Bank of England: Breeden fordert Bare-Metal-Pläne gegen KI-Cyberangriffe bei Banken
Die BoE-Vizegouverneurin warnt vor KI-ermöglichten Cyberangriffen und fordert unabhängige Wiederherstellungssysteme für die Kernleistungen der Banken.

Die stellvertretende Gouverneurin der Bank of England, Sarah Breeden, hat die Kreditinstitute aufgefordert, sich auf Cyberangriffe vorzubereiten, die durch Künstliche Intelligenz (KI) ermöglicht werden. Auf der Jahrestagung des Institute of International Finance in Bangkok sagte sie am Donnerstag, die Zentralbank arbeite mit den Banken an umfassenden Cyber-Regenerierungsstrategien. Die Kernbotschaft: Institute können nicht länger davon ausgehen, dass ihre Abwehrmaßnahmen undurchdringlich sind. Die Meldung stammt von der Nachrichtenagentur Reuters aus Bangkok und London, datiert auf den 15. Oktober.
Breeden, bei der Bank of England für die Finanzstabilität zuständig, warnte, die Fortschritte in der KI-Technologie hätten inzwischen ein Niveau erreicht, auf dem die Technologie ein „systemisches Risiko“ für die globale Finanzinfrastruktur darstelle. Mit dieser Einschätzung rückt sie KI-ermöglichte Angriffe in dieselbe Kategorie wie klassische Bedrohungen für die Stabilität des gesamten Finanzsystems. Sie warnte zudem, dass die Risiken größerer und komplexerer Cyberangriffe aufgrund der KI-Entwicklungen zugenommen hätten.
„Es reicht heute nicht mehr aus, einfach anzunehmen, dass Cyberangreifer keinen Durchbruch erzielen werden“, sagte Breeden. „Wir müssen darüber nachdenken, welche Regenerierungsoptionen ‚auf Bare-Metal-Ebene‘ wir für die Kernleistungen benötigen und diese übergreifend über das gesamte Finanzsystem hinweg betrachten.“ Der Begriff Bare-Metal bezieht sich auf Systeme, die vollständig unabhängig vom Haupt-IT-Setup einer Bank sind und aktiviert werden können, wenn die primären Betriebssysteme kompromittiert worden sind.
Die Details
Was Breeden konkret fordert, ist eine zweite, vom normalen IT-Betrieb vollständig getrennte Infrastruktur. Sogenannte Bare-Metal-Systeme laufen völlig unabhängig vom Haupt-IT-Setup einer Bank und lassen sich hochfahren, wenn die primären Betriebssysteme kompromittiert sind. Auf diese Weise sollen Kernleistungen auch dann aufrechterhalten werden, wenn ein Angreifer die regulären Systeme lahmgelegt hat. Entscheidend ist nach Breedens Worten, solche Regenerierungsoptionen nicht isoliert je Institut zu betrachten, sondern übergreifend über das gesamte Finanzsystem.
Die Aufsichtsbehörden drängen in dieser Frage bereits auf konkrete Vorkehrungen. Bankenaufsichtsbehörden weltweit intensivieren ihre Bemühungen, die wachsenden KI-Risiken einzudämmen, wie Reuters berichtete. In Großbritannien ermutigen die Aufsichtsbehörden die größten Banken dazu, Regenerierungspläne auf Bare-Metal-Ebene zu prüfen. Über diesen Schritt hatte Reuters am Dienstag berichtet, also wenige Tage vor Breedens Auftritt in Bangkok.
Breeden betonte zugleich die Bedeutung grundlegender Sicherheitsvorkehrungen. „Die Grundlagen der Cyber-Hygiene… sind wichtiger denn je“, sagte sie. Ihre Sorge formulierte sie ungewöhnlich persönlich: „Cybersecurity ist stets das Thema, das mich nachts wachhält. Am meisten befürchte ich, aufzuwachen und festzustellen, dass eine unserer systemrelevantesten Banken oder ein Teil der kritischen Infrastruktur angegriffen und gelähmt wurde.“
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 12.05.2026 berichtete aktien.news, dass die britische Bankenaufsicht vor erheblichen Störungen im Finanzdienstleistungssektor durch die neuesten KI-Modelle warnt. Sam Woods, Chef der Prudential Regulation Authority (PRA), nannte in London konkret Anthropics Modell Mythos sowie ChatGPT 5 und ChatGPT 5 Instant als Beispiele für diese neue Generation leistungsstarker KI-Systeme. Woods sprach auf dem Growth Delivery Summit des Branchenverbands UK Finance und betonte, es sei „durchaus mit erheblichen Störungen“ zu rechnen.
