Argentinien: Streit um Inflationsmessung belastet Finanzmärkte deutlich
Rücktritt des Statistikchefs und verzögerte Methodenänderung sorgen für Unruhe an den Börsen.

Der überraschende Rücktritt des Leiters der argentinischen Statistikbehörde INDEC hat am Dienstag für Turbulenzen an den lokalen Finanzmärkten gesorgt. Marco Lavagna verließ seinen Posten am Montag, nachdem es zu Differenzen mit der Regierung über die Einführung einer neuen Methode zur Inflationsmessung gekommen war.
Wirtschaftsminister Luis Caputo erklärte in einem lokalen Radiosender, Lavagna habe die neue Formel sofort implementieren wollen, während Präsident Javier Milei und er selbst einen Aufschub bevorzugten. "Wir hatten mit Präsident Milei immer die Auffassung, dass die Änderung erst umgesetzt werden sollte, sobald der Prozess der Disinflation vollständig etabliert ist", so Caputo. Die aktualisierte Methodik sollte ursprünglich bereits im Januar eingeführt werden.
Unter der Regierung Milei ist es durch drastische Sparmaßnahmen gelungen, die monatliche Inflationsrate von zweistelligen Werten auf unter 3 Prozent zu drücken. Für Januar erwartet die Regierung eine Rate von etwa 2,5 Prozent nach 2,8 Prozent im Dezember. Marktexperten gehen jedoch davon aus, dass die neue Berechnungsmethode deutlich höhere Werte ausweisen würde – etwa 3,2 Prozent für Januar.
Märkte reagieren nervös
Die Unsicherheit belastete die argentinischen Finanzmärkte spürbar. Das Länderrisiko kletterte auf 496 Basispunkte, nachdem es in der Vorwoche den niedrigsten Stand seit Mitte 2018 erreicht hatte. Der lokale Aktienleitindex MERV gab bereits die fünfte Sitzung in Folge nach und verlor am Montag 2,9 Prozent. Händler führten dies auf Gewinnmitnahmen und die Entwicklung bei der Statistikbehörde zurück.
Statistische Daten sind in Argentinien ein besonders heikles Thema. In den 2000er und 2010er Jahren wurde die Inflation massiv zu niedrig ausgewiesen, wofür das Land vom Internationalen Währungsfonds gerügt wurde. Die aktuelle Methodik stammt noch aus dem Jahr 2004 und gilt als veraltet.
Glaubwürdigkeit auf dem Spiel
Ökonom Marcelo Rojas warnte gegenüber Reuters vor den Folgen der Verzögerung: "Es hat viel Mühe gekostet, die statistische Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, und deshalb ist die aktuelle Situation ein schreckliches Zeichen." Er befürchtet, dass erneut Zweifel aufkommen könnten, ob die Regierung in statistische Daten eingreife.
Der IWF äußerte sich zunächst nicht zu möglichen Auswirkungen auf das laufende Kreditprogramm mit Argentinien. Caputo betonte, die neue Methode würde "praktisch die gleichen Ergebnisse" liefern – eine Einschätzung, die Marktbeobachter allerdings nicht teilen. Die internationalen Dollar-Anleihen des Landes zeigten sich über die gesamte Kurve hinweg uneinheitlich mit nur geringfügigen Preisbewegungen.
