Bank of England überprüft Revolut: PRA ordnet Section-166-Prüfung an
Die PRA der Bank of England lässt die Produktgenehmigungsverfahren von Revolut von unabhängigen Experten prüfen, während das Fintech expandiert.

Die Bank of England hat eine Überprüfung der Produktgenehmigungsverfahren von Revolut in Auftrag gegeben. Die Prudential Regulation Authority (PRA), die Aufsichtsbehörde der Zentralbank, will damit die internen Kontrollen des Fintech-Unternehmens bewerten, während dieses unter seiner neu erworbenen britischen Banklizenz expandiert – auch im Bereich des privaten Kreditgeschäfts. Das berichtete die Financial Times am Dienstag.
Wie die FT unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen meldete, habe die PRA Anfang dieses Jahres eine sogenannte Anordnung nach Section 166 erlassen. Damit sollen die Risiken im Zusammenhang mit dem raschen Rollout neuer Finanzprodukte durch Revolut geprüft werden. Die Anordnung sei etwa zeitgleich damit ergangen, als Revolut im März eine vollständige britische Banklizenz erhielt.
Die Überprüfung soll die Stärke der internen Systeme des Unternehmens bewerten. Eine Anordnung nach Section 166, auch als „Skilled-Person-Review“ bekannt, verpflichtet ein reguliertes Unternehmen, unabhängige Experten zur Bewertung seiner internen Systeme und Kontrollen zu bestellen.
Die Details
Solche Überprüfungen werden typischerweise von Wirtschaftsprüfungs- oder Rechtsanwaltskanzleien durchgeführt und erstellen Berichte mit Empfehlungen für Verbesserungen. Der Mechanismus ermögliche es den Aufsichtsbehörden, Beweise zu sammeln, und falls Mängel oder Regelverstöße festgestellt würden, potenziell Strafen zu verhängen oder andere Durchsetzungsmaßnahmen einzuleiten, hieß es in dem Bericht.
Parallel zu den regulatorischen Prüfungen treibt Revolut sein Produktangebot voran. Am Montag kündigte das Unternehmen Pläne an, ungesicherte Privatkredite im Wert von 2.000 bis 25.000 Pfund anzubieten. Zudem wurde eine Partnerschaft mit der Vermögensverwaltungsgesellschaft Carne bekanntgegeben, die Kunden ermöglichen würde, in private Technologieunternehmen zu investieren.
Das Fintech-Unternehmen hat in etwas mehr als einem Jahrzehnt mehr als 80 Millionen Kunden gewonnen und verfügt über eine Bewertung von 115 Milliarden US-Dollar. Nach diesem Maßstab ist es größer als drei der vier größten Hochstraßenbanken auf seinem Heimatmarkt. Das Unternehmen hat ein vielfältiges Geschäftsfeld entwickelt, das Kryptowährungshandel, Kartenzahlungen und Abonnementdienste umfasst.
Die Banklizenz für Revolut folgte auf Jahre der Wartezeit, da das Unternehmen daran arbeitete, die Bedenken der Aufsichtsbehörden hinsichtlich seiner schnellen Expansion auszuräumen. Die Genehmigung galt als entscheidend für seine Pläne, seine Präsenz bis 2030 von derzeit 40 auf 70 Länder auszuweiten, sowie dafür, dass seine britische Banktochter Einlagen entgegennehmen und in Kreditmärkte vordringen kann, die traditionell von etablierten Banken dominiert werden.
Chief Executive Nik Storonsky habe Mitarbeiter aufgefordert, sich wie „selbstgesteuerte Raketen“ zu verhalten, mit begrenzter Aufsicht bei der Entwicklung neuer Produkte, hieß es in dem Bericht. Dieser Ansatz habe ebenfalls zu Spannungen mit den Aufsichtsbehörden beigetragen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 04.10.2026 berichtete aktien.news, dass Revolut sich zum wertvollsten Startup Europas entwickelt hat und damit jahrhundertealte Bankriesen vor eine ernsthafte Herausforderung stellt. Schon damals galt: Trotz des steilen Aufstiegs sieht sich das Unternehmen mit erheblichen Hürden konfrontiert – der pro Kunde erwirtschaftete Umsatz liegt nur bei einem Bruchteil dessen, was etablierte Wettbewerber erzielen, und das Kreditgeschäft ist nach Branchenstandards eher klein. Ein Sprecher von Revolut verwies damals in einer E-Mail auf das „diversifizierte Geschäftsmodell“ des Unternehmens.
