmensanleihen kräftig ausgebaut: von 8,5% im Juli auf 14,3% des Portfolios. Geduld sei dennoch angebracht, riet er, da die Zinsen weiter steigen könnten. Außerhalb des Investmentgrade-Segments sei Vorsicht geboten – dort seien größere Selektivität und intensive Recherchen erforderlich, auch bei KI-Namen.
Der Anleihemarkt, insbesondere der High-Yield-Sektor, wurde zuletzt erschüttert, weil Anleger zunehmend besorgt sind über die massiven Schulden, die einige Unternehmen für ihren KI-Ausbau aufnehmen. Die junk-rated CoreWeave ist zum Paradebeispiel geworden: Der Aktienkurs fiel, die Anleiherenditen stiegen, und die Credit-Default-Swaps weiteten sich aus. Auch Oracle, am unteren Ende des Investmentgrade-Segments angesiedelt und als Leitindikator für den breiteren KI-Markt geltend, musste Einbußen hinnehmen.
Rieder erwartet diese Entwicklung, teilt sie aber nicht. Höhere Zinsen schädigten zwar Teile der Wirtschaft wie den Wohnungsmarkt, hätten aber kaum Auswirkungen auf andere Bereiche – etwa auf die Kapitalausgaben der Technologieunternehmen, die zu einem wichtigen Wachstumstreiber geworden sind. Der Markt preise die KI-Angebotsseite ein und werde das auch weiterhin tun, sagte er.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 10.10.2026 berichtete aktien.news, dass der drastische Ausverkauf am Anleihenmarkt eine seltene Gelegenheit geschaffen hat: Anleger können sich aktienähnliche Renditen sichern, ohne die typischen Risiken des Aktienmarkts einzugehen. Jason Katz, Managing Director und Senior Portfolio Manager bei UBS Wealth Management, sprach gegenüber CNBC von einer „Jahrhundertchance“, um Ballast im Portfolio zu schaffen und Einkommen zu generieren.
Am 11.10.2026 folgte eine Einschätzung von J. P. Morgan Asset Management: Portfoliomanagerin Priya Misra erklärte im CNBC-Format „ETF Edge“, Investoren könnten Kreditrisiken bei Unternehmen höchster Qualität eingehen und dennoch eine Rendite von 6,5% erzielen. „Man muss also bei der Kreditqualität keine Abstriche machen“, sagte sie.
Am 13.10.2026 berichtete aktien.news gleich zweimal über BlackRock: Der weltgrößte Vermögensverwalter senkte seine Positionierung bei US-Aktien von „overweight“ auf „neutral“ und hob zugleich seine Einschätzung für US-Staatsanleihen von „neutral“ auf „overweight“ an – die erste Anpassung der Treasury-Bewertung seit rund sechs Jahren. Als Begründung verwies das Unternehmen auf stark gestiegene Renditen: „Die Renditen haben sich in Richtung unserer lang gehegten Ansicht höherer Zinsen eingependelt, und wir möchten etwas attraktives Einkommen sichern“, hieß es im wöchentlichen Marktcommentary. Zugleich senkte BlackRock seine Bewertung für US-Aktien vor der Gewinnsaison, in einem Umfeld, in dem die Renditen von US-Staatsanleihen über die gesamte Laufzeitkurve hinweg auf dem höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten notierten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Einschätzung vor allem deshalb relevant, weil sie aus dem Haus des weltgrößten Vermögensverwalters kommt und sich mit ähnlich lautenden Aussagen anderer großer Adressen deckt. Rieder beschreibt ein Umfeld, in dem mehr als 7% Rendite bei kurzer Duration und guter Bonität erreichbar erscheinen – ein Niveau, das in den Jahren der Nullzinspolitik undenkbar war. Wichtig ist die Unterscheidung: Rieders Beispielportfolio ist hypothetisch, und er nannte keine konkreten Titel.
Wer sich für die Anlageklasse interessiert, sollte die genannten Kennzahlen einordnen können. Die 30-Tage-SEC-Rendite ist eine standardisierte Renditekennzahl für Fonds, die Duration misst die Zinssensitivität. Rieders Fokus auf kurze Duration bedeutet: weniger Kursrisiko bei steigenden Zinsen, aber auch weniger Kurschance bei fallenden Zinsen. Genau diese Abwägung erklärt, warum er Geduld anmahnt und zugleich vor zu großer Sorglosigkeit außerhalb des Investmentgrade-Segments warnt.
Ein Risiko benennt Rieder ausdrücklich: die steigende Staatsverschuldung weltweit. In den Vereinigten Staaten ist das Budgetdefizit für das Geschäftsjahr 2026 auf 2 Billionen US-Dollar angewachsen. Solche Zahlen sind für Anleger relevant, weil sie das Angebot an Staatsanleihen erhöhen und damit den Wettbewerb um Kapital beeinflussen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Rieder will nach eigener Aussage weiterhin die Vorteile der hohen Renditen bei Investmentgrade-Anleihen genießen und „viel lächeln“. Kurzfristig rechnet er damit, dass die Zinsen weiter steigen könnten – ein Grund für Geduld statt für hastige Umschichtungen. Bei Unternehmensanleihen außerhalb des Investmentgrade-Segments erwartet er, dass Selektion und intensive Recherche entscheidend bleiben; das gelte auch für KI-Namen.
Der Markt preist nach Rieders Einschätzung die KI-Angebotsseite ein und werde dies weiterhin tun. Die Emissionstätigkeit der Hyperscaler bleibt damit ein Faktor, den Anleger im Blick behalten sollten: Alphabet, Amazon, Meta Platforms und Oracle haben bis zum 20. Oktober rund 228,4 Mrd. US-Dollar an Anleihen begeben.
Kurz erklärt
- Duration: Kennzahl für die Preissensitivität einer Anleihe gegenüber Zinsschwankungen.
- Investmentgrade: Bonitätsstufe für Anleihen mit vergleichsweise geringem Ausfallrisiko.
- Credit-Default-Swap: Finanzkontrakt, mit dem sich das Ausfallrisiko eines Schuldners absichern lässt.
