KI-Investitionen: Microsoft überzeugt, Alphabet und Meta unter Druck
Microsoft überzeugt mit starken Zahlen, während Alphabet und Meta die hohen KI-Ausgaben teuer bezahlen.

Die Quartalssaison der großen US-Techkonzerne liefert eine klare Botschaft: Das Rennen um KI-Investitionen geht unvermindert weiter – doch nicht alle Konzerne können gleich gut mithalten. Microsoft ging als Gewinner aus den Zahlen hervor, während Alphabet die Erwartungen verfehlte und Meta erstmals seit über zehn Jahren einen negativen freien Cashflow auswies. Die Märkte warten auf eine Antwort auf die zentrale Frage, ob sich die hohen KI-Ausgaben tatsächlich auszahlen.
Microsoft lieferte die überzeugendsten Zahlen. Der Umsatz wuchs fast ein Fünftel auf 92,3 Milliarden Dollar, der Nettogewinn stieg von 27,7 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 36,6 Milliarden Dollar. Besonders stark entwickelte sich das Cloud-Geschäft: Der Azure-Umsatz kletterte um 48 Prozent auf 33,1 Milliarden Dollar. Enttäuschend verliefen dagegen die PC- und Windows-Verkäufe, die Einbußen hinnehmen mussten.
Microsoft investiert weiter massiv
Anzeichen für eine Drosselung der KI- und Rechenzentrums-Investitionen gibt es bei Microsoft nicht. Für das kommende Quartal plant der Konzern Investitionen von über 50 Milliarden Dollar, für das Geschäftsjahr 2027 sind 170 Milliarden Dollar vorgesehen. Finanzchefin Amy Hood erklärte: "Die Nachfrage übersteigt nach wie vor das Angebot." Der Cashflow sank allerdings um 27 Prozent auf 18,6 Milliarden Dollar, soll aber im Geschäftsjahr positiv bleiben. Die Microsoft-Aktie stieg zeitweise um bis zu vier Prozent.
Deutlich schlechter erging es Alphabet. Der Konzern verfehlte im dritten Quartal sowohl die Umsatz- als auch die Gewinnerwartungen. Zwar wuchs der Umsatz das 13. Quartal in Folge zweistellig und legte um 25 Prozent auf 127,6 Milliarden Dollar zu – doch das lag ein halbes Prozent unter den Prognosen. Die Werbeerlöse der Google-Suche wuchsen nur um zwölf Prozent auf 63,4 Milliarden Dollar und blieben damit unter der Analystenerwartung von rund 65 Milliarden Dollar.
Alphabet-Aktie bricht ein
Der Nettogewinn sank auf 26,2 Milliarden Dollar, ein Viertel weniger als vor einem Jahr. Belastet wurde das Ergebnis vor allem durch Bewertungsverluste von 8,7 Milliarden Dollar auf Beteiligungen, die laut Bloomberg insbesondere auf die SpaceX-Beteiligung zurückgehen. Im Vorquartal hatten Buchgewinne auf SpaceX und Anthropic das Ergebnis noch aufgebläht. Die Aktie brach um mehr als neun Prozent ein, nachbörslich waren es fast elf Prozent.
Die Investitionen bleiben dennoch hoch: 51,4 Milliarden Dollar flossen im Quartal in Rechenzentren und Sachanlagen, im Gesamtjahr sollen es bis zu 205 Milliarden Dollar sein – mehr als doppelt so viel wie 2025. Der freie Cashflow rutschte dadurch auf minus 9,1 Milliarden Dollar, während Analysten nur minus 36 Millionen Dollar erwartet hatten. Die Kaufverpflichtungen und Leasingzusagen summieren sich inzwischen auf über eine Billion Dollar.
Lichtblicke gibt es im Cloud-Geschäft: Der Umsatz sprang um 103 Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar und übertraf die Prognose von rund 29 Milliarden Dollar deutlich. Der Cloud-Betriebsgewinn stieg auf 11,1 Milliarden Dollar. KI-Firmen mieten Google-Rechenleistung und kaufen TPUs; am Dienstag wurde zudem eine Vereinbarung zwischen Google und Oracle bekannt. Die Suchanfragen wachsen so schnell wie seit fünf Jahren nicht – allerdings bringen Anfragen im KI-Modus weniger Werbegeld als die klassische Suche. Google stellte zudem das neue Spitzenmodell Gemini 4 vor und baut die Suche um, um eine Abwanderung zu ChatGPT und Claude zu verhindern.
Meta mit negativem Cashflow
Auch Meta treibt den Ausbau der KI-Infrastruktur voran, unter anderem mit Investitionen in Rechenzentren. Der Quartalsumsatz lag mit über 64 Milliarden Dollar über den Erwartungen, doch der Konzern wies erstmals seit über zehn Jahren einen negativen freien Cashflow aus. Die geplanten Investitionen belaufen sich auf 135 bis 145 Milliarden Dollar.
Marcus Weyerer, Director ETF Investment Strategy bei Franklin Templeton, ordnet die Lage so ein: "Die jüngsten Geschäftszahlen von Microsoft und Alphabet bestärken uns in unserer Einschätzung, dass der KI-Investitionszyklus im Großen und Ganzen intakt bleibt, die Entwicklung von hier aus jedoch wahrscheinlich weniger einheitlich verlaufen wird als im letzten Jahr."
Für Privatanleger bedeutet das: Die Schere zwischen den Konzernen wird größer. Wer in Tech-Aktien investiert ist, sollte weniger auf das Wachstumstempo allein achten als auf die Frage, ob die hohen Investitionen in absehbarer Zeit in Erträge umschlagen. Der freie Cashflow sowie Bewertungsgewinne und -verluste auf Beteiligungen liefern dabei wichtige Hinweise. Wie es weitergeht, hängt auch von den weiteren Techkonzernen ab – Amazon legt seine Zahlen nach Börsenschluss am Donnerstag vor.
