Microsoft übertrifft Erwartungen deutlich – Analysten erhöhen ihre Kursziele
Bereinigter Gewinn von 4,89 Dollar je Aktie und 92,28 Milliarden Dollar Umsatz übertreffen die Schätzungen der Wall Street klar.

Microsoft hat mit seinem Bericht für das erste Quartal des Geschäftsjahres die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Das Unternehmen meldete einen bereinigten Gewinn von 4,89 Dollar pro Aktie und lag damit über der Schätzung von LSEG, die bei 4,73 Dollar pro Aktie gelegen hatte. Der Umsatz belief sich auf 92,28 Milliarden Dollar – ein Anstieg um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und deutlich über den von der Wall Street erwarteten 90,69 Milliarden Dollar.
Besonders kräftig fiel das Wachstum im Cloud-Geschäft aus. Die Azure-Cloudinfrastruktursparte legte um 48 Prozent zu. Microsoft-Führungskräfte teilten Investoren am Mittwoch mit, dass sie für das zweite Quartal des Geschäftsjahres ein Azure-Wachstum bei konstanten Währungen zwischen 49 und 50 Prozent erwarten. Damit würde das Unternehmen die Konsensschätzung von StreetAccount von 45,1 Prozent übertreffen.
Die Aktie reagierte zunächst verhalten positiv und kurbelte im Vormarkthandel um rund zwei Prozent an. In den vergangenen drei Monaten ist der Kurs um 36 Prozent gestiegen, während Microsoft seine Rechenzentrumskapazitäten weiter ausbaut, um die weit verbreitete Einführung künstlicher Intelligenz zu unterstützen. Für die Analysten der großen Investmentbanken ist die Richtung damit klar: Die Kursziele wurden reihenweise angehoben.
Die Details
Brad Zelnick, Analyst bei der Deutschen Bank, sieht den Ausbau der Infrastruktur weiterhin als bedeutende Quelle für Aufwärtsrisiken für Microsoft – insbesondere dann, wenn das Unternehmen die Monetarisierung seiner KI-bezogenen Bemühungen verbessert. „Da die Adoption und Monetarisierung von KI über den gesamten Stack hinweg zunimmt und die operative Hebelwirkung die erhöhten Investitionen ausgleicht, die erforderlich sind, um von der überproportionalen Nachfrage zu profitieren, sehen wir weitere Unterstützung für unsere positive Einschätzung der Aktie“, schrieb Zelnick in einer Notiz an Kunden vom Donnerstag. Die Deutsche Bank hat eine Kaufempfehlung für Microsoft und ein Kursziel von 600 Dollar für die Aktien, was ein Aufwärtspotenzial von 13 Prozent gegenüber dem Schlusskurs am Mittwoch nahelegt. In der Übersicht der Analystenhäuser wird die Deutsche Bank zugleich mit einem Kursziel von 650 Dollar geführt.
Die weiteren Einschätzungen der Häuser im Überblick:
- JPMorgan: Übergewichten-Rating, Kursziel 625 Dollar, was ein Aufwärtspotenzial von fast 18 Prozent impliziert. Die Bank schreibt, Microsoft habe „Ergebnisse und Aussichten geliefert, die die Bullen-These bezüglich der Recheneffizienz stärken sollten“, wobei die Azure-Prognose für F2Q27 (Ende Dezember) die Anforderungen der Buy-Site für eine weitere Beschleunigung um 100 bis 200 Basispunkte klar erfülle.
- Wells Fargo: Übergewichten, Kursziel 750 Dollar, angehoben von 725 Dollar, was einem Gewinn von 41 Prozent entspricht. „Azure liefert weiterhin erhebliche Aufwärtskorrekturen zu den Schätzungen, selbst trotz Verzögerungen bei den Rechenzentren“, so die Bank.
- Barclays: Übergewichten, Kursziel 610 Dollar, angehoben von 600 Dollar, ein Plus von 15 Prozent. Das Azure-Wachstum liege nun in den hohen 40ern im Jahresvergleich, das Office-Wachstum in den hohen Teenagern.
- Morgan Stanley: Übergewichten, Kursziel 650 Dollar, angehoben von 600 Dollar, ein Aufwärtspotenzial von 22 Prozent. Die Q1-Ergebnisse seien eine „weitere klare Bestätigung“ der These, dass die KI-Investitionen ein dauerhaft hohes Teenager-Umsatzwachstum und ein Gewinnwachstum von mehr als 20 Prozent antreiben können.
- Citi: Kaufen, Kursziel 680 Dollar, angehoben von 636 Dollar, ein Aufwärtspotenzial von 28 Prozent. Die starken Ergebnisse hätten „KI-Gegenwind an mehreren Fronten“ gezeigt.
- Bank of America: Kaufen, Kursziel 630 Dollar, angehoben von 600 Dollar. Die Positionierung über Infrastruktur, Modelle und Software biete „weiterhin mehrere Wege zur Monetarisierung der KI-Nachfrage“.
- Goldman Sachs: Kaufen, Kursziel 700 Dollar, ein Aufwärtspotenzial von 32 Prozent. Microsoft habe „mehrere Beweisstücke vorgelegt, die darauf hindeuten, dass seine Strategie zur Ermöglichung von KI im Unternehmen bis 2027 funktioniert“.