Am 10.08.2026 meldete aktien.news, dass Revolut von den französischen Behörden eine vollständige Banklizenz erhalten hat. Das in London ansässige Unternehmen gab dies am Montag bekannt und bezeichnete die Genehmigung als entscheidenden Schritt in seinen Expansionsplänen in Europa. Die Erlaubnis wurde nach einer eingehenden Prüfung durch die französische Bankenaufsichtsbehörde ACPR sowie die Europäische Zentralbank (EZB) erteilt.
Am 23.04.2026 berichtete aktien.news über die Börsenpläne des Unternehmens: Revolut strebt bei einem geplanten Börsengang eine Bewertung von 150 bis 200 Milliarden US-Dollar an. Gründer Nik Storonsky bekräftigte damals, dass ein Börsengang frühestens 2028 angestrebt werde.
Auch andere britische Institute geraten ins Visier der Aufsicht. Am 19.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of England Vorwürfe gegen Barclays prüft. Die PRA habe im Laufe des Jahres eine Beschwerde darüber erhalten, wie die Bank Derivate verbucht, die zur Finanzierung privater Kredite verwendet werden.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Section-166-Prüfung ein Signal, dass die britische Aufsicht die Expansion von Revolut eng begleitet. Die Anordnung ist kein Urteil, sondern ein Instrument zur Beweissammlung. Sollten die Prüfer Mängel oder Regelverstöße feststellen, drohen dem Unternehmen potenziell Strafen oder andere Durchsetzungsmaßnahmen.
Relevant ist der Zeitpunkt: Die Überprüfung fällt mit dem Start des Privatkreditgeschäfts zusammen. Kredite sind ein Geschäft, das traditionell von etablierten Banken dominiert wird und höhere regulatorische Anforderungen mit sich bringt. Anleger sollten die weitere Berichterstattung über die Ergebnisse der Überprüfung verfolgen.
Hinzu kommt die Bewertungsdimension. Mit 115 Milliarden US-Dollar ist Revolut nach dem berichteten Maßstab größer als drei der vier größten Hochstraßenbanken seines Heimatmarkts. Gleichzeitig ist das Kreditgeschäft nach Branchenstandards eher klein und der Umsatz pro Kunde gering – ein Spannungsfeld, das für die Bewertung relevant bleibt.
Ausblick
Revolut plant, seine Präsenz bis 2030 von derzeit 40 auf 70 Länder auszuweiten. Die britische Banklizenz gilt als entscheidend für dieses Vorhaben sowie dafür, dass die britische Banktochter Einlagen entgegennehmen und in Kreditmärkte vordringen kann. Mit den angekündigten ungesicherten Privatkrediten und der Partnerschaft mit Carne weitet das Unternehmen sein Produktangebot weiter aus.
Offen ist, wann die Ergebnisse der Section-166-Überprüfung vorliegen. Der Bericht nennt keinen Zeitpunkt. Klar ist nur: Die Aufsicht will die internen Kontrollen bewerten, während Revolut unter der neuen Lizenz expandiert.
Kurz erklärt
- Section-166-Anordnung: Eine Anweisung der Aufsicht, die ein reguliertes Unternehmen verpflichtet, unabhängige Experten zur Bewertung seiner internen Systeme und Kontrollen zu bestellen.
- Skilled-Person-Review: Die gebräuchliche Bezeichnung für eine solche Prüfung, die typischerweise von Wirtschaftsprüfungs- oder Rechtsanwaltskanzleien durchgeführt wird.
- Prudential Regulation Authority (PRA): Die Aufsichtsbehörde der Bank of England, die unter anderem die Risiken im Zusammenhang mit dem Rollout neuer Finanzprodukte prüft.
