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Merz im Saarland: Stahlindustrie stellt auf grünen Wasserstoff um

CDU-Chef Merz besucht die Dillinger Hütte und wirbt für den milliardenschweren Umbau der Saar-Stahlindustrie.

• 2 Min
Merz im Saarland: Stahlindustrie stellt auf grünen Wasserstoff um

Friedrich Merz hat die Dillinger Hütte besucht und bei der Stahl-Holding-Saar eine Rede gehalten. Im Mittelpunkt stand der Umbau der saarländischen Stahlindustrie hin zu grünem Stahl. Statt Kohle und Koks soll künftig Wasserstoff zum Einsatz kommen, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Damit rückt ein Schlüsselprojekt der deutschen Industrietransformation in den Fokus der Politik.

Das Herzstück der Umstellung sind sogenannte Direktreduktionsanlagen. Sie erzeugen Eisenschwamm statt flüssiges Roheisen. Der Wasserstoff entzieht dem Eisenerz den Sauerstoff, wobei als Beiprodukt Wasser statt CO2 entsteht. Zunächst soll die Umstellung mit Erdgas erfolgen, später dann mit Wasserstoff. Die Stahlbranche zählt zu den größten CO2-Emittenten Deutschlands, weshalb der Druck zur Dekarbonisierung besonders hoch ist.

Milliardenschwere Investition ins Saarland

Für die Transformation im Saarland sind rund 4,6 Milliarden Euro veranschlagt. Bund und Land fördern das Vorhaben mit 2,6 Milliarden Euro. Die verbleibenden Restkosten der Transformation tragen die Unternehmen selbst. Bis Anfang der 2030er Jahre soll der CO2-Ausstoß um bis zu 55 Prozent sinken. Das entspricht einer Einsparung von 4,8 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Die vollständige CO2-Neutralität der Branche ist für 2045 angepeilt.

Der Umbau ist Teil einer breiteren Bewegung in der deutschen Stahlindustrie. Auch Thyssenkrupp und die Salzgitter AG verfolgen eigene Umstellungsprojekte. Die Standorte Duisburg und Niedersachsen stehen dabei im Zentrum. Der Wettbewerb um Fördermittel und geeignete Technologien ist entsprechend intensiv.

Wasserstoff bleibt der Knackpunkt

Trotz aller Fortschritte gibt es erhebliche Hürden. Wasserstoff ist deutlich teurer als fossile Alternativen. Grüner Wasserstoff wird 2030 mindestens doppelt so teuer sein wie grauer Wasserstoff. Hinzu kommt, dass grüner Wasserstoff derzeit nicht ausreichend vorhanden ist. Ohne verlässliche und bezahlbare Versorgung droht der Umbau ins Stocken zu geraten.

Ein weiteres Problem sind Billigstahl-Importe aus außereuropäischem Ausland, die den Wettbewerb belasten. Eine EU-Verordnung soll den Stahlmarkt vor diesen Importen schützen und ist am 1. Juli in Kraft getreten. Zusätzlich fordert die Industrie wettbewerbsfähige Strompreise, um im internationalen Vergleich bestehen zu können.

Was bedeutet das für Anleger?

Für Privatanleger ist die Entwicklung der Stahlbranche ein wichtiger Indikator für die industrielle Transformation in Deutschland. Die Umstellung auf grünen Stahl ist kapitalintensiv und langwierig. Sie hängt stark von staatlicher Förderung, der Verfügbarkeit von Wasserstoff und dem Schutz vor Billigimporten ab. Anleger sollten daher die politischen Rahmenbedingungen und die Energiepreise genau im Blick behalten.

Ein Instrument zur Förderung der Nachfrage sind sogenannte grüne Leitmärkte. Sie sollen die Nachfrage nach CO2-reduziertem Stahl ankurbeln, etwa über öffentliche Aufträge wie den Bau im Schienennetz. Solche Leitmärkte könnten der Branche Planungssicherheit geben und Investitionen attraktiver machen. Ob sich das Modell durchsetzt, entscheidet mit darüber, wie schnell grüner Stahl wettbewerbsfähig wird.

Der Besuch von Merz im Saarland zeigt, dass die Politik den Umbau der Stahlindustrie als strategisches Projekt begreift. Ob die ambitionierten Ziele erreicht werden, hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob die Kosten für Wasserstoff und Strom sinken und ob die EU den Markt wirksam abschirmt. Für die betroffenen Unternehmen und ihre Aktionäre bleibt die Transformation damit eine Wette auf die richtigen politischen und technologischen Weichenstellungen.

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