Asiens Aktienmärkte brechen ein – Tech-Giganten unter Druck
Cisco-Gewinnwarnung löst Verkaufswelle aus. Apple verliert fünf Prozent, Anleger flüchten in Anleihen.

Die asiatischen Aktienmärkte haben am Freitag deutlich von ihren Rekordhochs nachgegeben. Auslöser war eine Verkaufswelle im Technologiesektor, die von der Wall Street ausging und sich über Nacht auf die Region ausbreitete. Der MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien außerhalb Japans fiel um 1,1 Prozent, während Japans Nikkei 1,3 Prozent einbüßte.
Der Ausverkauf begann am Donnerstag in den USA, nachdem Cisco Systems enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt hatte. Die Bruttomarge des Netzwerkausrüsters lag unter den Erwartungen, was das Unternehmen auf stark gestiegene Kosten für Speicherchips zurückführte. Die Cisco-Aktie brach daraufhin um 12 Prozent ein und vernichtete rund 40 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung. Der technologielastige Nasdaq Composite verlor 2 Prozent.
Die Sorgen über schrumpfende Margen griffen schnell auf andere Tech-Schwergewichte über. Apple musste den stärksten Tagesverlust seit April 2024 hinnehmen – die Aktie fiel um 5 Prozent. Auch Transportunternehmen gerieten unter Druck, da Investoren zunehmend Disruptionen durch künstliche Intelligenz befürchten.
Rotation in defensive Werte
"Der vorherrschende Ton an den Märkten ist eine Rotation hin zu defensiveren Bereichen des Aktienmarktes", erklärt Chris Weston, Leiter der Forschungsabteilung bei Pepperstone. Anleger suchten nun verstärkt nach Unternehmen mit stetigen, weniger zyklischen und besser vorhersehbaren Gewinnen.
Die Verunsicherung im Tech-Sektor zeigt sich auch in Asien deutlich. Chinesische Blue Chips verloren 0,9 Prozent, während der Hang Seng Index in Hongkong um 2,1 Prozent nachgab. Trotz der Tagesverluste liegen viele asiatische Indizes auf Wochensicht noch deutlich im Plus – der MSCI-Index kommt auf ein Wochenplus von 3,7 Prozent, der Nikkei sogar auf fast 5 Prozent.
Anleihen profitieren von Flucht in Sicherheit
Der Ausverkauf bei Aktien trieb Anleger in sichere US-Staatsanleihen. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries brach über Nacht um 7 Basispunkte ein – der stärkste Rückgang seit Oktober. Eine außergewöhnlich starke Auktion 30-jähriger Anleihen drückte die Renditen am langen Ende auf den niedrigsten Stand seit Dezember.
An den Devisenmärkten gaben risikosensitive Währungen nach. Der australische Dollar fiel um 0,2 Prozent auf 0,7071 US-Dollar, während der neuseeländische Dollar um 0,1 Prozent auf 0,6029 US-Dollar nachgab.
US-Inflationsdaten im Fokus
Die Märkte richten ihre Aufmerksamkeit nun auf die im Tagesverlauf anstehenden US-Inflationsdaten. Ökonomen erwarten einen monatlichen Anstieg der Kernrate um 0,3 Prozent, was die Jahresrate von 2,7 auf 2,5 Prozent senken würde. "Selbst ein Ergebnis im Rahmen der Erwartungen würde eine deutliche Verlangsamung gegenüber Dezember widerspiegeln", sagt Jose Torres, leitender Ökonom bei Interactive Brokers.
Die Fed-Funds-Futures haben sich nach den jüngsten Arbeitsmarktdaten wieder erholt. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Juni liegt nun bei 70 Prozent. Für das Gesamtjahr wird eine Lockerung von insgesamt 60 Basispunkten erwartet.
Edelmetalle und Rohöl unter Druck
Edelmetalle versuchten, sich von schweren Verlusten zu erholen. Gold stieg um 1,3 Prozent auf 4.984 US-Dollar je Unze, nachdem es am Donnerstag über 3 Prozent verloren hatte. Silber kletterte um 2,5 Prozent auf 77 US-Dollar je Unze, nach einem Einbruch von 10 Prozent in der Nacht.
Die Ölpreise weiteten ihre Verluste aus, trotz steigender geopolitischer Spannungen. Die Financial Times berichtete, dass US-Präsident Trump plane, einige Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte zu senken. Gleichzeitig verlegt die US-Marine einen Flugzeugträger von der Karibik in den Nahen Osten, da die Spannungen mit dem Iran eskalieren. West Texas Intermediate fiel um 0,3 Prozent auf 62,66 US-Dollar pro Barrel, Brent-Rohöl um 0,2 Prozent auf 67,37 US-Dollar.