Am 05.06.2026 meldete aktien.news, dass die Bank of England „Frontier AI“ – also fortschrittliche künstliche Intelligenz – als ihre derzeit größte Herausforderung eingestuft hat. Gouverneur Andrew Bailey erklärte auf einer Konferenz der Investment Association in London, dass Cyberrisiken durch KI-Modelle die Bedrohungen für das Finanzsystem um zwei bis drei Jahre beschleunigen. Bailey betonte, die rasante Entwicklung im Bereich der KI habe Risiken, die man erst in fernerer Zukunft erwartet hatte, zu einem unmittelbaren Anliegen gemacht.
Am 30.06.2026 berichtete aktien.news gleich in zwei Meldungen über Breeden. Auf dem Forum der Europäischen Zentralbank über das Zentralbankwesen in Portugal bezeichnete sie sogenannte „agentische KI“ – also KI-Systeme, die selbstständig und ohne menschliche Eingriffe handeln können – als ihre dringlichste Sorge im Hinblick auf die Finanzstabilität. Zugleich machte sie deutlich, dass KI-Agenten, die autonom agieren, die Volatilität in Stressphasen erhöhen könnten. In einer weiteren Meldung desselben Tages hieß es, dass die rasant steigenden Fähigkeiten solcher KI-Agenten potenzielle Lücken in den bestehenden Aufsichtsstrukturen aufgezeigt hätten, weil die Rahmenbedingungen nicht für diese Technologie entworfen wurden.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung in erster Linie ein Signal zur Risikoeinordnung. Die Bank of England stuft KI-ermöglichte Cyberangriffe nicht mehr als entferntes Zukunftsszenario ein, sondern als systemisches Risiko für die globale Finanzinfrastruktur. Wenn Aufsichtsbehörden in Großbritannien die größten Banken dazu ermutigen, Regenerierungspläne auf Bare-Metal-Ebene zu prüfen, dürfte das die Anforderungen an die operative Widerstandsfähigkeit der Institute erhöhen. Solche Vorkehrungen können Investitionen in IT-Sicherheit und Notfallsysteme nach sich ziehen – ein Kostenfaktor, der die Institute über längere Zeit begleiten kann.
Zugleich zeigt die Reihe der Warnungen aus London, dass das Thema nicht auf ein einzelnes Institut oder ein einzelnes Land beschränkt ist. Gouverneur Bailey, Vizegouverneurin Breeden und PRA-Chef Sam Woods haben sich binnen weniger Monate mehrfach zu KI-bedingten Cyberrisiken geäußert, und die Bemühungen der Aufsichtsbehörden weltweit nehmen laut Reuters zu. Anleger, die Bankaktien halten, sollten die Berichterstattung über Cyber-Vorfälle und regulatorische Auflagen daher aufmerksam verfolgen. Eine konkrete Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich aus diesen Aussagen nicht ableiten.
Ausblick
Die Bank of England will nach den Worten Breedens mit den Kreditinstituten an umfassenden Cyber-Regenerierungsstrategien arbeiten. In Großbritannien ermutigen die Aufsichtsbehörden die größten Banken bereits dazu, Regenerierungspläne auf Bare-Metal-Ebene zu prüfen, wie Reuters am Dienstag berichtete. Breeden machte in Bangkok deutlich, dass sie die weitere Entwicklung der KI-Fähigkeiten als treibende Kraft hinter den steigenden Risiken für größere und komplexere Angriffe sieht. Konkrete Fristen oder verbindliche Vorgaben nannte sie nicht.
Kurz erklärt
- Bare-Metal-System: Ein IT-System, das völlig unabhängig vom regulären Rechenzentrumsbetrieb einer Bank läuft und im Notfall die Kernleistungen übernehmen kann.
- Systemisches Risiko: Eine Bedrohung, die nicht nur einzelne Institute, sondern die Funktionsfähigkeit des gesamten Finanzsystems gefährden kann.
- Cyber-Hygiene: Grundlegende Sicherheitspraktiken, mit denen Organisationen ihre Systeme und Zugänge gegen Angriffe absichern.
