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Algoma Steel erwartet 65 Prozent weniger Stahlversand im dritten Quartal

Ein ungeplanter Turbinenausfall im Kraftwerk Lake Superior Power trifft den kanadischen Stahlhersteller Algoma Steel hart.

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Algoma Steel erwartet 65 Prozent weniger Stahlversand im dritten Quartal

Der kanadische Stahlhersteller Algoma Steel rechnet nach einem ungeplanten Turbinenausfall in seiner Anlage Lake Superior Power mit einem Rückgang der Stahlversendungen im dritten Quartal um 65 Prozent. Das Unternehmen zählt zu den führenden Herstellern von Stahlplatten und warmgewalzten Stahlerzeugnissen in Kanada.

Die gesamten Stahlversendungen für den am 30. September endenden Dreimonatszeitraum werden auf 145.000 t geschätzt. Im gleichen Quartal des Vorjahres hatte Algoma noch 419.000 t versendet. Der Einbruch fällt damit erheblich aus.

Auch die Ergebniskennzahlen leiden unter dem Vorfall. Algoma geht davon aus, dass das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (EBITDA) um einen Betrag zwischen $10 Mio. und $20 Mio. beeinträchtigt wird. Dieser Effekt wäre nach Unternehmensangaben noch höher ausgefallen, hätte nicht die positive Wirkung einer Kapazitätsauslastungsanpassung in Höhe von rund $50 Mio. dagegengewirkt.

Die Details

Inzwischen wurde ein Ersatzturbinensystem in Lake Superior installiert, das nun mit voller Leistung läuft. Das teilte CEO Rajat Marwah mit und bedankte sich zugleich für die Unterstützung während der Störung. "Wir schätzen die Unterstützung und die schnelle Reaktionsbereitschaft des Independent Electricity System Operator sowie von Hydro One, während wir daran gearbeitet haben, eine zuverlässige Stromversorgung wiederherzustellen und die operative Kontinuität in dieser Phase aufrechtzuerhalten", so Marwah.

Der CEO äußerte sich auch zum Stand des zweiten Schmelzofens, der für die künftige Produktion zentral ist. "Alle elektrischen Ausrüstungen des Electric Arc Furnace (EAF) Unit Two wurden getestet. Wir erwarten den ersten Schmelzvorgang in den kommenden Tagen, da wir auf die Produktion und die Versendungen aus Unit Two im vierten Quartal hinarbeiten", erklärte er.

Aus Sicht von Finanzvorstand Michael Moraca hatte die unerwartete Ausfallphase auch einen Nebeneffekt. Sie habe dem Unternehmen Zeit gegeben, geplante Wartungs- und Inbetriebnahmemaßnahmen an EAF Unit Two zu beschleunigen. Das werde dazu beitragen, künftige geplante Stillstandszeiten zu reduzieren. Die erzwungene Pause wird also teilweise genutzt, um Arbeiten vorzuziehen, die sonst zu einem späteren Zeitpunkt angefallen wären.

Hintergrund: Was bisher geschah

Der Fall Algoma ist kein isoliertes Ereignis in der Stahlbranche, wie der Blick auf frühere Berichte von aktien.news zeigt. Bereits am 19.09.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Stahlbranche unter Druck gerät: Nucor (NUE) und Steel Dynamics (STLD) legten enttäuschende Geschäftsprognosen vor und sorgten damit an den Märkten für deutliche Kursverluste. Nucor war am Morgen sogar die schlechteste Aktie im gesamten S&P 500; das Unternehmen erwartete für das dritte Quartal einen Gewinn pro Aktie zwischen 5,55 und 5,65 US-Dollar.

Auch international zeigten sich zuletzt gemischte Signale. Am 30.07.2026 meldete aktien.news, dass der finnische Edelstahlkonzern Outokumpu für das zweite Quartal 2026 ein bereinigtes EBITDA von €100 Millionen auswies und damit deutlich hinter dem Analystenkonsens von €120 Millionen zurückblieb – eine Verfehlung von rund 17 Prozent. Im ersten Quartal 2026 hatte Outokumpu lediglich €65 Millionen bereinigtes EBITDA erwirtschaftet; der Anstieg um €35 Millionen war vor allem auf eine höhere Rentabilität im Geschäftsbereich Europa zurückzuführen.

