Anthropic-IPO: Alphabet, Amazon und Microsoft sichern sich Milliardenverträge
Nicht die Vertragshöhe entscheidet, sondern wie leicht sich Anthropic von den Vereinbarungen lösen kann.

Der Börsengang von Anthropic wirft seine Schatten voraus – und die Liste der Konzerne, die auf den KI-Entwickler setzen, ist prominent. Wie The Motley Fool berichtet, haben Alphabet, Amazon, SpaceX, Microsoft, Broadcom und AMD Verträge mit Anthropic geschlossen. Entscheidend ist dabei weniger die Höhe der Verträge als die Frage, wie leicht sich Anthropic von ihnen lösen kann.
Die nicht kündbaren Mindestverpflichtungen sind erheblich: Alphabet steht mit mindestens 114,5 Milliarden US-Dollar in der Pflicht, Amazon mit 110 Milliarden US-Dollar und Microsoft mit 44,9 Milliarden US-Dollar. Diese Summen sind für Anthropic planbar, weil die Partner sie nicht ohne Weiteres zurückziehen können.
Anders sieht es bei SpaceX aus. Der Deal ist bis zu 120,5 Milliarden US-Dollar wert, kann jedoch von beiden Seiten mit einer Frist von 90 Tagen gekündigt werden, sobald die Anfangsphase Anfang 2027 endet. Broadcoms Ausrüstungsleasingvereinbarungen im Wert von rund 161,2 Milliarden US-Dollar sind dagegen nicht kündbar. Der Deal mit AMD enthält keine feste Dollar-Verpflichtung, sondern lediglich ein erwartetes Ausgabenziel von über 20 Milliarden US-Dollar.
Die Details
Die Vertragslandschaft rund um Anthropic ist damit alles andere als einheitlich. Auf der einen Seite stehen die sogenannten nicht kündbaren Mindestverpflichtungen. Sie verpflichten die Vertragspartner zu festen Zahlungen, die sie nicht vorzeitig auflösen können. Alphabet liegt mit mindestens 114,5 Milliarden US-Dollar an der Spitze dieser Kategorie, gefolgt von Amazon mit 110 Milliarden US-Dollar und Microsoft mit 44,9 Milliarden US-Dollar.
Auf der anderen Seite stehen Vereinbarungen mit deutlich geringerer Bindungswirkung. Der Vertrag mit SpaceX erreicht zwar einen Wert von bis zu 120,5 Milliarden US-Dollar und liegt damit nominell über dem Volumen von Amazon. Doch beide Seiten können ihn mit einer Frist von 90 Tagen kündigen, sobald die Anfangsphase Anfang 2027 endet. Aus einer langfristigen Planungsgröße wird damit ein Vertrag, der regelmäßig auf den Prüfstand gestellt werden kann.
Broadcom wiederum hat Ausrüstungsleasingvereinbarungen im Wert von rund 161,2 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Diese Vereinbarungen sind nicht kündbar und damit für Anthropic ähnlich verbindlich wie die Zusagen von Alphabet, Amazon und Microsoft. Der Deal mit AMD fällt dagegen aus dem Rahmen: Er sieht keine feste Dollar-Verpflichtung vor, sondern lediglich ein erwartetes Ausgabenziel von über 20 Milliarden US-Dollar. Ein Ausgabenziel ist keine rechtlich fixierte Summe, sondern eine Erwartung an das künftige Auftragsvolumen.
Für die Bewertung des KI-Entwicklers ist diese Unterscheidung zentral. Nicht kündbare Verpflichtungen liefern eine verlässliche Umsatzbasis. Kündbare Verträge und Ausgabenziele sind dagegen mit Unsicherheit behaftet, weil sie sich je nach Geschäftsverlauf ändern können.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Vertragszahlen sind Teil einer längeren Entwicklung rund um den erwarteten Börsengang von Anthropic. Bereits am 15.09.2026 berichtete aktien.news, dass der KI-Entwickler offenbar kurz vor einem Börsengang steht. Berichten zufolge könnte der IPO bereits Anfang November abgeschlossen werden und eine Bewertung von rund zwei Billionen Dollar einbringen. In diesem Zusammenhang wurde auch auf die Minderheitsbeteiligungen von Amazon und Alphabet an Anthropic hingewiesen, dem Unternehmen hinter dem KI-Modell Claude. Zudem erreichte der annualisierte Umsatz im Mai 47 Milliarden Dollar.
