Apple in der KI-Krise
Politischer Druck, verpasste Trends und Sorgen um Siri erschüttern den Technologiekonzern

Apple steht unter zunehmendem Druck. Der US-Technologiekonzern hat bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz an Boden verloren. Während Konkurrenten wie OpenAI, Google oder Meta ihre KI-Lösungen bereits erfolgreich auf Apple-Geräten platzieren, kommt Apple selbst mit dem hauseigenen Sprachassistenten Siri nicht voran. Die für die Entwicklerkonferenz 2024 angekündigte Überarbeitung wurde verschoben. Der Assistent gilt als unzuverlässig, seine Leistungen enttäuschen im Vergleich zu den Systemen anderer Anbieter. Auf der bevorstehenden Entwicklerkonferenz soll unter dem Begriff „Apple Intelligence“ ein neues Konzept vorgestellt werden, konkrete Durchbrüche sind jedoch nicht in Sicht.
Die veränderte strategische Lage trifft Apple zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Konzern ist auch geopolitischen Spannungen ausgesetzt. In China schwächeln die iPhone-Verkäufe, unter anderem aufgrund staatlich subventionierter Konkurrenzprodukte. Parallel dazu drohen in den USA neue Strafzölle auf Smartphones, die nicht im Inland produziert werden. Donald Trump fordert, dass künftig alle iPhones für den US-Markt auch in den Vereinigten Staaten hergestellt werden. Sollte dies nicht geschehen, will er Apple mit einem Importzoll von 25 Prozent belegen. Eine kurzfristige Verlagerung der Produktion ist für Apple kaum realisierbar. Experten rechnen stattdessen mit höheren Verbraucherpreisen.
Auch innerhalb der USA ist Apple politisch unter Druck. Das US-Justizministerium hat eine Kartellklage gegen den Konzern eingereicht. Der Vorwurf: Apple nutze seine Marktmacht im Smartphone-Markt aus und behindere gezielt App-Entwickler. Zudem steht eine mögliche Einschränkung der Zahlungen von Google an Apple zur Debatte. Diese betreffen die Voreinstellung der Google-Suche auf iPhones und bringen Apple bislang jährlich Milliarden ein. Würde diese Einnahmequelle versiegen, wäre das ein erheblicher Einschnitt.
In Europa ist Apple ebenfalls mit regulatorischen Problemen konfrontiert. Die EU hat den Konzern mehrfach zu Geldstrafen in Höhe von jeweils 500 Millionen Euro verurteilt. Dabei geht es um Behinderungen von Wettbewerbern im Musikstreaming-Markt und um Verstöße gegen den Digital Markets Act. Apple wurde aufgefordert, entsprechende Änderungen bis Mitte Juni umzusetzen, sonst drohen weitere Sanktionen.
Innerhalb des Unternehmens ist die Nervosität spürbar. Bei der Weiterentwicklung von Siri ist Konzernchef Tim Cook inzwischen selbst involviert. Der bisher verantwortliche AI-Chef John Giannandrea ist weiterhin im Amt, doch operative Zuständigkeiten wurden neu verteilt. Ob Apple seinen Rückstand aufholen kann, ist offen.