- Citizens: Marktüberlegen, Kursziel 625 Dollar, angehoben von zuvor 550 Dollar. Das Consumer-Geschäft bleibe schwach, mit Devices-and-Consumer-Umsätzen, die um drei Prozent im Jahresvergleich rückläufig seien, und Windows-OEM- und Geräteumsätzen, die für F2Q27 einen Rückgang in den mittleren 30ern prognostiziert würden.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 30.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Microsoft-Aktie im nachbörslichen Handel um 7,3 Prozent zulegte. Auslöser war ein starker Quartalsbericht, der sowohl bei Umsatz als auch beim Gewinn die Erwartungen der Analysten deutlich übertraf – getragen von einem kräftigen Wachstum im Cloud-Geschäft und einer beruhigenden Investitionsprognose. Der Technologiekonzern aus Redmond, Washington, erzielte damals einen bereinigten Gewinn von 4,74 US-Dollar je Aktie bei einem Umsatz von 90,01 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten lediglich 4,24 US-Dollar Gewinn je Aktie und einen Umsatz von 87,61 Milliarden US-Dollar erwartet.
Am selben Tag meldete aktien.news zudem, dass Microsoft die Erwartungen der Wall Street für das vierte Geschäftsquartal, das am 30. Juni endete, deutlich übertroffen hatte. Als treibende Kräfte nannte das Unternehmen das Cloud-Computing-Geschäft sowie den Bereich der Künstlichen Intelligenz. Der bereinigte Gewinn lag bei 4,74 US-Dollar je Aktie, der Gesamtumsatz bei 90 Milliarden US-Dollar.
Schon am 23.09.2026 hatte aktien.news über mehrere positive Analystenberichte berichtet. Am Dienstag jener Woche bekräftigte Oppenheimer-Analyst Brian Schwartz seine „Outperform“-Empfehlung für die Microsoft-Aktie und erhöhte das Kursziel deutlich von 515 auf 570 US-Dollar. Als Begründung nannte Schwartz die zunehmende Nachfrage von Unternehmenskunden. Bereits am 29.01.2026 hatte aktien.news darauf hingewiesen, dass Microsoft vor der Veröffentlichung seiner Quartalszahlen stand und die Investitionsausgaben neue Dimensionen erreichten: Im ersten Geschäftsquartal gab der Konzern bereits knapp 35 Milliarden Dollar aus, verglichen mit Gesamtausgaben von 88,2 Milliarden Dollar im Vorjahr.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Botschaft der Analysten eindeutig: Die großen Häuser sehen in Microsoft weiterhin einen der zentralen Profiteure des KI-Booms. Auffällig ist, dass die Kursziele fast durchgängig angehoben wurden – Wells Fargo, Barclays, Morgan Stanley, Citi, Bank of America, Goldman Sachs und Citizens haben ihre Zielmarken nach oben korrigiert. Die Spanne reicht von 600 Dollar bei der Deutschen Bank bis 750 Dollar bei Wells Fargo.
Gleichzeitig benennen die Analysten auch Risiken. Citizens weist darauf hin, dass das Consumer-Geschäft schwach bleibt und Windows-OEM- und Geräteumsätze für das kommende Quartal rückläufig prognostiziert werden. JPMorgan erwähnt einen gewissen Rückgang der 3P-GPU-Kapazität in der zweiten Jahreshälfte. Wells Fargo spricht von Verzögerungen bei den Rechenzentren. Das Wachstum wird also nicht ausschließlich von reibungslosen Rahmenbedingungen getragen.
Der Kurs hat in den vergangenen drei Monaten bereits um 36 Prozent zugelegt. Anleger sollten daher beachten, dass ein Teil der optimistischen Erwartungen bereits eingepreist sein dürfte. Die genannten Aufwärtspotenziale der Analysten beziehen sich jeweils auf den Schlusskurs vom Mittwoch und sind keine Garantie für künftige Kursgewinne. Dieser Artikel stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.
Ausblick
Microsoft selbst hat für das zweite Quartal des Geschäftsjahres ein Azure-Wachstum bei konstanten Währungen zwischen 49 und 50 Prozent in Aussicht gestellt. Die Konsensschätzung von StreetAccount liegt bei 45,1 Prozent. Die Analysten von Morgan Stanley erwarten, dass die KI-Investitionen ein dauerhaft hohes Teenager-Umsatzwachstum und ein Gewinnwachstum von mehr als 20 Prozent antreiben können. Goldman Sachs sieht Beweisstücke dafür, dass die KI-Strategie bis 2027 funktioniert. Citizens rechnet für das kommende Quartal mit einem Rückgang der Windows-OEM- und Geräteumsätze in den mittleren 30ern.
Kurz erklärt
- Azure: Die Cloud-Computing-Plattform von Microsoft, über die Unternehmen Rechenleistung, Speicher und KI-Dienste beziehen.
- Hyperscaler: Ein Anbieter von Cloud-Infrastruktur in sehr großem Maßstab, der Rechenzentren weltweit betreibt.
- Kursziel: Die von Analysten erwartete Kursmarke einer Aktie innerhalb eines bestimmten Zeitraums.
- Basispunkt: Eine Maßeinheit für Zins- oder Wachstumsänderungen, wobei ein Basispunkt einem Hundertstel Prozentpunkt entspricht.