Am 30.09.2026 berichtete aktien.news über einen Vergleich zwischen SpaceX und Anthropic. Ein Bericht von The Motley Fool vom 30. September 2026 stellte die Frage, welche der beiden Aktien bei einer Bewertung von 2 Billionen US-Dollar tatsächlich gerechtfertigt ist. Klar war damals: Anthropic könnte den rekordverdächtigen Börsengang von SpaceX noch übertreffen.
Am 07.10.2026 meldete aktien.news, dass Space Exploration Technologies die gefragteste Initial Public Offering des Jahres 2026 hingelegt hat und zu einer Bewertung von rund 2 Billionen US-Dollar an die Börse gegangen ist – die größte IPO aller Zeiten. Ein Autor des US-Finanzportals The Motley Fool hielt sich nach eigener Aussage vom Geschehen fern, nicht aus Zweifeln an SpaceX, sondern aus Geduld. Er wartet auf den Börsengang von Anthropic, dem er ebenfalls eine Bewertung von 2 Billionen US-Dollar zutraut.
Am 24.10.2026 berichtete aktien.news unter Berufung auf MarketWatch, dass Anthropic möglicherweise nur noch Tage davon entfernt ist, einen entscheidenden Schritt hin zum Börsengang zu unternehmen. Berichten zufolge strebt das Unternehmen eine Bewertung von bis zu 2 Billionen US-Dollar an. Sollte dieser Wert erreicht werden, könnte das IPO noch explosiver ausfallen als das Debüt von SpaceX früher in diesem Jahr.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Vertragsstruktur ein wichtiger Indikator für die Qualität der künftigen Umsätze von Anthropic. Nicht kündbare Mindestverpflichtungen von Alphabet, Amazon, Microsoft und Broadcom bilden eine belastbare Grundlage. Sie zeigen, dass große Technologiekonzerne langfristig auf die Rechenleistung und die Dienste von Anthropic setzen.
Gleichzeitig relativiert die Struktur der SpaceX-Vereinbarung die reine Summe. Ein Vertrag über bis zu 120,5 Milliarden US-Dollar, der mit 90 Tagen Frist gekündigt werden kann, ist für die Bewertung anders zu gewichten als eine nicht kündbare Verpflichtung. Ähnliches gilt für das Ausgabenziel von AMD, das keine feste Dollar-Verpflichtung darstellt.
Hinzu kommt die Beteiligungsperspektive: Amazon und Alphabet halten Minderheitsbeteiligungen an Anthropic. Diese Beteiligungen könnten bei einem Börsengang erheblich an Wert gewinnen, wie aktien.news bereits am 15.09.2026 berichtete. Anleger, die über diese beiden US-Tech-Aktien investiert sind, partizipieren damit indirekt an der Entwicklung von Anthropic – ohne selbst Aktien des KI-Entwicklers halten zu müssen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Die nächsten Meilensteine sind im Quelltext klar benannt. Die Anfangsphase des SpaceX-Vertrags endet Anfang 2027. Erst danach greift die beidseitige Kündigungsmöglichkeit mit einer Frist von 90 Tagen. Bis dahin bleibt der Vertrag in seiner jetzigen Form bestehen.
Für den Börsengang selbst gilt weiterhin die Erwartung, dass Anthropic eine Bewertung von bis zu 2 Billionen US-Dollar anstrebt. Berichten zufolge könnte der IPO bereits Anfang November abgeschlossen werden. Ob diese Bewertung tatsächlich erreicht wird, hängt auch davon ab, wie Investoren die unterschiedlich verbindlichen Verträge des Unternehmens gewichten.
Kurz erklärt
- Nicht kündbare Mindestverpflichtung: Vertragliche Zusage, die ein Kunde nicht vorzeitig auflösen kann.
- Ausrüstungsleasing: Mietmodell, bei dem ein Unternehmen Hardware gegen laufende Zahlungen nutzt.
- Annualisierter Umsatz: Hochrechnung des Umsatzes eines Zeitraums auf ein volles Geschäftsjahr.
- Ausgabenziel: Erwartete, aber nicht rechtlich fixierte Summe für künftige Aufträge.
