Arafura erweitert US-Seltenerd-Deal mit Traxys um 70 Prozent
Das von Gina Rinehart unterstützte Unternehmen liefert künftig 850 Tonnen Neodym-Praseodym-Oxid jährlich an Traxys North America.

Das australische Seltenerdunternehmen Arafura Rare Earths (ASX: ARU) hat eine verbindliche Liefervereinbarung mit Traxys North America abgeschlossen. Danach liefert Arafura jährlich 850 Tonnen Neodym-Praseodym-Oxid (NdPr) aus seinem Nolans-Projekt an den Rohstoffhändler. Das entspricht einer Steigerung um 70 Prozent gegenüber dem Volumen, das ursprünglich in einem Term Sheet festgehalten worden war.
Die Vereinbarung läuft über fünf Jahre und enthält die Option auf eine Verlängerung um zwei weitere Jahre durch gegenseitiges Einvernehmen. Das ursprüngliche Term Sheet vom Mai 2026 hatte jährliche Lieferungen von 500 Tonnen NdPr-Oxid sowie potenzielle Lieferungen von 7,5 Tonnen Dysprosium-Terbium-Oxiden vorgesehen. Mit der nun verbindlichen Vereinbarung steigt das zugesagte NdPr-Volumen deutlich.
Für Arafura ist der Vertrag ein wichtiger Baustein bei der Finanzierung und Absicherung des Nolans-Projekts. Das Unternehmen führt nach eigenen Angaben Gespräche mit weiteren potenziellen Abnahmepartnern, während es die Entwicklung des Projekts vorantreibt. Der Abschluss fällt in eine Phase, in der westliche Regierungen und Industrieunternehmen verstärkt nach Alternativen zu chinesischen Lieferquellen für kritische Mineralien suchen.
Die Details
Im Zentrum der Vereinbarung steht Neodym-Praseodym-Oxid, ein Vorprodukt für Hochleistungsmagnete. Arafura verpflichtet sich, Traxys North America jährlich 850 Tonnen dieses Materials aus dem Nolans-Projekt zu liefern. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre, mit einer Verlängerungsoption um zwei Jahre, die beide Seiten gemeinsam ausüben können.
Das im Mai 2026 unterzeichnete Term Sheet hatte noch 500 Tonnen NdPr-Oxid pro Jahr vorgesehen. Zusätzlich waren dort potenzielle Lieferungen von 7,5 Tonnen Dysprosium-Terbium-Oxiden genannt. Die nun abgeschlossene verbindliche Vereinbarung hebt das NdPr-Volumen um 70 Prozent an.
Traxys North America ist eines von drei Rohstoffhandels- und Beschaffungsunternehmen, die ausgewählt wurden, Materialien für ein strategisches Reserveprogramm der US-Regierung zu beschaffen und zu verwalten. Die US-Regierung baut derzeit eine strategische Reserve für kritische Mineralien auf und will Hersteller gleichzeitig vor Versorgungsunterbrechungen schützen.
Hintergrund dieser Bemühungen ist das Ziel der USA, die Abhängigkeit von China bei Seltenerdmetallen zu verringern. Diese Metalle werden in Permanentmagneten für Verteidigungsausrüstung, Elektrofahrzeuge und andere Hochtechnologien eingesetzt. Auch Australien unterstützt das Nolans-Projekt: Über die A$1.2 Milliarden schwere Critical Minerals Strategic Reserve hat sich das Land verpflichtet, jährlich 500 Tonnen NdPr-Oxid aus dem Projekt zu kaufen.
Hancock Prospecting, das vom Bergbau-Milliardär Gina Rinehart kontrollierte Unternehmen, hält einen Anteil von 17,5 Prozent an Arafura. Rinehart gilt als eine der einflussreichsten Investorinnen im globalen Bergbausektor und hat ihre Beteiligungen in den vergangenen Jahren gezielt über das angestammte Eisenerzgeschäft hinaus ausgeweitet.
Das Nolans-Projekt liegt etwa 135 Kilometer von Alice Springs entfernt. Es wird als Australiens erste integrierte Seltenerd-Operation von der Erzgewinnung bis zum Oxid entwickelt, einschließlich Mine, Verarbeitungs- und Trennungsanlagen sowie unterstützender Infrastruktur. Der Bau begann in diesem Monat, die erste Produktion wird Mitte 2029 erwartet. Arafura gibt an, dass das Projekt etwa 5 Prozent der globalen Nachfrage nach Seltenerdmetallen decken könnte.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 16.03.2026 berichtete aktien.news über eine verbindliche Absichtserklärung von Lynas Rare Earths mit dem US-Kriegsministerium. Der Vertrag sieht vor, dass die US-Regierung über vier Jahre rund 96 Millionen US-Dollar für den Kauf von Seltenerdoxiden bereitstellt, um amerikanische Verteidigungslieferketten zu stärken. Besonders bedeutsam war ein garantierter Mindestpreis von 110 US-Dollar pro Kilogramm für Neodym-Praseodym-Oxid.