Am selben Tag berichtete aktien.news zudem über ArcelorMittal: Der in Luxemburg ansässige Stahlhersteller meldete im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 683 Millionen US-Dollar, nach 1,79 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum, und blieb damit hinter dem Analystenkonsens von 802 Millionen US-Dollar zurück. Deutlich dramatischer fiel das Bild beim indischen Hersteller Jindal Steel & Power aus: Wie aktien.news bereits am 30.01.2026 berichtete, sackte der konsolidierte Nettogewinn nach Steuern im Jahresvergleich auf 1,90 Milliarden Rupien (20,67 Millionen US-Dollar) ab – ein Rückgang von rund 90 Prozent, den das Unternehmen auf nachgebende Stahlpreise und stark gestiegene Inputkosten zurückführte.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem ein Signal dafür, wie anfällig die operative Ertragskraft von Stahlherstellern gegenüber ungeplanten Störungen ist. Ein einzelner Turbinenausfall genügt, um das Versandvolumen eines Quartals um 65 Prozent einbrechen zu lassen und das bereinigte EBITDA im zweistelligen Millionenbereich zu belasten. Solche Vorfälle treffen die Unternehmen unabhängig von der allgemeinen Nachfrage- und Preisentwicklung.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Belastung ohne die Kapazitätsauslastungsanpassung von rund $50 Mio. noch höher ausgefallen wäre. Eine solche Anpassung kann die kurzfristige Wirkung einer Störung abfedern, ersetzt aber nicht die ausgefallene Produktion. Anleger sollten daher zwischen Einmaleffekten und der zugrunde liegenden operativen Leistung unterscheiden.

Algoma treibt parallel den Umbau auf die Elektrostahlproduktion (EAF) und eine modernisierte Blechwalzanlage voran. Damit definiert das Unternehmen nach eigenen Angaben neu, wie Stahl in Kanada hergestellt wird. Angetrieben durch das saubere Stromnetz Ontarios stellt diese Transformation eine der größten industriellen Dekarbonisierungsinitiativen Nordamerikas dar. Nach vollständiger Umsetzung wird eine Senkung der CO₂-Emissionen um etwa 70 Prozent erwartet. Dieser Umbau ist langfristig angelegt und wirkt sich erst mit der schrittweisen Inbetriebnahme der neuen Anlagen auf die Zahlen aus.

Ausblick

Für das laufende vierte Quartal richtet sich der Fokus auf die Wiederaufnahme der Produktion. Algoma erwartet den ersten Schmelzvorgang in EAF Unit Two in den kommenden Tagen und will danach Produktion und Versendungen aus der Anlage aufnehmen. CEO Rajat Marwah sieht das Unternehmen für die letzte Phase seiner Transformation gerüstet: "Mit vollständig wiederhergestellter Stromversorgung, abgeschlossenen geplanten Ausfällen, unserem zweiten Schmelzofen nahe der kommerziellen Inbetriebnahme und verbessernden Stahlpreisen sind wir der Ansicht, dass wir gut aufgestellt sind, wenn wir in die letzte Phase unserer Transformation eintreten."

Darüber hinaus nennt das Unternehmen keine konkreten Zielwerte für Umsatz oder Ergebnis. Klar ist: Die vollständige Wiederherstellung der Stromversorgung und die abgeschlossenen geplanten Ausfälle sind die Voraussetzung dafür, dass sich die Versandmengen im kommenden Quartal wieder normalisieren können. Ob dies gelingt, hängt maßgeblich vom erfolgreichen Hochfahren von Unit Two ab.

Kurz erklärt

  • EBITDA: Kennzahl für den operativen Gewinn eines Unternehmens vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation.
  • Elektrostahlproduktion (EAF): Verfahren, bei dem Stahl mit einem Lichtbogenofen und elektrischer Energie hergestellt wird.
  • Kapazitätsauslastungsanpassung: Anpassung der Produktionsauslastung, die den Ergebniseffekt eines Ausfalls teilweise ausgleichen kann.
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