Barclays hebt Brent-Prognose 2026 auf 100 Dollar wegen Hormus-Krise
Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus durch den Iran zwingt Barclays zur drastischen Anhebung seiner Ölpreisprognose für 2026.

Barclays hat seine Brent-Rohölpreisprognose für das Jahr 2026 auf 100 US-Dollar pro Barrel angehoben. Ausschlaggebend dafür sind die anhaltenden Störungen in der Straße von Hormus, durch die der Ölfluss laut der Bank auf ein Rinnsal gesunken ist. Gleichzeitig unterbindet die US-Marine aktiv Exporte von iranischem Rohöl, was den Druck auf den globalen Ölmarkt weiter erhöht.
Trotz eines iranischen Vorschlags für Verhandlungen mit den USA, der die Brent-Futures am Freitag unter Druck setzte, schlossen die Preise auf Wochensicht höher. Ein fragiler Waffenstillstand halte zwar weitgehend stand, doch die Rhetorik bleibe verschärft, so Barclays. Die Lage in der strategisch bedeutsamen Meerenge, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports verläuft, bleibt damit angespannt.
Rekorddefizit am Ölmarkt
Barclays schätzt, dass der globale Ölmarkt derzeit ein Defizit von rund 6,6 Millionen Barrel pro Tag verzeichnet. Die sich beschleunigenden weltweiten Lagerbestandsabnahmen hätten bereits den Großteil des US-Lageraufbaus des vergangenen Jahres ausgeglichen, erklärte die Bank. Bei anhaltendem Angebotsschock dürfte sich dieses Defizit noch weiter vergrößern.
Die Bank warnte ausdrücklich, dass der Preisschock umso größer und anhaltender ausfallen werde, je länger die Störung in der Meerenge andauere. Zudem betonte Barclays, dass die Marke von 100 Dollar pro Barrel nicht als ein Niveau angesehen werden sollte, bei dem Angebot und Nachfrage ein neues Gleichgewicht gefunden haben. Der Markt wäre demnach auch bei dreistelligen Preisen noch nicht im Gleichgewicht.
Die am Terminmarkt implizierten durchschnittlichen Brent-Preise für 2026 lagen laut Barclays bei nahezu 94 US-Dollar pro Barrel – und damit bereits unter dem Niveau eines Szenarios, in dem sich die Lage in der Meerenge bis Ende April normalisiert hätte. Dies verdeutlicht, wie stark der Markt die anhaltenden Störungen bereits einpreist.
Szenario mit 110 Dollar möglich
Sollten die Störungen bis Ende Mai anhalten, könnten sich die Preise laut Barclays sogar in Richtung 110 US-Dollar pro Barrel bewegen. Dies würde eine weitere erhebliche Belastung für die Weltwirtschaft und insbesondere für importabhängige Länder wie Deutschland bedeuten.
Barclays wies zudem auf den geplanten Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC hin. Dieser Schritt könnte zwar dazu beitragen, die mittelfristige Lücke zwischen dem Angebotswachstum außerhalb der OPEC und der Nachfrage zu verringern. Allerdings sei es unwahrscheinlich, dass dies die Versorgungslücke vollständig schließe, und es würde zudem die freien Förderkapazitäten des Kartells reduzieren, so die Bank.
Für deutsche Verbraucher und Unternehmen sind die Entwicklungen am Ölmarkt von unmittelbarer Relevanz. Steigende Rohölpreise wirken sich direkt auf Kraftstoffpreise, Heizkosten und die Produktionskosten energieintensiver Industrien aus. Ein Brent-Preis von 100 Dollar oder mehr würde den Inflationsdruck in der Eurozone spürbar erhöhen und die Europäische Zentralbank vor neue geldpolitische Herausforderungen stellen.