Am 18.09.2026 meldete aktien.news, dass Gina Rinehart ihren Konzern Hancock Prospecting mit einer Serie von neun Investitionen in nur rund einem Jahr weit über das Eisenerzgeschäft hinausführt. Die Milliardärin baue gezielt ihre Exposition gegenüber strategisch wichtigen Rohstoffen wie Seltenen Erden, Kupfer, Gallium, Antimon und Edelmetallen aus. Die jüngste Transaktion war damals eine Investition von 8,77 Millionen australischen Dollar.
Einen Tag später, am 19.09.2026, berichtete aktien.news über eine verlängerte Abnahmevereinbarung von Arafura mit einem bestehenden Kunden. Die Vereinbarung sieht die Lieferung von bis zu 500 Tonnen pro Jahr an Neodym- und Praseodym-Oxid-Äquivalent vor. Bei dem Abnehmer handelt es sich um einen globalen Hersteller von Windturbinen, mit dem Arafura bereits zuvor eine Vereinbarung getroffen hatte. Die Abnahmevereinbarung erstreckt sich über einen Zeitraum von fünf Jahren.
Am 29.09.2026 berichtete aktien.news über Gina Rineharts Bergbauimperium. Mit einem geschätzten Nettovermögen von AU$35,6 Milliarden hält sie über Hancock Prospecting Beteiligungen an Lithium, Seltenen Erden, Kupfer, Kaliumsalz und Erdgas. Was als Eisenerzfirma begann, hat sich unter ihrer Führung zu einem breit diversifizierten Rohstoffimperium entwickelt. Rinehart übernahm 1992 das Ruder von Hancock Prospecting, das ihr Vater Lang Hancock gegründet hatte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht vor allem ein Signal für die wachsende strategische Bedeutung von Seltenerdprojekten außerhalb Chinas. Arafura sichert mit dem Vertrag einen Teil der künftigen Produktion ab, bevor die erste Produktion überhaupt angelaufen ist. Solche Abnahmevereinbarungen gelten in der Branche als wichtige Voraussetzung, um Finanzierungen für den teuren Aufbau von Mine und Verarbeitungsanlagen zu erhalten.
Bemerkenswert ist die Kombination aus staatlicher Nachfrage und privater Beteiligung. Auf der einen Seite stehen die strategische Reserve der USA und die Critical Minerals Strategic Reserve Australiens, auf der anderen Seite das Engagement von Hancock Prospecting mit 17,5 Prozent an Arafura. Diese Mischung verleiht dem Projekt eine politische wie industrielle Rückendeckung.
Anleger sollten jedoch die langen Zeiträume im Blick behalten. Der Bau begann erst in diesem Monat, die erste Produktion wird Mitte 2029 erwartet. Bis dahin müssen Finanzierung, Genehmigungen und Bauablauf planmäßig verlaufen. Arafura selbst gibt an, dass das Projekt etwa 5 Prozent der globalen Nachfrage nach Seltenerdmetallen decken könnte – eine Größenordnung, die das Unternehmen zu einem relevanten Player machen würde, sofern die Umsetzung gelingt.
Ein weiterer Aspekt ist die Nachfrageseite. NdPr-Oxid wird für Permanentmagnete benötigt, die in Verteidigungsausrüstung, Elektrofahrzeugen und anderen Hochtechnologien stecken. Solange der Westen seine Lieferketten diversifizieren will, dürfte die Nachfrage nach nicht-chinesischen Quellen hoch bleiben. Das erklärt auch, warum Traxys als Beschaffungsunternehmen für das US-Reserveprogramm auf Arafura zugeht.
Ausblick
Arafura führt nach eigenen Angaben Gespräche mit weiteren potenziellen Abnahmepartnern, während das Unternehmen das Nolans-Projekt vorantreibt. Der Bau hat in diesem Monat begonnen, die erste Produktion wird Mitte 2029 erwartet. Die Vereinbarung mit Traxys North America läuft über fünf Jahre und kann um zwei weitere Jahre verlängert werden.
Kurz erklärt
- Neodym-Praseodym-Oxid (NdPr): Ein Vorprodukt für die Herstellung starker Permanentmagnete, die in Motoren und Elektronik zum Einsatz kommen.
- Abnahmevereinbarung (Offtake): Ein Vertrag, in dem ein Käufer zusagt, künftige Produktionsmengen eines Rohstoffprojekts abzunehmen.
- Term Sheet: Eine vorläufige Absichtserklärung, die die wesentlichen Eckpunkte einer späteren verbindlichen Vereinbarung festhält.
- Strategische Reserve: Ein staatlicher Vorrat an Rohstoffen, der Versorgungsengpässe abfedern und die Versorgungssicherheit erhöhen soll.
